ab 06.02

mare No. 174

Erscheinungsdatum: 06.02.26
ISBN: 978-3-86648-463-4
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Produktdetails

Liebe Leserin, lieber Leser,
es waren meine ersten Sommerferien als Erstklässler, als ich mit meinen Eltern einen Schiffsausflug nach Helgoland machte. Für mich war es aufregend; es war meine erste Seereise, und sie fühlte sich groß an, denn es gab heftigen Wellengang. Für meine Mutter war es kein Vergnügen, sie wurde fürchterlich seekrank und verbrachte die Passage an der Reling. Mein Vater drückte mir ein paar Geldstücke in die Hand und bat mich, im Schiffskiosk eine Flasche Wasser für sie zu kaufen. So lief ich im Zickzack übers Deck des heftig rollenden Schiffs. Beim Ausbooten in das Börteboot, was uns von der Reede zur Insel bringen sollte, drückte mir ein Seemann einen kleinen braunroten Stein in die Hand. „Weil du so tapfer warst.“ Es war ein Roter Flint, ein Feuerstein, den es so nur auf Helgoland gibt. Mein Vater schenkte mir später noch einen Feuerstahl dazu. Damit war ich der König in meiner Pfadfindergruppe.

Merkwürdigerweise ist mir sonst nichts von Helgoland in Erinnerung geblieben, außer vielleicht, dass ich so viel Eis essen durfte, wie ich wollte. Und auch der Rote Flint kam mir erst wieder ins Gedächtnis, als wir uns in der Redaktion an die Planung unserer Titelgeschichte machten. Nach einer Autorin oder einem Autor mussten wir nicht lange suchen. Die Wahl fiel schnell auf Reimer Boy Eilers. Er verbrachte seine Kindheit auf den Helgoländer Hummerklippen, mit einem Großvater als Leuchtturmwärter und einem Onkel als Haifischer. Die Rückschau auf sein Helgoland fanden wir wunderbar authentisch. Wir hoffen, dass auch Sie unsere Begeisterung teilen (Seite 48).

Auf eine andere Weise hat uns Stefan Mosters Reportage aus der Finnmark im äußersten Norden Norwegens beeindruckt. Die leise Liebeserklärung an die einsamste Landschaft Europas und die sensible Fotografie von Severin Wohlleben erschienen uns in ihrer Wirkung kongenial. Der Schriftsteller Moster lebt die meiste Zeit des Jahres in Finnland und hat erfahren, dass Stille süchtig machen kann; Wohlleben hat als junger Mann ein Jahr in der Finnmark gelebt und weiß seither, wie atemberaubend schön das Licht dort ist (Seite 10).

Noch etwas Schönes gibt es zu berichten, diesmal aus unserem Verlag. Die Umwandlung des mareverlags in eine Genossenschaft – ein Geniestreich des mare-Gründers Nikolaus Gelpke – ist am 2. Januar vollzogen worden. Von nun an können Sie, wenn Sie mögen, Mitglied der Genossenschaft werden. Wie, das finden Sie leicht auf unserer Website mare.de unter „Genossenschaft“. Unverändert aber werden wir das tun, was wir am liebsten tun: Geschichten erzählen, aufklären, ohne den Zeigefinger zu erheben, und mit Hingabe gemachte gute Bücher publizieren. Und dass wir das tun können, verdanken wir nicht zuletzt Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Ohne Sie hätten wir das alles nicht geschafft.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen
Karl Spurzem

Die mare-Reportage

Am Rand der bewohnbaren Welt

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Die Finnmark im äußersten Norden Norwegens ist die einsamste Landschaft Europas. Dennoch erlebt man hier Wundersames

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Die Hoffnung liegt hinter dem Horizont

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Ein Tunnel in den Westen

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Mit dem visionären Plan eines Eisenbahntunnels von Budweis an die Adria wollte ein tschechoslowakischer Wirtschaftsprofessor seinem Land Anschluss an den Westen verschaffen

Essay

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Leben

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Kombüse

Ein Leben für den Fisch

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Achille Paladini, Abkömmling einer Fischhandelsdynastie in San Francisco, kreierte Saucen, die es zu kleinem Ruhm brachten

Wirtschaft

Unser täglich Öl gib uns heute

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Der milliardenschwere Hype um Omega-3-Fettsäuren reißt nicht ab. Dabei bleibt bei genauerer Betrachtung wenig Positives übrig

Der Ozean als Batterie

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Ein deutscher Forscher setzt riesige Betonkugeln auf den Meeresboden. Sie dienen als Pumpspeicher für elektrische Energie, die den Druckunterschied zwischen Innen und Außen nutzen

Kultur

Im Hafen der Tränen

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Aufregende Architektur birgt das Museum Fenix in Rotterdam. Es zeigt eindrücklich die Weltgeschichte menschlicher Migration

Hundstage

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Die indische Fotografin Dimpy Bhalotia porträtiert Menschen und Tiere, bevorzugt Hunde und bevorzugt an Stränden. Wie eingefroren wirken ihre Szenen – und haben viel Sinn für Humor

Wissenschaft

Botanikerin undercover

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1767 ging die französische Naturforscherin Jeanne Barret an Bord des Expeditionsschiffs von Louis-Antoine de Bougainville und segelte einmal um die Welt – als Mann verkleidet und erst spät enttarnt

Erst mal eine Pause

Erst mal eine Pause

Auf den 90 000 Schiffen, die täglich auf den Meeren unterwegs sind, reisen häufig Vögel mit. Sie nutzen die Schiffe zur Rast auf ihren Wanderflügen – und werden manchmal andernorts heimisch

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