Verderbt ist er, der Matrose. Eine Meinung, die sich durch die Kulturgeschichte zieht. Raue Sitten auf den Schiffen, fremde Häfen, Bordelle, willige Frauen und Männer in fernen Ländern – Projektionsflächen gab und gibt es allemal. Dem verderbtesten aller Matrosen hat Jean Genet (1910–1986) mit seinem „Querelle de Brest“ ein Denkmal gesetzt; Rainer Werner Fassbinder hat den Roman später genial verfilmt. Der französische Schriftsteller kannte sich aus mit Randexistenzen, mit Strichern, Zuhältern und Dieben. Wegen verschiedener Delikte, darunter Bücherklau, saß er im Gefängnis, erst durch Jean-Paul Sartres und Jean Cocteaus Intervention wurde er 1948 von einer lebenslangen Haftstrafe wegen wiederholten Diebstahls begnadigt. Die Uniform spielt in Matrosenfantasien stets eine Rolle, bei Genet wird die verschmutzte Hose zum Symbol von Querelles Lebensgier. Der Wiener Maler Rudolf Hausner (1914–1995), bedeutender Vertreter des Fantastischen Realismus, zieht seinen Seemann gleich ganz aus – oder vielmehr beinah ganz: Das Symbol für das wilde Leben, die Matrosenmütze, lässt er ihm. Ein anderer Wiener, der Liedermacher Georg Danzer (geboren 1946), dreht das Spiel mit dem Subversiven um: Die sauberen Kleider des Matrosen sind es, die die Ratte zuerst neidisch werden lassen – und ihr später zeigen, dass Ehrbegriff und Sauberkeit vielleicht doch nicht das sind, was sie will. Es lebe der Schmutz, denn er ist das Leben! zdb
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