Sehnsucht

Fundstücke aus Kunst und Literatur

Das Meer ist eine wunderbare Projektionsfläche für allerlei Sehnsüchte. Drei Frauen aus drei unterschiedlichen Generationen sind am Strand und imaginieren sich ein Anderes, vielleicht ein Besseres. Die Erzählerin in Annette von Droste-Hülshoffs (1797–1848) berühmtem Gedicht sitzt als Gefangene ihres eigenen Geschlechts im Turm, sehnt sich nach der Möglichkeit eines wilden Männerlebens draußen, doch es bleibt ihr nichts anderes, als heimlich das Haar im Wind flattern zu lassen. Was Edvard Munchs (1863–1944) „Junge Frau am Strand“ ersehnt, weiß man nicht, doch das ist das Schöne an der Kunst: Sie lässt Raum für die eigene Imagination. Marie Luise Kaschnitz’ (1901–1974) jugendliche Protagonistin hingegen ist voll aufmüpfiger Energie, ausgelöst durch einen Urlaub am Strand. Sie sitzt nicht da und kämmt sich das Haar, sondern zieht los, die Welt zu erobern. zdb


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mare No. 116

No. 116Juni / Juli 2016

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