Erst mal eine Pause

Auf den 90 000 Schiffen, die täglich auf den Meeren unterwegs sind, reisen häufig Vögel mit. Sie nutzen die Schiffe zur Rast auf ihren Wanderflügen – und werden manchmal andernorts heimisch

Im Herbst 2022 eilten Hunderte Vogelbeobachter nach Bryher, einer winzigen Insel vor der Küste Cornwalls. Sie kamen, um einen Fichtenwaldsänger (Setophaga fusca) zu sehen, der dort gesichtet worden war. Fichtenwaldsänger haben einen flammend-orangen Hals und hohen Trillergesang. Sie leben eigentlich 5000 Kilometer von Großbritannien entfernt in den Wäldern Nordamerikas, von wo aus sie im Winter nach Südamerika ­ziehen. Wie also war dieser Fichtenwaldsänger nach Bryher gelangt?

Fichtenwaldsänger sind gute Flieger. Aber sie sind auch klein, elf bis 13 Zentimeter lang. Jeder dieser Vögel wiegt nur so viel wie vier aufeinandergestapelte Ein-Cent-Münzen. Es ist schwer vorstellbar, dass ein solcher Vogel den Atlantik aus eigener Kraft überqueren kann. 

Ebenso unwahrscheinlich sei, dass der Vogel acht oder mehr Kilometer in den Himmel aufgestiegen und vom dort oben wehenden Jetstream nach Bryher gefegt wurde, sagt Roger Lederer, ein emeritierter Ornithologe an der California State University in Chico. Somit bleibt laut Lederer nur eine Erklärung: Der Fichtenwaldsänger kam per Boot.

Vögel reisen überraschend häufig als blinde Passagiere auf Schiffen. Die Besatzungen großer Transportfrachter erzählen schon lange von Spatzen, Eulen oder sogar Reihern, die sich auf den Decks niederlassen. Manche verweilen dort nur für ein paar Minuten, andere tagelang. Es gibt Videoaufnahmen, die zeigen, wie ein ganzer Schwarm von Staren auf einem Fischdampfer in der Nordsee landet.  Als Naturschützer in Schottland vor ein paar Jahren einen jungen Fischadler mit einem Ortungssender ausstatteten und anschließend seinen Wanderflug nach Spanien verfolgten, beobachteten sie verblüfft, wie der Greifvogel – aus den Signalen zu schließen – zunächst ein Stück auf einem Frachter mitreiste und dann auf ein zweites Schiff übersiedelte, bevor er den Rest der Strecke wieder selbst flog. 


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mare No. 174

mare No. 174Februar / März 2026

Von Ute Eberle und Jörg Hülsmann

Anders als manche Singvögel war Ute Eberle, Jahrgang 1971, freie Journalistin in Baltimore, USA, noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff.

Jörg Hülsmann, geboren 1974, studierte Illustration in Düsseldorf und Hamburg. Seit 2003 zeichnet er für Buchverlage und Magazine.

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Vita

Anders als manche Singvögel war Ute Eberle, Jahrgang 1971, freie Journalistin in Baltimore, USA, noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff.

Jörg Hülsmann, geboren 1974, studierte Illustration in Düsseldorf und Hamburg. Seit 2003 zeichnet er für Buchverlage und Magazine.

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Anders als manche Singvögel war Ute Eberle, Jahrgang 1971, freie Journalistin in Baltimore, USA, noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff.

Jörg Hülsmann, geboren 1974, studierte Illustration in Düsseldorf und Hamburg. Seit 2003 zeichnet er für Buchverlage und Magazine.

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