Fire Island – Ein schmaler Streifen Glück

Fire Island – Ein schmaler Streifen Glück

In den 1970er-Jahren feierte die New Yorker Gay Community auf einer kleinen Insel die Liebe und das Leben. Eine junge Fotografin verewigte das einst unbeschwerte Glück in Bildern

Fire Island – it’s a funky weekend, a funky, funky weekend / It’s the place, where you’ll find me, the sun and the sea, / the place where love is free, yeah …“ Wir schreiben das Jahr 1977, und nicht nur Village People sind mit ihrem Discohit außer Rand und Band, wiederholen euphorische Zeilen in einem Stakkato, das noch aufgedrehter ist: „Fire Isla-and, Fire Fire Island!“

Es war eine Zeit, in der für die meisten Amerikaner einen Moment lang alles gut zu sein schien. Der Vietnamkrieg war (für die Amerikaner, nicht für die verfolgten Südvietnamesen) zu Ende gegangen, der rechtsbrecherische Trunkenbold Richard Nixon und sein blasser Präsidentennachfolger Gerald Ford waren Geschichte, seit Januar ’77 residierte im Weißen Haus wieder ein würdiger Mensch, a really good guy: Jimmy Carter, der Erdnussfarmer aus Georgia. Und auch wenn er, der zutiefst gläubige Baptist, und seine ebenso religiöse Gattin Rosalynn alles andere als „funky“ waren – ein moralistischer Kulturkrieg war von den beiden nicht zu erwarten. Im ganzen Land schien Entspannung angesagt, die nach 1968 kurzzeitig verbal engagierte Populärkultur setzte auf Fun, Village People produzierten einen Dancefloor-Stampfer nach dem anderen.

Was aber hatte es mit jenem hymnisch angepriesenen Fire Island auf sich? Das 48 Kilometer lange und gerade einen Kilometer breite Eiland zeigt sich auf der Landkarte als eine Art Linie mit winzigen Ausbuchtungen, die sich auf Meeresseite hinter dem ungleich größeren Long Island zu verstecken scheint. In der Sprache der Geografen heißen solche Gebilde Barriereinseln, auch manche der Keys im südlichen Florida sind solche zu Land, Strand und Dünen gewordenen Barrieren, die einen Teil des Meers vom offenen Ozean abtrennen. Wer in den 1970er-Jahren an der New Yorker Penn Station den Zug nach Long Island nahm, um dort mit der Fähre nach dem bis heute autofreien Fire Island überzusetzen, hatte freilich zuvor schon ganz andere Barrieren überwinden müssen – oder konnte sie auf der Insel ein wildes Wochenende lang wegtanzen. Denn was waren schon bis zu drei Stunden Fahrtzeit, wenn sich dort ganze Jahre von drückendem Lebensgepäck für eine Weile verflüchtigen durften?


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mare No. 178

mare No. 178Oktober / November 2026

Von Marko Martin und Meryl Meisler

Marko Martin

Die New Yorker Fotografin Meryl Meisler, Jahrgang 1951, hält bis heute den Alltag ihrer Stadt mit queerem Blick und jüdischem Humor in Bildern fest. Für sie war der erste Besuch auf Fire Island wie die Entdeckung eines realen Märchenlands, wo Freiheit, Freude, Selbstentfaltung und Gemeinschaft Tag und Nacht offen und sichtbar gelebt wurden.

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Seitenzahl44
Vita

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Die New Yorker Fotografin Meryl Meisler, Jahrgang 1951, hält bis heute den Alltag ihrer Stadt mit queerem Blick und jüdischem Humor in Bildern fest. Für sie war der erste Besuch auf Fire Island wie die Entdeckung eines realen Märchenlands, wo Freiheit, Freude, Selbstentfaltung und Gemeinschaft Tag und Nacht offen und sichtbar gelebt wurden.

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Die New Yorker Fotografin Meryl Meisler, Jahrgang 1951, hält bis heute den Alltag ihrer Stadt mit queerem Blick und jüdischem Humor in Bildern fest. Für sie war der erste Besuch auf Fire Island wie die Entdeckung eines realen Märchenlands, wo Freiheit, Freude, Selbstentfaltung und Gemeinschaft Tag und Nacht offen und sichtbar gelebt wurden.

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