Neuigkeiten aus der Welt der Meere

Von A wie Architektur bis Z wie Zoologie

Leben

Badeponton im Hafen

Es ist eine Idee, die von sich reden macht: Das junge Architektenbüro RBA Reimer Breuer in Hamburg hat einen Badeponton entworfen, der am Südufer der Norderelbe schwimmen soll. Als Standort schlagen die Architekten den Bornsteinplatz in Steinwerder vor, der in unmittelbarer Nähe zum Trockendock „Elbe 17“ der Werft Blohm + Voss und dem Alten Elbtunnel liegt. Auf einer Grundfläche aus Holz ordneten sie einen 25 Meter langen, scheinbar kantenlosen Infinity Pool an, ein Kinderschwimmbecken und eine zweite Ebene mit Liegestühlen. Die Schwimmer hätten vom Ponton aus einen Blick auf die Elbphilharmonie und die Silhouette von St. Pauli. Der grünen Bezirksfraktion gefallen die Pläne. „Ein spannendes Projekt, mit dem sich die Hamburger die Elbe zurückerobern würden. Das könnte ein neuer Beitrag zum Sprung über die Elbe sein“, so der scheidende Fraktionschef Michael Osterburg in einer Tageszeitung. Oberbaudirektor Franz-Josef Höing sagte: „Mit solchen Ideen läuft man bei mir offene Türen ein.“ Sven Breuer von RBA Reimer Breuer bestätigt: „Die positive Resonanz aus Politik und Bevölkerung war überwältigend.“ In Steinwerder gab es bereits im 19. Jahrhundert ein Schwimmbad. Die Badeanstalt musste jedoch 1954 neuen Werften weichen. Konkrete Baupläne gibt es noch nicht für den Badeponton. Breuer: „Für eine realistische Chance benötigen wir einen idealistischen Investor.“ mz


Wassersport

Neoprenanzüge gegen Haie

Bei mehreren Anbietern von Tauch-, Surf- und Schwimmbekleidung sind sie inzwischen im Angebot: Neoprenanzüge, die Haie ablenken und damit das Risiko eines Angriffs verringern. Die Anzüge beruhen auf der SAMS-Technologie, SAMS steht dabei für „Shark Attack Mitigation Systems“, also Haiangriff-Abwehrsysteme. Wissenschaftler des Oceans Institute und der School of Animal Biology an der University of Western Australia hatten dafür Sehvermögen, Neurologie und Verhalten von Haien untersucht. „Wir wollten diese Erkenntnisse in ein Produkt übersetzen, das das Risiko von Haiangriffen reduziert“, erklärt Shaun Collin, einer der beteiligten Forscher. Aus den Beobachtungsstudien entstanden zwei Arten von Anzügen. Ein Design lässt den Schwimmer in den Hintergrundfarben des Meeres verschwinden. Es fällt dem Hai, der nur schwarz und weiß sehen kann, schwer, den Schwimmer zu sehen oder zu fokussieren. Das andere Modell macht den Schwimmer im Gegensatz dazu mit auffälligen, gebrochenen Streifen extrem sichtbar. Das Muster erscheint Haien so fremd und gefährlich, dass sie von der Verfolgung ablassen. Eine hundertprozentige Garantie geben die Entwickler jedoch nicht. Je nach Anbieter kosten die Anzüge zwischen 200 und 600 Euro. Auch Aufkleber für Surfboards sind mit den besonderen Mustern erhältlich. mz


