mare No. 121

Aktuelles Heft

Okt 2017, No. 124

EIN KAPITÄN VERSCHWINDET
Das Rätsel der Seemannskiste

LAUSCHANGRIFF IN DER TIEFE
Seekabel - verletzliche Schlagadern der Datenwelt

Marlene Dietrich
Königin der Transatlantikfahrt

Weltkarte

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

diese unfassbar perfekte Vereinigung aus Abendlicht und Decksbeleuchtung an Bord eines Schiffes auf hoher See, das leichte Vibrieren des Stahls unter den Füßen, zugleich ein leichtes Schaukeln in der Dünung und den Blick zum Horizont hin gewendet - so verbrachte ich unzählige Stunden auf Forschungsschiffen. Wenn dann in der aufkommenden Dunkelheit die Scheinwerfer der Kranwinde das schwarze Meer erhellten und das Plankton anzogen, darauf folgend die Fliegenden Fische den Tisch so bereitet vorfanden und wiederum kurze Zeit später Kalmarschwärme eben diese jagten, dann waren die Haie nicht mehr fern, die vor ihnen fliehende Tintenfische aus der Wasseroberfläche trieben. Solche Abende und Nächte an Bord waren immer perfektes Glück. Und doch begab ich mich später nie auf ein Kreuzfahrtschiff, um solches wieder zu erleben. Vielleicht liegt es daran, dass ich am Meer vor allem die Reduzierung liebe, die Konzentration der Sinne. Die Farben umhüllen einen großflächig in Blau-, Grau- und Grüntönen, die Vielfalt der Gerüche ist so gering, dass man fast nur sich selbst wahrnimmt, und jedes Geräusch ist im Einklang mit den Wellen. So ist alles Meer. Denke ich aber an Kreuzfahrt, dann denke ich an Musik und Tanz, opulente Buffets, gechlorte Pools, Stimmengewirr und viel Buntes. Dann denke ich an alles andere als ans Meer. Was Sie auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt darüber hinaus noch erwartet, warum die Bestsellerautorin Donna Leon solche Giganten fürchtet und was immer mehr Menschen doch auf ihnen reisen lässt, lesen Sie ab Seite 58.

Wie entstehen nationale Identitäten? Im Fall der Vereinigten Staaten von Amerika stellen sich uns diese Fragen derzeit öfter denn je. Für eine gedankliche Vertiefung und auf der Suche nach Antworten blicken wir in dieser Ausgabe bis ins Jahr 1620 zurück. Wir berichten von der Überfahrt an die Ostküste Amerikas auf der „Mayflower" bis hin zu dem Selbstverständnis der heute Millionen zählenden Nachfahren der Pilgerväter wie Hugh Hefner oder Alec Baldwin. Wir erkunden gewissermaßen den genetischen Code der weißen Amerikaner. Eine Identität, die sich dadurch wenigstens zum Teil erklärt und uns doch häufig ratlos zurücklässt. Am 10. April 1997, vor genau 20 Jahren, erschien die erste Ausgabe von mare. Aus diesem Grund widmen wir 22 Seiten dieser Ausgabe einem Rückblick auf diese zwei Jahrzehnte (Seite 86). Wir sind freudig-erstaunt, dass wir schon so lange unsere Geschichten erzählen dürfen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Nikolaus Gelpke

 

Ein erster Blick

Die mare-Reportage

Sulina

Sulina am Schwarzen Meer, einst der glanzvolle Sitz der Europäischen Donaukommission, der mächtigen Schifffahrtsbehörde des längsten Flusses in Europa, ist nach ihrem Ende 1948 in einen Dornröschenschlaf gefallen.
Von Angelika Overath und Julien Pebrel

Politik

Das Schiffschromosom

Die religiösen und weltanschaulichen Werte und Ideale, die die Pilger­väter an Bord der „Mayflower“ im Gepäck hatten, bestimmen bis heute das Denken und Fühlen weißer Amerikaner.
Von Peter Haffner

Leben

Walverwandtschaften

Die Australierin Hannah Fraser träumte als Kind davon, eine Meerjungfrau zu sein. Sie fand ihr Glück als schöne Nixe im Einsatz für den Schutz von Meeresbewohnern.
Von Stefan Nink

Mit Faulgas ins Wohlbefinden

Eine Therapie, schlimmer als das Leiden: Vor 100 Jahren ver­breite­ten Australier mit einigem Erfolg, dass stundenlanges Verweilen in einem toten Wal Rheumatiker von Schmerzen befreie.
Von Holger Kreitling

Wirtschaft

Fühl! Dich! Wohl!

Der nicht enden wollende weltweite Boom der Kreuzschifffahrt – allein 2017 sollen zehn Megacruiser vom Stapel laufen – bringt immer neue Superlative hervor. Derzeitige Weltrekordhalterin ist die „Harmo­ny of the Seas“. Eine Welt für sich auf 362 Metern.
Von Jan Keith und Alberto Bernasconi

Die Klugheit der Kreuzfahrer

Was ist so toll am Urlaub auf einem Megacruiser? Eine Glosse.
Von Christian Schüle

Kultur

20 Jahre mare

mare feiert 20. Geburtstag. Eine Auswahl der Bilder zweier Jahrzehnte sind ein Spiegel der Zeitläufe. Aber auch des mare-Anliegens.
Von Nikolaus Gelpke, Barbara Stauss und Karl Spurzem

Leben

Notizen einer Landratte, 43.

Text: Maik Brandenburg   
In dieser Folge wird sich unser Kolumnist Maik Brandenburg seines Alters gewahr, macht sich verdient um Förderung von Männern in Marketingzielgruppen und berichtet von seinem Versuch, der Welt zu zeigen, was Kerle sind.

Politik

Ein leuchtendes Vorbild

Text: Till Hein   
Sie sind winzig, aber für uns Menschen enorm wichtig: Hawaiianische Zwergtintenfische sollen helfen, neue Heilmittel gegen Darmkrankheiten zu finden. Womöglich sogar gegen Liebeskummer.

Wie Amerika begann

Text: Rüdiger Barth   
Die Pilgerväter an Bord der „Mayflower“ waren nicht die ersten, aber die prominentesten europäischen Siedler Amerikas. In ihrem Gepäck hatten sie wenig mehr als Glaube und Hoffnung.

Wirtschaft

Höllenschiffe

Text: Donna Leon   
Bestsellerautorin Donna Leon hat mehr als 30 Jahre in Venedig gelebt und weiß, woran „ihre“ Stadt am meisten leidet: Es sind die Kreuzfahrtschiffe.

Volldampf ins Vergnügen

Text: Julia Friedrichs   
Eine Schiffsfahrt aus reinem Vergnügen – als der Hamburger Reeder Albert Ballin Ende des 19. Jahrhunderts die Kreuzfahrt erfand, war dies eine Sensation. Doch leisten konnte sich so etwas nur eine reiche Minderheit. Heute sind Kreuzfahrten ein Massenphänomen, die Branche erlebt einen nie da gewesenen Boom.

Giftiger Beifang

Text: Mathias Zschaler   
Beim analogen wie beim digitalen Netz gilt: Es lässt sich zu dem Wohl und Nutzen anwenden, zu dem es ersonnen wurde. Aber auch zu eigenem und fremdem Schaden.

Kombüse

Die Suppe des Admirals

Text: Andrea Walter   Fotos: Nicole Strasser
Das „Trafalgar“, ein Lokal in der englischen Hafenstadt Fleetwood, ist so ziemlich das Gegenteil der ­gleichnamigen hitzigen Seeschlacht. Hier lässt man sich Zeit – nicht nur, damit die Suppe kalt wird.