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Kunst

Erinnerung an Seenomaden

Bei der 57. Kunstbiennale in Venedig, die noch bis Ende November zu sehen ist, buhlen die teilnehmenden Länder um die Aufmerksamkeit der Besucher. Mit dabei ist auch Singapur mit einem maritimen Beitrag: ein skelettartiges, 17 Meter langes Schiff, das von der Decke herabhängt. „Dapunta Hyang: Transmission of Knowledge“ heißt die Arbeit des multidisziplinären Künstlers Zai Kuning, die im Pavillon von Singapur zu sehen ist. „Für das Schiff habe ich ausschließlich auf alte Schiffbautechniken zurückgegriffen: Ich habe nur Rattan, Schnur und Bienenwachs verwendet. Es braucht Zeit und Geduld“, sagt Kuning. Mit der Installation erinnert der Künstler aus Singapur an die vergessene Geschichte der Orang Laut, Seenomaden im RiauArchipel in Südostasien, und an die Welt der Malaien in vorislamischer Zeit. „‚Transmissionof Knowledge‘ ist der Höhepunkt jahrzehntelanger Recherchen“, so Kuning. Zwei Jahre habe er mit einer Gruppe von Orang Laut gelebt, einem der ersten Völker in dieser Region. Ein Clanführer adoptierte ihn sogar als Sohn. „Die Orang Laut sind noch da, werden aber heute als Nomaden und Animisten diskriminiert“, sagt Kuning. Der malaiische Ausdruck Orang Laut bedeutet „Menschen des Meeres“. Tatsächlich leben sie auch heute noch in Booten. Mit seinem Werk führt der Künstler zudem Dapunta Hyang Sri Jayanasa ein, den ersten König der Malaien, dessen Reich Srivijaya sich im siebten Jahrhundert über Singapur, Malaysia, Thailand, Vietnam und Kambodscha erstreckte. Kuning: „Die Geschichte dieses mächtigen Reiches wurde komplett begraben und vergessen.“ mz


Meeresschutz

Vorbild Gabun

Gabuns Präsident Ali-Ben Bongo Ondimba will Afrikas größtes Meeresschutzgebiet errichten. Dies kündigte er vor Kurzem bei der Eröffnung der Meereskonferenz der Vereinten Nationen in New York an. Das Schutzgebiet soll eine Fläche von 53 000 Quadratkilometern vor der Küste Gabuns umfassen, das entspricht rund 23 Prozent des gesamten Seegebiets des Landes. Es wäre mehr als fünfmal so groß wie das Schutzgebiet Wattenmeer in Deutschland. Ob mit der Errichtung des Schutzgebiets auch ein vollständiges Fischereiverbot gelten wird, steht noch nicht fest. „Ich nehme das Projekt ernst. Bongo will wirklich versuchen, es umzusetzen“, sagt Sebastian Ferse vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen. Ob das Schutzprojekt, das den Namen „Gabon Blue“ trägt, funktioniert, hänge davon ab, wie es lokal umgesetzt werde. „Mehr als 100 000 Menschen sind in Gabuns Küstenregionen auf die Kleinfischerei angewiesen, meist Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben“, berichtet Ferse. Gleichzeitig trügen die Fischer in dem rohstoffreichen Land nur wenig zum Bruttoinlandsprodukt bei, weil sie für den Eigenbedarf fischen. „Sie laufen also Gefahr, verdrängt zu werden. Diese Diskrepanz birgt für mich Sprengstoff.“ Im schlechtesten Fall könne ein Schutzgebiet zu sozialer Ungleichheit führen. „Die Bevölkerung muss eingebunden werden und alternative Verdienstmöglichkeiten erhalten, etwa im Tourismus“, so Ferse weiter. Studien belegen, dass Meeresschutzgebiete den Klimawandel aufhalten können. Zurzeit sind lediglich 3,5 Prozent der Ozeane als Schutzgebiete ausgewiesen. mz

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mare No. 124

No.124Oktober / November 2017

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