Geschichte

Phönizier handelten mit Silber

Die Phönizier, fähige Seefahrer und Kaufleute, verfügten im ersten Jahrtausend vor Christus über ein weitverzweigtes Handelsnetz rund um das Mittelmeer. Forscher haben nun herausgefunden, was die Seefahrer wahrscheinlich antrieb: die Suche nach Silber. Ihr Handelsnetz reichte dabei vom heutigen Syrien, Libanon und dem nördlichen Israel über die Küste Nordafrikas bis an den Atlantik. „Iberisches Silber war möglicherweise der wichtigste und wahrscheinlich der früheste Grund für phönizische Aktivität auf der Halbinsel“, schreiben die Wissenschaftler um Tzilla Eshel von der University of Haifa in Israel im Fachblatt „Proceedings“. Für die Untersuchung hatten die Forscher Isotopenanalysen von Silberobjekten aus Dor, Akko und Ein Hofez im Norden Israels gemacht. Daraus konnten sie ableiten, woher das Silber, das im phönizischen Kernland selbst nicht vorkam, stammte. Die Siedlungen entlang der Flüsse und Küsten im südlichen Iberien hätten dabei eine weitere wichtige Funktion gehabt. „Sie dienten als Stationen für den Transport von Blei“, schreiben die Forscher. Das Blei wurde für die Kupellation be- nötigt, ein Verfahren, um Verunreinigungen aus dem Silber zu entfernen. mz


Reise

Venedig nimmt Eintritt

Tagestouristen in Venedig müssen Eintritt bezahlen, um in das historische Zentrum der Lagunenstadt zu gelangen. Der Kommunalrat hat den Plänen der Stadtverwaltung bereits zugestimmt. Die Gebühr soll zunächst drei Euro betragen, im nächsten Jahr auf sechs Euro und langfristig auf zehn Euro steigen. Besucher, die in Venedig übernachten, sollen von dem Eintrittsgeld befreit sein, weil sie bereits eine Ortstaxe zahlen. Das Geld soll helfen, die Stadt zu sanieren und zu reinigen, erklärte Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro. Venedig kämpft seit Jahren mit verschiedenen Strategien gegen den Ansturm von Touristen. So wurden etwa im vergangenen Sommer an mehreren Stellen Drehkreuze aufgestellt, um die Besucherströme zu steuern. Laut einer Studie der Università Ca’ Foscari di Venezia ist das Stadtzentrum Venedigs für maximal 52 000 Besucher am Tag und 19 Millionen im Jahr ausgelegt. Tatsächlich kommen aber fast 30 Millionen Touristen im Jahr, Tendenz: steigend. Viele davon sind Tagesbesucher, die oft ihr eigenes Essen mitbringen. Claudio Scarpa, Vorsitzender des venezianischen Hotelverbands: „Diese Touristen bringen uns nur wenig Einkünfte. Sie müssen verstehen, dass nicht alles hier umsonst ist.“ mz


Industrie

Wüstensand für Beton

Beton ist weltweit der meistgenutzte Baustoff. Für die Herstellung braucht man Kies, Zement, Wasser – und große Mengen an Sand. „Und Sand ist knapp, obwohl es Feinsand, wie zum Beispiel Wüstensand, in rauen Mengen gibt“, erklärt Helmut Rosenlöcher, Chemiker und Technischer Direktor des Unternehmens MultiCon. Das Problem: Für die Betonherstellung eignet sich vor allem Meersand. Barbara Leydolph vom Institut für Angewandte Bauforschung in Weimar bestätigt: „Bisher kann Wüstensand nicht verwendet werden, weil er zu fein ist und das Grobkorn fehlt.“ Nur fünf Prozent der weltweiten Sandressourcen kommen daher für die Betonherstellung infrage. Sand am Meer ist mittlerweile so knapp und kostbar, dass Verbrecherbanden in Asien ihn von den Küsten stehlen und an die Industrie verkaufen (mare No. 123). Rosenlöcher, der seit 2004 zu dem Thema forscht, könnte nun einen Weg gefunden haben, der Sandmafia ihre Geschäftsgrundlage zu entziehen und die Sandknappheit zu beenden. Er hat ein neues Verfahren zur Feinsandaufbereitung entwickelt. Dabei werden die Feinsande zunächst noch feiner gemahlen und die pulverisierte Masse anschließend mit mineralischen Bindemitteln zu druckfesten Pellets granuliert. Der Beton, der aus diesen Granulaten entsteht, ist bis zu 25 Prozent leichter, härtet schneller und ist im Schnitt doppelt so fest wie bisherige Standardbetone. Bauforscherin Leydolph hat diese Betone aus Wüs- tensandgranulaten auf ihre Eigenschaften hin untersucht. „Die bisherigen Ergebnisse sind positiv“, sagt sie. Mit dem neuen Verfahren könnten 20 Prozent der Sandvorkommen auf der Erde angezapft werden. Interesse daran zeigen vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate und Länder in Asien. mz


