Die Seefahrt des Obelisken

Wie der Koloss von Luxor zur Place de la Concorde in Paris kam

Eine Giraffe trottet durch Frankreich, eskortiert von Reitern der königlichen Kavallerie. Das Tier, auf den Namen Zarafa getauft, ist im April 1827 im Hafen von Marseille angekommen und legt in sechs Wochen einen 900 Kilometer langen Marsch bis nach Paris zurück. Im Jardin des Plantes wird es 18 Jahre lang bis zu seinem Tod die Hauptattraktion sein. 

Wenn es um Geschenke geht, ist Muhammad Ali Pascha, der albanischstämmige Vizekönig Ägyptens und Statthalter des Osmanischen Reichs, um keine Idee verlegen. Nachdem er den Franzosen eine Giraffe geschenkt hat, beglückt er sie 1830 mit zwei Obelisken. Mit diesem Präsent will der Herrscher die Gunst des französischen Königs Louis-Philippe I. gewinnen. Er braucht seine Unterstützung, um das Land am Nil wirtschaftlich voranzubringen und politisch zu stabilisieren.

Für den nicht eben kultursinnigen Muhammad Ali Pascha sind die beiden Monolithen, die die Tempelanlage von Luxor am Oberlauf des Nils schmücken, nur wertlose Steinhaufen. Die Franzosen hingegen sind seit Napoleons Ägyptenfeldzug von 1798 bis 1801 von der pharaonischen Zivilisation fasziniert. 

Es ist nicht zuletzt der französische Archäologe Jean-François Champollion, genialer Entzifferer der Hieroglyphen, der den Wert der beiden Zwillinge richtig einschätzt. Immerhin stammen sie aus der Epoche Ramses II. im 13. vorchristlichen Jahrhundert, wurden in den Steinbrüchen von Assuan gehauen und sind reich mit Schriftzeichen verziert. 

Weniger begeistert ist man bei der französischen Marine, die mit dem Transport beauftragt wird. Angesichts der Schwierigkeit der Mission entscheidet man, erst einmal nur einen Obelisken nach Frankreich zu bringen. Zum obersten Befehlshaber der Demontage und des Verfrachtens des gewaltigen Granitpfeilers wird Apollinaire Lebas, Angehöriger des Pionierkorps der Marine und Absolvent der Elitehochschule Polytechnique, ernannt.

Der Ingenieur vertieft sich in alte Aufzeichnungen der Römer. Bereits diese hatten es zu Zeiten der römischen Kaiser fertiggebracht, Obelisken als Siegestrophäen vom Nil nach Rom zu transportieren, wo noch heute elegante Exemplare den Petersplatz oder die Piazza San Giovanni in Laterano schmücken. Doch Lebas stellt schnell fest, dass die Bemühungen der Römer titanisch waren und weder auf Kosten noch Menschenleben Rücksicht nahmen. 

Um einen Obelisken von Alexandrien nach Rom zu überführen, entsandte Kaiser Augustus ein Schiff mit 200 Matrosen und 1200 Ruderern. Cäsar setzte eine riesige Galeere ein, um einen Obelisken von 300 Tonnen ins Römische Reich zu befördern. Als Gegengewicht wurden 120000 Scheffel Linsen an Bord gehievt. 


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mare No. 149

mare No. 149Dezember / Januar

Von Rob Kieffer

Rob Kieffer, Jahrgang 1957, lebt als Autor in Luxemburg. Er ist gespannt auf das zukünftige Aussehen der Place de la Concorde, wo der berühmte Obelisk steht. Bürgermeisterin Anne Hidalgo will den verkehrsumtosten Platz pünktlich zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris zu einem Garten umwandeln, mit viel Grün und viel Platz für Fußgänger.

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Vita Rob Kieffer, Jahrgang 1957, lebt als Autor in Luxemburg. Er ist gespannt auf das zukünftige Aussehen der Place de la Concorde, wo der berühmte Obelisk steht. Bürgermeisterin Anne Hidalgo will den verkehrsumtosten Platz pünktlich zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris zu einem Garten umwandeln, mit viel Grün und viel Platz für Fußgänger.
Person Von Rob Kieffer
Vita Rob Kieffer, Jahrgang 1957, lebt als Autor in Luxemburg. Er ist gespannt auf das zukünftige Aussehen der Place de la Concorde, wo der berühmte Obelisk steht. Bürgermeisterin Anne Hidalgo will den verkehrsumtosten Platz pünktlich zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris zu einem Garten umwandeln, mit viel Grün und viel Platz für Fußgänger.
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