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mare No. 175

Erscheinungsdatum: 10.04.26
ISBN: 978-3-86648-464-1
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Produktdetails

Liebe Leserin, lieber Leser,
manchmal beginnt eine Geschichte mit einer einzigen Fotografie. Mit dem Bild eines Aals in einem gläsernen Zylinder. Sein heller Körper schwebt im Wasser, still und unnahbar. Seine Gestalt ist ausgeleuchtet und gut sichtbar und wirkt in dieser technischen Apparatur doch beinahe unwirklich.

Ich begegnete diesem Bild vor etwa zwei Jahren während eines Studentenprogramms, bei dem junge Fotograf:innen und Fotoredakteur:innen gemeinsam an Geschichten arbeiten und sie entwickeln. Der Fotograf Florian Sulzer gehörte zwar nicht zu den Teilnehmern, die ich betreute. Und doch hatte ich das Glück, seine Arbeit zu entdecken. Bald darauf beschlossen wir in der Redaktion, diese Geschichte gemeinsam mit ihm weiterzuverfolgen.

Der Europäische Aal begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden, wir wissen aber bis heute nicht genau, wo und wie er sich fortpflanzt. Aristoteles glaubte, er entstehe aus Schlamm, Sigmund Freud suchte vergeblich nach seinen Geschlechtsorganen. Noch immer hat kein Mensch seine Paarung in freier Natur beobachtet.

Vielleicht ist es diese Mischung aus Nähe und Unzugänglichkeit, die unsere Faszination nährt. Florian Sulzers Bilder begleiten dieses Tier, ohne es zu erklären. Sie erzählen von seiner Verletzlichkeit und seiner Widerstandskraft in einer Welt, die sich schneller verändert, als seine uralten Wege es erlauben. Diese Resilienz entscheidet über sein Fortbestehen in einer Umwelt, die sich durch menschliche Eingriffe tiefgreifend gewandelt hat – eine Eigenschaft, die auch uns zunehmend abverlangt wird. Wie eng sein Schicksal mit unserem eigenen verbunden ist, zeigen die Recherchen der Autorin Marlies Uken. Sie folgt dem Aal auf seinem Weg durch Meere und Flüsse, durch Labore und die verborgenen Strukturen eines globalen Handels (Seite 56).

Auch Juliette Pavy folgt in ihrer eindringlichen fotografischen Arbeit unsichtbaren Spuren. Autor Tim Schröder hat diese aufgenommen und zeigt, wie Quecksilber, freigesetzt durch menschliche Aktivität und verstärkt durch das Tauen des Permafrosts, in Nahrungsketten gelangt und sich im Körper von Tier und Mensch gefährlich anreichert. Besonders betroffen sind die Inuit, deren Leben seit je eng mit der Natur verbunden ist. Sie ernähren sich von dem, was Meer und Land ihnen geben, und sind daher als Erste Veränderungen ausgesetzt, die fern von ihnen ihren Ursprung haben. Das Meer bewahrt diese Geschichten. Und vieles daran verstehen wir erst allmählich (Seite 12). Auch bei mare verändert sich gerade einiges. Als Genossenschaft stellen wir uns neu auf, in der Redaktion wandeln sich die Rollen. Kolleginnen und Kollegen, die bisher eher im Hintergrund gearbeitet haben, bringen nun stärker ihre Perspektiven in das Heft ein. So wächst die Redaktion zusammen und mit ihren Aufgaben.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen
Anastasia Hermann

Das Blaue Telefon

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Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Die mare-Reportage

Altes Gift

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Leben

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Transatlantik

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Kombüse

Viva a Caldeira!

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Sportiv: Ein Koch fängt die Zutaten für sein Restaurant beimSurfen vor seiner brasilianischen Heimatstadt Itanhaém

Wissenschaft

Der Wanderer

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Kultur

Stille, tiefe Wasser

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Nicht bloß metaphorisch: Wie sehr das Meer das Werk der britischen Schriftstellerin Virginia Woolf prägte, war bislang kaum bekannt

Bilder waren seine Waffe – Edward Steichen

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Als Porträtist der Berühmten wurde er selbst berühmt. Dann zog er als Bildberichterstatter in den Krieg und zeigte dessen Barbarei

Der Pianist auf der Brücke

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Der Franzose Jean Cras war Marineoffizier, Komponist und Erfinder – und in allem erfolgreich. Wohin mit so vielen Begabungen?

Wissenschaft

Der heisse Norden

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Vor Millionen Jahren war der Norden Deutschlands ein tropisches Meer. Seine Relikte bescherten den Menschen großen Wohlstand

Der Korallenflüsterer

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Ein ungewöhnlicher Beitrag zur Rettung der Riffe: Ein Künstler spielt Korallen zu ihrer Heilung Musik vor. Kann das funktionieren?

Ausguck

Neues aus der Meeresforschung

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Nachrichten aus den Meeresforschungsinstituten der Welt

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