Politik

England soll Archipel räumen

Großbritannien und seine ehemalige Kolonie Mauritius streiten über den militärisch wichtigen Chagos-Archipel im Indischen Ozean. Der Internationale Gerichtshof (IGH) bestätigte nun in einem Gutachten: Großbritannien muss die Inseln zurückgeben, darunter Diego Garcia, das größte Atoll des Archipels. „Es ist Großbritanniens Pflicht, sich so schnell wie möglich von der Insel zurückzuziehen“, wird Abdulqawi Ahmed Yusuf, Präsident des Gerichts, in der britischen Zeitung „Guardian“ zitiert. Das Gutachten ist völkerrechtlich nicht bindend, hat aber einen hohen symbolischen Wert. Ursprünglich hatten die Chagos-Inseln zu Mauritius gehört. Kurz vor dessen Unabhängigkeit im Jahr 1968 trennte London die Inseln ab und behielt sie als Kolonie. Die Briten vertrieben die 1500 Bewohner des Archipels (mare No.122) und verpachteten ihn an die USA. Washington betreibt dort einen strategisch wichtigen Militärstützpunkt und ein Gefangenenlager. Der Pachtvertrag gilt noch bis 2036. IGH-Präsident Yusuf betonte, die Abspaltung der Chagos-Inseln von Mauritius habe nicht auf einer „freien Entscheidung der betroffenen Menschen“ basiert. Damit habe London gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker verstoßen. Mauritius hatte ausgesagt, von Großbritannien gezwungen worden zu sein, den Archipel aufzugeben. mz


Wirtschaft

Dänemark plant neue Inseln

Kopenhagen will in der Nähe des Zentrums Platz für die Industrie schaffen – auf neun künstlichen Inseln, genannt Holmene. Sie sollen südlich von Kopenhagen in der geschützten Køge-Bucht entstehen und mit dem Fahrrad von der Innenstadt erreichbar sein. Das Bauvorhaben von Stadt und Regierung ist gigantisch: 3,1 Millionen Quadratmeter Fläche sollen aufgeschüttet werden und dabei 17 Kilometer neue Küstenlinie entstehen. Die Inseln könnten rund 380 Unternehmen Platz bieten. Geplant sind auch ein Kraftwerk und eine Kläranlage, die das Abwasser der Kopenhagener reinigen soll. 12 000 Arbeitsplätze könnten nach Angaben der dänischen Regierung entstehen, das Projekt gilt als Wachstumsmotor für ganz Dänemark. „Ich freue mich über die Projektpläne. Unser Fokus liegt häufig auf den hochtechnologischen Arbeitsplätzen und Bürostellen“, sagt Rasmus Jarlov, konservativer Wirtschaftsminister. Es gebe aber auch Platzbedarf für Unternehmen, die Waren für den täglichen Bedarf herstellen, so Jarlov. Zudem haben die Planer an Pflanzen, Tiere und Freizeit gedacht. „Die einzelnen Inseln sollen durch Grüngürtel miteinander verbunden werden, sodass die Menschen in der Gegend die Erholungsorte nutzen können“, sagt Helle Moesgaard Adelborg, Bürgermeisterin der Kommune Hvidovre südlich von Kopenhagen. 2022 sollen die Bauarbeiten beginnen, 2028 erste Grundstücke zum Verkauf stehen. 2040 könnten die Holmene fertig sein. Schon in den 1960er-Jahren wurde begonnen, im Süden Kopenhagens Dänemarks größtes Gewerbegebiet anzulegen. Es befindet sich nahe an der Autobahn und dem Flughafen in Kastrup sowie an der Querung über den Öresund nach Schweden. Erfahrung mit künstlicher Aufschüttung von Land hat Dänemark ohnehin. Beim Bau der Brücke nach Malmö wurde in den 1990er-Jahren eigens die Insel Peberholm in die Meerenge gesetzt. mz



Wissenschaft
Fische mit Ich-Bewusstsein?

