mare No. 93

Aktuelles Heft

Aug 2016, No. 117

lifeguards
Leben und Retten in L. A.

Bitte lächeln, Fisch
Wie Kameras das Tauchen lernten

Giftiges Paradies
Italiens weißester Strand ist nichts als Chemie

Weltkarte

Editorial

Liebe Leserin, liebe Leser,

die Frage, wie krank das Meer sei, ist streng genommen nicht zulässig. Denn das Meer kann nicht krank sein. Doch wir besitzen nun einmal besonders dann eine anthropozentrische Sichtweise, wenn wir uns bedroht fühlen. Und diese Sorge erlaubt die Frage sogar zwingend. Denn nur so können wir feststellen, dass die Ozeane zu warm sind, zu sauer, zu leer gefischt, zu vermüllt mit Plastik und zu vergiftet.

In der vorliegenden Ausgabe stellen wir Forschern Fragen zum Zustand der Meere, machen uns Gedanken über wissenschaftliche Wahrheit (Seite 74) und berichten von einer Umwelt- und Menschenkatastrophe, nämlich von Fukushima und seinen Fischern (Seite 80). Und dann postulieren wir unsere zehn Wahrheiten zum Zustand der Meere – basierend auf dem 2010 von mare und dem Exzellenz­cluster Kiel herausgegebenen Zustandsbericht der Meere, dem „World Ocean Review“, und mit unserer subjektiven Wahrheit zugespitzt (Seite 62).

Denn die Umweltdebatte ist zwar interessant und auch die Wahrheitsdefinition. Aber wir sind der absoluten Überzeugung, dass wir sehr schnell handeln müssen. Die Vorschläge dazu sind bekannt.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Nikolaus Gelpke

 

Ein Blick ins Heft

Artikel in Auszügen

Wissenschaft

Zehn Wahrheiten über das Meer

Ein Streit ohne Ende: Wir bringen die Ozeane zum Kollabieren, sagen die einen. Halb so wild, alles schon mal dagewesen, sagen die anderen. Dabei sind manche Fragen längst im Konsens beantwortet. mare zeigt die zehn wichtigsten auf.
Von Tim Schröder

Eine Idee der Wahrheit

Der Streit um den von Menschen gemachten Einfluss auf das Klima und die Auswirkungen auf die Ozeane wirft die Frage auf: Wie geht die Wissenschaft mit der Last der Beweislast um? Fragen an zwei führende Klimaforscher, Professor Stefan Rahmstorf und Professor Mojib Latif.
Von Nikolaus Gelpke

Wissenschaft

Die Letzten werden die Letzten sein

Text: Carsten Stormer   Fotos: Dominic Nahr
Japans nukleare Katastrophe fordert ein weiteres Opfer: In Fukushima stirbt der Beruf des Fischers aus.

Zehn Wahrheiten über das Meer

Text: Tim Schröder   
Ölkatastrophen, Überfischung, Artensterben – in wenigen Jahrzehnten hat der Mensch es geschafft, das marine Ökosystem an den Rand des Kollapses zu bringen. Die Frage ist: Wie viel Zeit bleibt uns noch, diesen Prozess umzukehren? Und was müssen wir dafür tun? Zehn Fragen und zehn Antworten über den Zustand unserer Meere.

Eine Idee der Wahrheit

Text: Nikolaus Gelpke   
Die Forschung will exakt sein – aber wo exakt endet Unwahrheit, und wo beginnt die Wahrheit in der Wissenschaft? Fragen an zwei führende Klimaforscher der Gegenwart, an Stefan Rahmstorf und Mojib Latif, gestellt und mit einer Einführung von Nikolaus Gelpke.

Kultur

Die Kunst des Ränkespiels

Text: Christian Semler   
1473 überfiel ein Kapitän der deutschen Hanse ein Florentiner Schiff. In der Beute befand sich ein kostbares Altarbild des Künstlers Hans Memling. Ein politisches Tauziehen um das Gemälde begann.

