MARK O’ CONNOR: LETTER FROM THE BARRIER REEF

Here, by this shore of the Pacific Ocean
I think of that less-coralled sea,
The wine-dark midland lake of Homer’s skiffs,
That mare nostrum where our verse began
And poets return

The wonder is that Shakespeare never travelled,
For England’s verse has never stayerd at home;
And if her wealth was borrowed from the East,
Almost as much, her soul was nourished by the Fleet.

Wordsworth and Coleridge, it is true,
Though travelled far, might seem to probe the rule.
But Keats and Byron sought the sun. Their
Tongue was English, but the South was home.
They went abroad to live and feel and write
In that perspicuous Southern light
Which Shelley found in the intenser day
Round marble mansions drowned in Baiae’s bay.

Browning might pen his Home Thoughts from Abroad
But Italy was where his spirit soared.
And so from Milton to Pound
The universal exodus is found.

Lines penned in furious exaltation
And some more frankly ‘In Dejection’
Strange scrappy chattings with the Muse
(who having those parts seen better days
was glad to thill the young with classic lays)
mixed with somber reflections of the news
or detailed comments on friends’ views.
Ephemeral stuff, but from a brighter world
Whose flag might soon be everywhere unfurled.

And when they died, schoolmasters took their rhymes,
Re-graded them and dated them like wines;
They taught the young to praise that verbal skill
Which only a distant climate could fulfill.

Aus: Mark O’Connor: The fiesta of men, 1983
Australian Poetry Library

MARK OˈCONNOR: BRIEF VOM GREAT BARRIER REEF

Hier im Pazifik, an meinem Küstenstreifen,
denke ich über das andere Meer nach,
die weinrote See, darauf Homers Skiffe treiben,
jenes mare nostrum, wo nur wenige Korallen sind,
wo unsre Verse ihren Anfang nahmen
und wohin die Dichter zurückkehren.

Ein Wunder, dass Shakespeare nie den Seegang wagte,
blieben doch Englands Verse niemals bloß zu Hause
und war doch ihr Reichtum so sehr vom Osten geliehen,
so sehr wie auch ihre Seele genährt war von der Flotte.

Wordsworth und Coleridge, es ist wahr,
obwohl weit gereist, sind nicht so weit gefahren.
Doch Keats und Byron strebten nach der Sonne.
Ihr Tonfall war englisch, der Süden ihre Heimat.
Sie reisten, um zu leben, zu fühlen und zu dichten
im südlichen Gefilde und dessen klarem Licht,
worunter Shelley sie fand an den hellichtesten Tagen:
die runden Marmorvillen, die in der Bucht von Baiae lagen.

Hier hätte Browning seine ›Home Thoughts from Abroad‹
geschrieben, segelte sein Geist nicht nach Italien fort.
Und so war einem generellen Exodus von diesem
Dichter Milton bis Pound die Richtung gewiesen.

Verse sind so aus furioser Exaltation entstanden,
und manche nur ›In Dejection‹, offen gestanden:
Seltsame, halbgare Zwiegespräche mit den Musen
(die allerdings in jenen Breiten aus besseren Tagen
gerne die jungen Dichter atzten mit antiken Sagen)
vermengt mit Betrachtungen, ganz verschmuste,
zum Zeitgeschehen und Ansichten von Freunden,
flüchtige Dinge, aus einer Welt mit lichteren Räumen,
deren Flagge bald überall offen sich wird bäumen.

Und als sie starben, nahmen die Lehrer ihre Reime,
benoteten sie neu und datierten sie wie Weine:
Sie brachten den Kindern bei sie zu loben als Lot,
für einen Stil, den ihnen nur ein fernes Klima bot.

Ins Deutsche übertragen von Paul-Henri Campell
Copyright Paul-Henri Campell



GERRY TURCOTTE: GREAT BARRIER REEF

An hour off Michaelmas Cay
We talked of coral and rusted anchors --
And most spoke of fear.
Poor visibility
Of what could slither like a long dark arm,
Out of shadows,
And touch before you knew,

Some of us were pale,
Others proferred to the sun’s white strokes
Noses like peeled onions.

Once there
Our flotsam fears about us
And the threat beneath,
We vied for position on aquamarine ladders.

Submerged, we opened our minds
To the cool salt touch
And trembled at the ocean’s games
Thinking all the while of sharks,

But when, Zeppelin-like,
One suddenly sailed past,
Not a coward among us
Failed to follow it down.

Gerry Turcotte: Great Barrier Reef
Literature in North Queensland, Vol. 15, No 1, 1987
James Cook University

GERRY TURCOTTE: GREAT BARRIER REEF

Eine Stunde von Michaelmas Cay
sprachen wir von Korallen und rostigen Ankern –
und am meisten wurde gesprochen von der Angst.
Schlechte Sicht
von allem, was glitschig wie ein langer dunkler Arm
aus den Schatten hervorragen
und dich berühren könnte, ehe dus begreifst,

manche von uns waren bleich,
andere noch den weißen Liebkosungen der Sonne verfallen
ihre Nasenrücken blättrig wie Zwiebelschalen.

Beim Ankommen
panisch auf unserem Treibgut
von der submarinen Gefahr
buhlen wir um Position auf meerblauen Leitern.

Niedergetaucht, öffnen wir unseren Geist
der kühlen salzigen Berührung
und zittern im Spiel, das der Ozean mit uns treibt,
während wir dauernd an die Haifische denken,

Doch als zeppelingleich
einer plötzlich an uns vorübersegelte,
war nicht ein Feigling unter uns,
der ihm nicht gefolgt wäre in die Tiefe.

Ins Deutsche übertragen von Paul-Henri Campell
Copyright Paul-Henri Campell



ROBYN LANCE: GREAT BARRIER REEF

Outsized in wetsuits,
An anonymity of tourists
Flapping extenda feet
Slip into the underworld
Of the reef.

Heads down
The breathing-challenged
Fight the urge to inhale
Panic
Until fins and face align
And clarity begins,

Silvers of fish
Flash silver
A tinfoil tickertape
Parade.

Giant clams
Gummy with age
Grin up at surface
From the location
That’s an accident
Of birth.

Fish with attitude
And Botox lips
Luminesce
And give the fin
As they pass.

Copyright Robyn Lance

                            ROBYN LANCE: GREAT BARRIER REEF

                            an Größe der Neoprenanzüge übertroffen,
                            watschelt eine namenlose Menge
                            an Touristen mit Fußextensionen vorbei
                            und gleitet in die Unterwelt
                            des Riffs.

                            Die Häupter untergetaucht
                            kämpfen die Atemnötigen
                            mit ihrem Drang einzuatmen
                            Panik
                            bis Flosse und Sichtfeld
                            aufeinander abgestimmt sind
                            und Klarheit einsetzt

                            Eine Fischschule
                            glitzert silbern vorüber
                            ein silbriger Konfettiregen
                            eine Parade.

                            Riesenmuscheln
                            gummiartig im Alter
                            grinsen an Land
                            wo sie liegen
                            ist ein Geburts-
                            fehler.

                            Gereizte Fische
                            mit Botox-Lippen
                            lumineszieren
                            und reichen einem die Flosse
                            im Vorbeischwimmen

                            Ins Deutsche übertragen von Paul-Henri Campell
                            Copyright Paul-Henri Campell



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