Delfine, Elefanten, Affen und Kraken erkennen ihr Spiegelbild als Abbild des eigenen Körpers. Deshalb geht die Forschung davon aus, dass diese Arten über ein Bewusstsein für das eigene Ich verfügen. In diesen Eliteclub kann sich jetzt erstmals auch ein Fisch einreihen: der Gemeine Putzerfisch. Labroides dimidiatus schnitt erstaunlich gut in Spiegeltests ab, wie Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Konstanz sowie der Osaka City University im Fachmagazin „Plos Biology“ berichten. Die fingergroßen Fische knabbern Parasiten, Algen oder abgestorbene Hautschuppen von den Flossen anderer Fische. Selbst kleinste Schuppen machen sie zielsicher aus. Das exzellente Sehvermögen und die Fähigkeit, auf Visuelles zu reagieren, machte Putzerfische zu idealen Kandidaten für die Spiegeltests. Die Forscher setzten acht Exemplare in individuelle Aquarien – jedes ausgestattet mit einem 20 mal 30 Zentimeter großen Spiegel. Den Fischen war ein braunes Gel an den Hals getupft worden, das sie nur in der Reflexion des Spiegels sehen konnten. Das Ergebnis: Sieben Putzerfische schwammen signifikant länger vor dem Spiegel hin und her und rieben sogar die markierte Stelle an Objekten im Aquarium. Kontrolltests ergaben, dass die Putzerfische beim Anblick anderer markierter Artgenossen nicht versuchen, vermeintliche Flecken an ihrem eigenen Körper zu entfernen. Auf Flecken direkt auf dem Spiegel reagieren sie ebenfalls nicht. „Unsere Beobachtungen zeigen, dass dieser Fisch mit seinem Verhalten alle Kriterien für einen bestandenen Spiegeltest erfüllt“, sagt Alex Jordan vom Max-Planck-Institut für Ornithologie. „Weniger klar ist dagegen, ob man daraus schließen kann, dass Fische sich ihrer selbst bewusst sind – auch wenn vielen Tieren ein Ichbewusstsein zugeschrieben worden ist, nachdem sie den Spiegeltest bestanden hatten. Vielleicht erkennen die Tiere zwar ihr Spiegelbild als Abbild des eigenen Körpers, verstehen jedoch nicht, was es bedeutet.“ Der Wissenschaftler fordert dazu auf, den Spiegeltest kritisch zu hinterfragen und zu überlegen, ob er weiterhin als Standard für den Selbstbewusstseinsnachweis bei Tieren eingesetzt werden soll. jsc


Verkehr

Schwimmende Autotunnel

Norwegen baut eine seiner schönsten Straßen aus: die Europastraße E39, die von Kristiansand, der südlichsten Stadt Norwegens, über viele Fjorde bis nach Trondheim im mittleren Norden führt. Dabei sollen sämtliche Fährverbindungen, insgesamt sieben, durch Brücken und Tunnel ersetzt werden. „Fährenfreie E39“ heißt das von der Regierung bereits bewilligte Projekt. „Für die Strecke von Kristiansand bis Trondheim, das sind 1100 Kilometer, brauchen Reisende 20 Stunden“, erklärt Linda Grønstad, Projektleiterin beim staatlichen Straßenverkehrsamt Statens Vegvesen. „Mit dem Ausbau wird sich die Reisezeit halbieren. Das ist wichtig für Norwegen. 60 Prozent unserer Exportmasse befindet sich an der Westküste. Dort lebt auch ein Drittel unserer Bevölkerung.“ Einige Tunnel, etwa im 1300 Meter tiefen Sognefjord, könnten 30 Meter unter der Wasseroberfläche an Trägern im Wasser schweben. Nachgedacht wird auch über schwimmende Brücken, deren Pfeiler auf Pontons unter der Wasseroberfläche stehen. „Unsere Ingenieure prüfen das zurzeit. Einige Fjorde sind auf jeden Fall deutlich zu breit und zu tief für gewöhnliche Brücken und Tunnel“, so Grønstad. Laut der Behörde soll 2025 bereits rund ein Drittel der Strecke, bis 2050 der gesamte Straßenverlauf fertig sein. mz

 

mare No. 134

No. 134Juni / Juli 2019

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