mare No. 115

Aktuelles Heft

Apr 2017, No. 121

der geist der "mayflower"
Von den Pilgrims zu Trump

abrakadaver
Wie tote Wale Rheuma wegzaubern

große meerjungfrau
Weltkarriere eines Unterwassermodels

Weltkarte

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

neue Nachrichten erreichen uns am schnellsten über das Internet, wo man Geld mit Werbung verdient und die Anzeigenpreise sich an den Seitenabrufen, den Klickzahlen orientieren. Das führt dazu, dass das Internet tendenziell opportunistisch darauf reagiert, was uns gerade emotional beschäftigt. Auch deshalb finden wir dort seit einigen Monaten fast immer an erster Stelle Nachrichten, die sich mit der Flüchtlingskrise befassen. Vor fünf oder zehn Jahren existierten dazu kaum Berichte im Internet.

Bei mare konzentrieren wir uns bewusst auf uns wesentlich erscheinende Informationen und gewinnen dadurch Einblicke in Geschehnisse jenseits der Aktualität. Und deswegen manchmal sogar früher als andere Medien. So berichten wir seit mehr als zehn Jahren ausführlich, in langen, vertiefenden Reportagen, über die Flüchtlingsproblematik. Hier eine Auswahl:
"Für eine Million Schilling", April 2009: Zehntausende Somalis flüchten über den Golf von Aden nach Jemen. "Schattenspiel", Februar 2007: ein Flüchtlingscamp im griechischen Hafen Patras, wo die Menschen sich auf Lkws verstecken. "Vermisst", Juni 2011: letzte Briefe und Fotos von Migranten, die im Mittelmeer ertrunken sind. „Das Dilemma des Comandante", April 2005: ein Kommandant der Küstenwache auf Lampedusa, der zwischen der Rettung von Leben und der Verhinderung von illegaler Einreise steht. "Friede, Freude, Frontex?", August 2013: ein Porträt der umstrittenen EU-Agentur für Außengrenzenzusammenarbeit. "Humanitas in Seenot", April 2010: Rechtslücken bei der Rettung von Bootsflüchtlingen, die nur mit politischem Willen zu schließen sind. "Retten tut not", Februar 2012: Menschen auf Schiffe aufzunehmen ist illegal, Seenotrettung aber nicht.

Wir werden weiter an diesem Themenkomplex arbeiten, weiter versuchen, Ihnen vertiefende Geschichten zu erzählen, die jenseits der Aktualität liegen. Und wir werden Ihnen, wie in der vorliegenden Ausgabe, das alltägliche Leben jener Menschen näherbringen, die, anstatt vor Terror und sozialer Not zu fliehen, in ihren Ländern bleiben (Die Piers des Irsinns).

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Nikolaus Gelpke

 

Ein erster Blick

Wissenschaft

Vom Wal verschluckt

Text: Till Hein   
In der Bibel wird Jona vom Wal verschluckt Und überlebt. Aber geht das auch in Wirklichkeit?

Das Wüstenmeer

Text: Bernd Flessner   
Der französische Geograf François Élie Roudaire hat im Jahr 1874 eine kühne Vision: Er will Teile der Sahara fluten und in ein künstliches Meer verwandeln.

Kultur

Botticelli

Text: Hans-Joachim Müller   
Es ist so viel mehr als das Bildnis einer Frau. Sandro hat der Venus eine Gestalt gegeben, die zum ewigen Sinnbild wurde. Eine Betrachtung im Detail.

Dalí

Text: Jens Rosteck   
Seine gigantische Installation „Traum der Venus“ wurde für den Künstler zum Albtraum. Auf der Weltausstellung 1939 in New York geriet Salvador zwischen die Fronten von Kunst und Kommerz. Aber selbst im Scheitern war er noch grandios.

