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Tourismus

Wut über Kreuzfahrtschiffe

Nach massiven Bürgerprotesten will die italienische Regierung die Zahl von Kreuzfahrtschiffen in Venedig einschränken. Ministerpräsident Enrico Letta kündigte ein Treffen mit Kabinettskollegen an, um über baldige Maßnahmen zu beraten. In den vergangenen Monaten hatten die Riesenschiffe zunehmend für Unmut in der Bevölkerung und bei Umweltschützern gesorgt. Ende September sprangen 30 Aktivisten ins Wasser und blockierten im Canale della Giudecca den Schiffsverkehr – nachdem an einem einzigen Wochenende 27 Großschiffe in der Lagune gezählt worden waren. Organisiert werden die Proteste vom Komitee „No grandi navi“ („Keine großen Schiffe“), das inzwischen prominente Unterstützer hat. So beklagte sich Bestsellerautorin und Wahlvenezianerin Donna Leon über Venedigs „größte Plage seit der Pest“. Schlagerstar Adriano Celentano bezichtigte Hafenchef Paolo Costa vor Kurzem des „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“. Auch Venedigs Bürgermeister Giorgio Orsoni gehört zu den Gegnern der Megaliner. „Die Monsterschiffe“, so Orsoni, „müssen sofort Venedig verlassen.“ Jedoch müsse man Wege finden, um die vom Tourismus abhängige Wirtschaft nicht zu gefährden. 1,6 Millionen Kreuzfahrtpassagiere besuchen jährlich die Lagunenstadt, über 400 Prozent mehr als noch vor 15 Jahren. Allein im Jahr 2012 fuhren 1639-mal große Schiffe am Markusplatz vorbei. Umweltschützer warnen vor verheerenden Folgen für die Lagune und die auf Holzpfählen stehenden Gebäude. Wegen der nun drohenden Einschränkungen für Kreuzfahrtschiffe ist es bereits zu Gegenprotesten gekommen. Hafenarbeiter, die um ihre Jobs fürchten, folgten dem Aufruf des Komitees Cruise Venice und gingen auf die Straße. gs


Umwelt

Die Retter der Riffe

Vor der Seychelleninsel Cousin haben Meeresschützer eine außergewöhnliche Rettungsaktion gestartet: Sie wollen tief unten im Meer neue Korallenkolonien schaffen. Dafür spannen sie Taue über den Meeresboden und züchten an ihnen kleine Korallenlarven heran. Rund 40 000 Larven haben die Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation Nature Seychelles inzwischen großgezogen. Im nächsten Schritt werden sie per Hand geerntet und auf natürliche Sedimente umgesetzt. Die amerikanische Entwicklungshilfebehörde USAid unterstützt das Projekt mit einer halben Million Dollar. Die Korallenriffe der Region wurden 1998 schwer von der Warmwasserströmung El Niño getroffen, bis zu 97 Prozent der Kolonien starben ab. „Korallenriffe sind überlebenswichtig für Fische“, sagt Projektkoordinatorin Sarah Frias-Torres. „Sie bieten zudem Schutz vor Wirbelstürmen und sind eine wertvolle Touristenattraktion.“ Das Projekt solle auch zeigen, dass es simple Methoden der Wiederaufforstung gebe. Zum Beispiel entfernten Taucher unerwünschten Algenbelag einfach mit Zahnbürsten. Bislang gibt es allerdings kaum Zahlen, wie erfolgreich diese Korallenzucht ist. Auch Frias-Torres will vor Ablauf des Projekts im kommenden Jahr keine Ergebnisse bekanntgeben. „Der Erfolg solcher Wiederaufforstungsprojekte hängt von den Oberflächen der Substrate ab, die den Larven zur Ansiedlung angeboten werden“, sagt Christian Wild, Professor am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen. Weltweit seien verschiedene Techniken im Einsatz. So werde beispielsweise mit unter Strom gesetzten Metalldrähten experimentiert. Auf ihnen lagere sich per Elektrolyse eine Kalkschicht an, auf der sich Korallenlarven besonders gut ansiedelten. „Generell aber gilt, dass die Ursachen für das Absterben der Korallen identifiziert und bekämpft werden müssen“, sagt Wild. „Sonst sind Wiederaufforstungsprojekte nicht nachhaltig.“ muk


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mare No. 101

No. 101Dezember 2013 / Januar 2014

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