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Wenn ich mich als Kind in die Autositze des Audi 80 meines Großvaters setzte und von ihm durch die niedersächsischen Vororte kutschiert wurde, umgab mich nicht nur das Gefühl endloser Sicherheit und Geborgenheit, sondern auch ein Geruch, den ich bis heute mit diesem Gefühl verbinde. Damals war das sehr würzige Parfüm, das er sich allmorgendlich in die Wangen klopfte, Old Spice. Es stand in dem Allibert-Spiegelschrank neben seinem Rasierpinsel und dem Rasierseife-Stick, dem Rasierer und einem Handspiegel. Es brannte ganz fürchterlich, wenn ich heimlich versuchte, mich auch zu rasieren. Nachdem ich mich eingeschäumt hatte, den steifen Rasierschaum mit einem Kamm oder Ähnlichem abgeschabt hatte und dann, genau wie ich es bei meinem Großvater beobachtet hatte, das Rasierwasser aus der weißen Flasche in meine Wangen klopfte. Der Inhalt der Flasche verbreitete ein warmes Gefühl auf meiner Haut und rief misstrauische Blicke bei meinen Großeltern hervor, wenn ihr frisch rasiertes Enkelkind am Frühstückstisch Platz nahm. Das Kind roch plötzlich nach Opa. Ich fand, ich röche nach Freiheit und Abenteuer. Wegen des Schiffs auf der Flasche. Das Kind erkannte darin natürlich ein Piratenschiff.
Mein Vater Wolfgang rasierte sich nicht altmodisch nass, sondern trocken und mit Doppelscherkopf. Das habe ich nie versucht nachzuahmen. Auch ihm dabei zuzusehen, hatte keinerlei Faszination. Die schnöde Brummrasur mit Kabel in der Steckdose und seltsamen Gesichtsausdrücken, innerhalb von wenigen Minuten fertig, entbehrte jedweder Romantik. Auf meine Frage letzthin, was er mit Old Spice verbindet, war die Antwort eher schroff. „Altmännerparfüm.“ Danach eine etwas längere Pause und der Nachsatz: „Aber erfolgreich!“ Zitatende. Er sagte noch im Nachnachsatz, dass es eines der heterosexuellsten Parfüme sei, die es überhaupt gebe. Dass es eines der ältesten und dementsprechend erfolgreichsten Produkte für Männerbeduftung ist, ringt mir großen Respekt ab.
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Florentine Joop, geboren 1973 als zweite Tochter des Modedesigners Wolfgang Joop, studierte Illustration an der HAW in Hamburg. In ihrem autofiktionalen Roman „Sommer im Heckenrosental“ schreibt sie über ihre Kinder- und Jugendzeit zwischen zwei Heimaten, der in Hamburg und der zweiten in Potsdam, wo sie seit 2016 mit ihrer Familie lebt.
| Seitenzahl | 42 |
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| Vita | Florentine Joop, geboren 1973 als zweite Tochter des Modedesigners Wolfgang Joop, studierte Illustration an der HAW in Hamburg. In ihrem autofiktionalen Roman „Sommer im Heckenrosental“ schreibt sie über ihre Kinder- und Jugendzeit zwischen zwei Heimaten, der in Hamburg und der zweiten in Potsdam, wo sie seit 2016 mit ihrer Familie lebt. |
| Person | Text und Illustration von Florentine Joop |
| Seitenzahl | 42 |
| Vita | Florentine Joop, geboren 1973 als zweite Tochter des Modedesigners Wolfgang Joop, studierte Illustration an der HAW in Hamburg. In ihrem autofiktionalen Roman „Sommer im Heckenrosental“ schreibt sie über ihre Kinder- und Jugendzeit zwischen zwei Heimaten, der in Hamburg und der zweiten in Potsdam, wo sie seit 2016 mit ihrer Familie lebt. |
| Person | Text und Illustration von Florentine Joop |