Vongole

Text: Manfred Kriener   Fotos: Hans Hansen
Die Göttin der Liebe – ein wahrer Genuss. Kenner mögen sie am liebsten heiß, scharf und ölig. Spaghetti alle sind ein Klassiker der neapolitanischen Küche. Obwohl die meisten Italiener vielleicht gar nicht wissen, dass die kleine Muschel im Deutschen auf den Vornamen Venus hört.

Leben

Ein Mann lässt los

Text: Peter Haffner   Fotos: Barbara Dombrowski
Er war ein Mann der Rekorde. Robert Peroni bestieg Berge, durchquerte Wüsten und war immer auf den nächsten Nervenkitzel aus. Doch dann kam er nach Grönland und spürte, was er verlöre, wenn er weitermachen würde wie bisher.

Notizen einer Landratte, 37.

Text: Maik Brandenburg   
In dieser Folge zeigt unser Kolumnist Maik Brandenburg Zuneigung für das thüringische T, plädiert für rücksichtsvolle Missachtung von Kapitänen zu Lande und prangert die Perfidie mancher Tourismusmanager an.

Einer wird sterben

Text: Marike Frick   Fotos: Jörg Hülsmann
Das Handelsschiff „Peggy“ treibt 1765 manövrierunfähig im Atlantik, darauf neun hungrige Männer. Sie essen Katzenfleisch und schlingen Leder hinunter. Schließlich greifen sie zum allerletzten Mittel.

Politik

Das Ende der Homogenität

Text: Christian Schüle   
Die Suche der Bootsflüchtlinge nach Geborgenheitsräumen eröffnet Europa die Chance auf neue Formen von Gemeinschaft.

Der Ausflug, der kein Ende nahm

Text: Martina Hinz   
Über Jahrzehnte wurden britische Heimkinder zwangsweise nach Australien verschifft. Als formbarer Nachwuchs sollten sie die weiße Bevölkerung stärken.

Der galicische Jesus

Text: Henning Zander, Nils Hofmeister   
Ein radikaler Aktivist, Humanist und Künstler – sein Tod, kurz nach der Katastrophe des Öltankers „Prestige“, macht Manfred Gnädinger zum Symbol der Umweltbewegung in Galicien.

Die wollen doch nur töten

Text: Emanuel Eckardt   
Es waren Inszenierungen, Spiele fürs Volk, blutig und ernst. Römische Kaiser ließen Arenen fluten und schickten Tausende Gladiatoren aufs Wasser, um Seeschlachten nachzustellen.

Wirtschaft

Es ist eine mathematische Gewissheit: Eines Tages wird der Vorrat an Phosphat, dem Hauptbestandteil von Düngemittel, aufgebraucht sein. Die Folge: eine weltweite Hungersnot, die alle betrifft, Arme und Reiche. Es sei denn, wir lernen, sparsamer mit dem Rohstoff umzugehen.

Was fährt denn da?

Text: Bernd Flessner   
Wer diesen Zug nimmt, könnte nass werden. 1894 baut der britische Erfinder Magnus Volk eine Tram, die durchs Meer fährt, Rettungsboot inklusive.

Kombüse

Auf dich, vergessener Held!

Text: Martin Kaluza   
„South Pole Inn“ ist ein seltsamer Name für einen Pub an der irischen Westküste. Wer ins Grübeln kommt, muss nur an die Theke gehen. Da steht einer, der viel darüber zu erzählen weiß.

Blaues Telefon

Welche Fangmethoden sind am nachhaltigsten? Woher hat der Knurrhahn eigentlich seinen Namen? Sind Bomben, Munition und andere Altlasten aus den Weltkriegen in den Meeren heute noch eine Gefahr?

Ausserdem

Die Piers des Irrsinns

Text: Andrzej Rybak   Fotos: Bénédicte Kurzen
Lagos in Nigeria ist mit fast 20 Millionen Einwohnern die größte Stadt Afrikas. Und sein Hafen wächst und wächst. Er ist ein Spiegelbild der Megastadt – geplagt von Kriminalität und Chaos, gelähmt durch sinnlose Bürokratie.