Eine Frage des Schrotts

Ein drängendes, ungelöstes Recyclingproblem: Wohin mit den Hunderttausenden ausrangierten Segelyachten und Sportbooten der Welt?

Das Segelboot „Yellow Submarine“ macht seinem Namen wahre Ehre. Seit über zwei Jahren liegt es halb versunken in der Havel bei Berlin-Kladow – ein Streit ist entbrannt, ob es nun ein Wrack ist oder (noch) nicht und wer es am Ende entsorgt. 

Der Besitzer des gelben Segelboots hat wohl einen der günstigsten Wege gewählt, sein ausrangiertes Boot loszuwerden: Er lässt es einfach verankert im Schilf vor sich hindümpeln. Andere dagegen lassen ihre ungenutzten Boote in Hallen einstauben, packen sie in den Garten, funktionieren sie zu Blumenkästen um oder spenden sie. Es sind einfache, manchmal pragmatische Antworten auf die Frage: Wie entsorge ich mein Freizeitboot?

Das Problem ist alles andere trivial. Das zeigen allein die Zahlen. In den Niederlanden kamen Bootsexperten in einer Studie aus dem Jahr 2015 zum Schluss, dass jedes Jahr rund 35 000 Sportboote abgewrackt werden müssten, weil sie nicht mehr funktionstüchtig sind. 

Für Deutschland gibt es eine solche Übersicht bislang nicht, aber Fachleute schätzen, dass etwa 20 000 bis 30 000 Freizeitboote im Wasser und an Land vor sich hinrotten und als Abfall eigentlich entsorgungspflichtig sind. In den kommenden Jahren könnte sich das Schrottbootaufkommen sogar noch erhöhen, weil viele Besitzer aus der Generation der Babyboomer ihre alten Boote, die sich kaum mehr verkaufen lassen, aufgeben werden. „Das Recycling- und Entsorgungsthema hängt wie ein Damoklesschwert über unserer Branche“, sagt Claus-Ehlert Meyer, Geschäftsführer des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbands. 

Das Problem ist ein Wortungetüm namens „Glasfaserverstärkte Kunststoffe“, kurz GFK. Seit rund 50 Jahren lieben Bootsbauer das Material, denn es ist besonders leicht und robust, zugleich aber stabil, langlebig und kostengünstig. GFK aber ist ein Verbundwerkstoff aus Glasfaser und Kunststoffen und damit extrem schwer zu entsorgen. Einmal gehärtet, lässt sich das Gemisch praktisch nicht wieder trennen. Welche GFK-Stoffe in einem Boot verbaut wurden, ist ebenfalls nicht bekannt – eine Art Werkstoffliste für Boote gibt es nicht. 


Dies ist ein Auszug aus dem Text. Den ganzen Beitrag lesen Sie in mare No. 149. Abonnentinnen und Abonnenten lesen ihn auch hier im mare Archiv.

mare No. 149

mare No. 149Dezember / Januar

Von Marlies Uken

Für ihre Recherche fuhr Autorin Marlies Uken, Jahrgang 1977, zum Nordhafen in Berlin, wo einige Sportboote vor sich hinrotten. Dort traf sie auskunftsfreudige Anwohner, die genervt sind von der Politik: Niemand fühle sich für den Schiffsschrott zuständig.

Mehr Informationen
Vita Für ihre Recherche fuhr Autorin Marlies Uken, Jahrgang 1977, zum Nordhafen in Berlin, wo einige Sportboote vor sich hinrotten. Dort traf sie auskunftsfreudige Anwohner, die genervt sind von der Politik: Niemand fühle sich für den Schiffsschrott zuständig.
Person Von Marlies Uken
Vita Für ihre Recherche fuhr Autorin Marlies Uken, Jahrgang 1977, zum Nordhafen in Berlin, wo einige Sportboote vor sich hinrotten. Dort traf sie auskunftsfreudige Anwohner, die genervt sind von der Politik: Niemand fühle sich für den Schiffsschrott zuständig.
Person Von Marlies Uken