Federführend

Die Federn von Seevögeln sind ein besonders schöner Ausdruck der Natur. Zwei Präparatoren des Berliner Naturkundemuseums, Weltmeister ihres Fachs, holten die prächtigsten von ihnen für mare aus der Sammlung und sprechen über ihre Arbeit

Beim Thema Wiedergeburt sind sich die Weltreligionen uneins. Jürgen Fiebig und Robert Stein aber haben handfeste Beweise, dass es dieses Phänomen tatsächlich gibt. Zumindest bei Tieren mit Gefieder. „Unser Job ist es, Vögeln, die gestorben sind, ein neues Leben zu schenken“, sagt Fiebig, während Stein einem Pinguinbaby über das flauschige Daunenkleid streichelt. Neben dem Küken kauert ein ausgewachsener Seetaucher auf dem Arbeitstisch. Sein Blick ist in die Ferne gerichtet, die Muskeln unter dem schwarz-weißen Gefieder scheinen zu zucken. Ob er sich gleich in die Lüfte erhebt?

Die beiden Seevögel sind Präparate. Doch sie wirken vital, als fließe noch Blut in ihren Adern. Und in ihrem zweiten Leben, das ihnen die Vogelpräparatoren des Berliner Naturkundemuseums eingehaucht haben, sind sie – als Prunkstücke der Sammlung – wahrscheinlich sogar unsterblich. Was Daunen, Kontur- und Schwungfedern angeht, überflügelt Stein und Fiebig so schnell keiner. Bereits zweimal wurden sie Präparatorenweltmeister.

„Es geht bei unserer Arbeit nicht nur um Anatomie“, erklärt Fiebig, „wir denken uns in die Vögel hinein.“ Hinzu kommen Fachwissen und handwerkliche Präzision. „Die Konkurrenz ist groß“, sagt Stein. „Gewinnen kann nur, wer bis in die letzte Federspitze exakt arbeitet.“Federn – mit der Begeisterung für diese „Kunstwerke der Natur“ habe alles begonnen, erzählt Stein. „Wir haben beide schon als Kinder Vogelfedern geliebt und gesammelt. Das ist fast wie eine Sucht.“ Einige Prachtexemplare schmücken, den Kiel in einer Leiste aus Styropor, ein Regal in der Präparatorenwerkstatt. Manche leuchten in Regenbogenfarben, andere sind silbergrau. Einige haben die Länge eines menschlichen Unterarms, andere sind kleiner als ein Fingernagel. Manche fühlen sich kuschelig weich an, wieder andere knochenhart. „Alle aber sind sie federleicht“, schwärmt Fiebig, „hochfunktional und enorm widerstandsfähig.“

Seevögel, auch Meeres- oder Wasservögel genannt, faszinieren Stein und Fiebig besonders. Schon, weil deren Federn so gewaltigen Strapazen standhalten – sengender Sonne, Salzwasser und Sturmwinden. Mehr als 200 Vogelarten rechnen Ornithologen zu dieser Gruppe: Papageitaucher, Röhrennasen, Säbelschnäbler, Alkenvögel und Pinguine. Zudem Basstölpel, Schnepfen, Rallen sowie Enten, Gänse und Möwen.

Viele Seevögel haben ein graues oder bräunliches Gefieder, und ihre Federn sind oft relativ klein, sagt Stein. „So etwas Extravagantes wie die Schleppe männlicher Pfauen wäre auf ihren Langstreckenflügen hinderlich.“ Während der Paarungszeit aber brezeln sich auch Seevögel auf: Den bläulich-schwarzen Kormoranen etwa wachsen dann am Hals blütenweiße Schmuckfedern. Bei der Brautwerbung können sie die Zierfedern sogar aufstellen.

Das Federkleid mancher Vögel ist bis zu dreimal so schwer wie ihr Skelett. Die kräftigen Schwungfedern dienen in der Luft als Antriebs- und Tragflächen, die Schwanzfedern zum Steuern. Die Konturfedern wiederum bedecken den gesamten Körper und unterstützen die Aerodynamik. Die kleinen, flauschigen Daunen schließlich, die darunterliegen, isolieren den Vogel gegen Hitze und Kälte.


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mare No. 145

mare No. 145April / Mai

Von Till Hein und Heidi und Hans-Jürgen Koch

Till Hein, Jahrgang 1969, Journalist in Berlin, bewundert Seevögel und ihre Flugkünste. Sogar Möwen kann er gut leiden, obwohl ihm bei einem Picknick am Meer, in Kapstadt, ein solches Federtier im Flug ein riesiges Sandwich aus der Hand gerissen hat.

Das Fotografenehepaar Heidi & Hans-Jürgen Koch aus Eckernförde nutzte beim Fotografieren der Vogelfedern die Technik des Focus Stacking. Dabei wird eine Reihe von Einzelbelichtungen mit jeweils unterschiedlicher Schärfenebene zu einem Bild mit extremer Tiefenschärfe zusammengesetzt.

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Vita Till Hein, Jahrgang 1969, Journalist in Berlin, bewundert Seevögel und ihre Flugkünste. Sogar Möwen kann er gut leiden, obwohl ihm bei einem Picknick am Meer, in Kapstadt, ein solches Federtier im Flug ein riesiges Sandwich aus der Hand gerissen hat.

Das Fotografenehepaar Heidi & Hans-Jürgen Koch aus Eckernförde nutzte beim Fotografieren der Vogelfedern die Technik des Focus Stacking. Dabei wird eine Reihe von Einzelbelichtungen mit jeweils unterschiedlicher Schärfenebene zu einem Bild mit extremer Tiefenschärfe zusammengesetzt.
Person Von Till Hein und Heidi und Hans-Jürgen Koch
Vita Till Hein, Jahrgang 1969, Journalist in Berlin, bewundert Seevögel und ihre Flugkünste. Sogar Möwen kann er gut leiden, obwohl ihm bei einem Picknick am Meer, in Kapstadt, ein solches Federtier im Flug ein riesiges Sandwich aus der Hand gerissen hat.

Das Fotografenehepaar Heidi & Hans-Jürgen Koch aus Eckernförde nutzte beim Fotografieren der Vogelfedern die Technik des Focus Stacking. Dabei wird eine Reihe von Einzelbelichtungen mit jeweils unterschiedlicher Schärfenebene zu einem Bild mit extremer Tiefenschärfe zusammengesetzt.
Person Von Till Hein und Heidi und Hans-Jürgen Koch