Hailigs Blechle

Fisch oder Jet? Die Geschichte einer missverstandenen Flosse

Die Haifischflosse am Autoheck ist die hinausragende Leistung des amerikanischen Industriedesigns der fünfziger Jahre. Die „tail fins“ gelten den einen als expressive Metapher eines sozio-ökonomischen Phänomens, anderen als Symbol der amerikanischen Neigung zu übertreiben. Die meisten hingegen finden sie schlicht aufregend. Ein rasantes Jahrzehnt lang galt Streamline als Dreamline und machte amerikanische Autos zum Mythos, den der Westwind nach Europa trug. Dabei entsprang die pathetische Geste aus Blech am ehesten noch dem uramerikanischen Charme, nicht langweilen zu wolllen. Selbst banale Objekte wie Kotflügel verdienten es noch, zum Akzent einer glorreichen Zukunft geschmiedet zu werden. „Sell the hope“ machte Designer wie Harley Earl und Virgil Exner zu Propheten des Fortschrittsglaubens. Dass sie dabei weniger an Fischflossen, wie so oft vermutet, als vielmehr an Flugzeugen Maß nahmen, interessierte die Autofahrer kaum. Indem sie das Schöne dem Praktischen vorzogen, wurden sie Teilhaber an der Kultur des Strebens nach Glück. Die Heckflosse war das Leitwerk des „American Dream“. kjs

mare No. 57

No. 57August / September 2006

Von Karl J. Spurzem

Karl J. Spurzem, geboren 1959 im Rheinland, studierte Kunstgeschichte, Romanistik und Städtebau. Nach Stationen bei der Berliner Tageszeitung Die Welt, einer Hamburger Musikzeitschrift und als freier Journalist wurde er im Sommer 2001 Chef vom Dienst bei mare, im Frühjahr 2008 stellvertretender Chefredakteur und Textchef. Seither lernt der Segelflieger das Segeln.

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Vita Karl J. Spurzem, geboren 1959 im Rheinland, studierte Kunstgeschichte, Romanistik und Städtebau. Nach Stationen bei der Berliner Tageszeitung Die Welt, einer Hamburger Musikzeitschrift und als freier Journalist wurde er im Sommer 2001 Chef vom Dienst bei mare, im Frühjahr 2008 stellvertretender Chefredakteur und Textchef. Seither lernt der Segelflieger das Segeln.
Person Von Karl J. Spurzem
Vita Karl J. Spurzem, geboren 1959 im Rheinland, studierte Kunstgeschichte, Romanistik und Städtebau. Nach Stationen bei der Berliner Tageszeitung Die Welt, einer Hamburger Musikzeitschrift und als freier Journalist wurde er im Sommer 2001 Chef vom Dienst bei mare, im Frühjahr 2008 stellvertretender Chefredakteur und Textchef. Seither lernt der Segelflieger das Segeln.
Person Von Karl J. Spurzem