Der Ozean als Batterie

Ein deutscher Forscher setzt riesige Betonkugeln auf den Meeresboden. Sie dienen als Pumpspeicher für elektrische Energie, die den Druckunterschied zwischen Innen und Außen nutzen

Bernhard Ernst will Iglus unter Wasser bauen. Gigantische Iglus, gegossen aus Beton, jedes groß wie ein zehnstöckiges Haus. Sie sollen in 600 bis 800 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund stehen, wo der Ozean fast komplett dunkel und still ist. 

Die Iglus sollen Speicher sein. Wobei nicht gleich offensichtlich ist, was Ernst darin speichern will. Ernst ist Senior Project Manager am Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) in Kassel, und laut seinem Konzept sind die Iglus entweder gefüllt mit Meerwasser oder leer gepumpt und enthalten dann prinzipiell – nichts.

Derart tief unter Wasser ist „nichts“ gleichbedeutend mit Energie. Das macht Ernsts Iglus zu etwas Besonderem. Er möchte Hunderte davon errichten, ganze Kolonien. Ernst ist nicht der einzige ­Energieforscher, der glaubt: Wenn wir es schaffen, genug Nichts unter Wasser zu lagern, könnte uns das helfen, die Klimakrise zu bewältigen.

Es ist schwierig, Energie im großen Maß zu speichern. Wasser können wir dämmen, Kohle bunkern, Öl in Fässer füllen. Aber Energie? 

Im Alltag kommt sie bekanntlich aus der Steckdose und ist immer abrufbar. Das geht aber nur, weil hinter den Kulissen täglich ein gigantischer Drahtseilakt stattfindet. Ein Verbund aus Kraftwerken, ­Trafostationen, Überlandleitungen und unterirdischen Kabeln speist immer so viel Elektrizität in unsere Wohnzimmer, Büros, Kliniken, Schulen und Fabriken, wie wir abzapfen. Weniger an hellen ­Sommertagen, mehr im dunklen Winter – und besonders viel nach dem Abpfiff eines Fußballweltmeisterschaftsspiels, wenn wir alle endlich den Geschirrspüler an­stellen oder noch schnell eine Ladung Wäsche starten.

Wackelt diese ausgeklügelte Balance, weil etwa weniger Energie ins Netz gespeist wird, als wir abziehen, merken wir das an Spannungsschwankungen. Im schlimmsten Fall bricht das System zusammen: ein Stromausfall.

Der Drahtseilakt klappte bisher, weil Energie traditionell vor allem aus fossilen Brennstoffen gewonnen wurde. Kohlekraftwerke und Erdgasturbinen können kurzfristig mal mehr, mal weniger Rohstoff verbrennen und ihre Stromproduk­tion damit flexibel anpassen. 

Doch mittlerweile kommt in Deutschland mehr als die Hälfte der Elektrizität aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Photovoltaik. Bis 2030 sollen es mindes­tens 80 Prozent sein.
Solarzellen können nicht flexibel einmal mehr, einmal weniger Energie liefern. Sie können nicht einmal stetig Energie liefern. Sie erreichen ihre Höchstform an hellen Tagen, wenn vielleicht wenig Elektrizität gebraucht wird. Dafür schwächeln sie an dunklen Abenden und Winter­tagen, wenn mehr Strom nachgefragt wird. Und Windräder produzieren manchmal tagelang überhaupt keinen Strom. Bläst der Wind dann, liefern sie im Überfluss. 


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mare No. 174

mare No. 174Februar / März 2026

Von Ute Eberle

Ute Eberle, Jahrgang 1971, freie Wissenschaftsjournalistin in Baltimore, USA, fand es bemerkenswert, dass Fußballweltmeisterschaftsspiele kurzfristige Lastspitzen im Stromnetz auslösen. Da sie selten Fußball schaut, hofft Eberle, dass dies ihr kleiner Beitrag zur Energiewende ist.

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Vita Ute Eberle, Jahrgang 1971, freie Wissenschaftsjournalistin in Baltimore, USA, fand es bemerkenswert, dass Fußballweltmeisterschaftsspiele kurzfristige Lastspitzen im Stromnetz auslösen. Da sie selten Fußball schaut, hofft Eberle, dass dies ihr kleiner Beitrag zur Energiewende ist.
Person Von Ute Eberle
Vita Ute Eberle, Jahrgang 1971, freie Wissenschaftsjournalistin in Baltimore, USA, fand es bemerkenswert, dass Fußballweltmeisterschaftsspiele kurzfristige Lastspitzen im Stromnetz auslösen. Da sie selten Fußball schaut, hofft Eberle, dass dies ihr kleiner Beitrag zur Energiewende ist.
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