Bunt wie das Leben

Text: Karl J. Spurzem   Fotos: Francesco Zizola
Der römische Künstler Franco Costa wurde weltbekannt als Maler des Segelsports. Es hätte auch alles anders kommen können in seiner wechselvollen, leidenschaftlichen Welt.

Nordisches Sehnen

Text: Bernd Henningsen   
Der alljährliche Zug der Menschen des Nordens an die Strände der Ostsee offenbart ihr besonderes Verhältnis zum Meer.

Leben

Notizen einer Landratte, 16.

Text: Maik Brandenburg   
Diesmal beklagt unser Kolumnist Maik Brandenburg mit Bierernst den Verlust einer großen Tradition, erläutert geistreich die Rolle von Madeira bei Entdeckungsfahrten und ist hochprozentig überzeugt von der Beseeltheit der Schiffe.

Fisherman’s Trend

Text: Brigitte Kramer   
Von der Biskaya nach Paris. Den Werdegang des Fischersohns Cristóbal Balenciaga kann man jetzt in seinem baskischen Geburtsort nachvollziehen. In dem Küstendorf Getaria steht ein neues Museum, mit 1200 Kreationen des spanischen Modeschöpfers. Hochzeitskleider für Königinnen, Abendroben für Schauspielerinnen, Cocktailkleider für Millionärinnen. Ideen für seine Stoffskulpturen fand er ausgerechnet im Hafen. Wer die Kleidung der baskischen Fischer sieht, begreift: Ohne das Meer wäre Balenciaga um Inspiration verlegen gewesen.

Blackpool - Die menschliche Komödie

Text: Christian Schüle   Fotos: Nicole Strasser
Millionen Briten strömen jedes Jahr in das schwarze Loch an Englands Westküste. Hier suchen sie Sex und Bier und billige Vergnügen. Vor allem aber folgen sie einer alten Sehnsucht. Denn hier in Blackpool liegen ihre schönsten Erinnerungen.

Die Anziehungskraft des schwer Erreichbaren

Text: Peter Sandmeyer   
Das kennt jeder: mit dem Finger über den Globus oder den Schul­atlas streichen und auf den kleinen schwarzen Krümeln in der blauen Weite der Ozeane verharren. Wie mag es dort aussehen? Wer könnte dort wohnen? Heide und Erich Wilts wollten nicht nur träumen. Weit mehr als 200 entlegene Inseln haben sie in 36 Jahren betreten.

Politik

Eine Alternative zum Krieg

Text: Ronald Schenkel   
In Genf tagte 1872 das erste Schiedsgericht der Welt. Es legte den Konflikt um das amerikanische Kriegsschiff "CSS Alabama", der beinahe in einen Krieg geführt hätte, friedlich bei.

Das Dock der guten Hoffnung

Text: Anja Martin   Fotos: Andrew Testa
Ein junger protestantischer Priester will im Werftviertel von Belfast ein Schiff zur Kirche machen und alle Konfessionen mit an Bord nehmen. Den Optimismus des Reverend Chris Bennett kann nichts ins Wanken bringen, schon gar nicht die nordirische Vergangenheit.

Wirtschaft

Als die Boote fliegen lernten

Text: Andreas Spaeth   
Von San Francisco nach Manila in sechs Tagen statt sechs Wochen – die legendären Flugboote der Pan Am ließen Mitte der 1930er Jahre die Welt zusammenschrumpfen.

Kombüse

Eine beste Suppe der Welt

Text: Andrea Walter   Fotos: Heike Ollertz
Das reinste Wasser, die frischeste Luft, die meisten Literaturnobelpreisträger. In Island liebt man es, seine Gaben für berühmt zu erklären. Nur bei dieser Hummersuppe lässt sich darüber nicht streiten.

Blaues Telefon

Woher stammt der Brauch der Äquatortaufe? Was versteht man eigentlich unter einer „kalten Quelle“? Woher hat der Stille Ozean seinen Namen?