Mitarbeitertipp Juli 2017

mare-Kulturredakteurin Zora del Buono empfiehlt mare No. 88 "Wikinger"

Manchmal muss man seine Kollegen loben. Wer auch immer diese Titelzeile gedichtet hat, verdient einen großen Krug Met (mjǫðr): „Sie trugen keine Hörner, wuschen sich jeden Samstag, schwärmten für Gedichte und liebten das Gärtnern." Da wird man doch gleich neugierig! Unser "Wikinger-Heft" (mare no. 88) ist aber nicht nur wegen seiner Titelzeile, des wunderbar grafischen Covers und der vielen aufregenden Geschichten eines meiner liebsten, sondern (ganz egozentrisch), weil mich eine meiner schönsten Reportagereisen an jenen Ort auf dem amerikanischen Kontinent führte, den die Wikinger um das Jahr 1000 herum besiedelt hatten: L' Anse aux Meadows im nördlichsten Neufundland. Nicht nur, dass die Nordmänner und Nordfrauen 500 Jahre vor Columbus in ihren kleinen Holzbooten ihren Weg nach Amerika fanden, ist beeindruckend, auch die Erinnerung an diese winzige historische Siedlung lässt im Nachhinein mein Herz schneller schlagen. Rührend sind die Handvoll Menschen, die sich heute als Wikinger verkleidet in dem Museumsdorf ihr Leben verdienen, so wie der bärtige Musiker Wade, der nach der Arbeit auf der Harley nach Hause braust, ein Wikinger durch und durch. Mächtig sind die Elche, die einem über den Weg laufen. Großartig das Licht des Nordens, der Wind, die Einsamkeit. Die Wikinger mögen grobe Gesellen gewesen sein, aber ihre Geschichte erinnert mich daran, dass wir alle Wandernde sind, auf der Suche nach einem besseren Leben.

Met übrigens ist eine Art Wein aus vergorenem Honig.