Kultur
Die Gestade der Städte
Das Mittelmeer wollte er absenken, die Kontinente Afrika und Europa verbinden und so Siedlungsland gewinnen, auf dem neue Küstenstädte entstehen können. Heute gilt das von Hermann Sörgel 1927 entworfene „Atlantropa“ als ein skurriles und faszinierendes Beispiel für einen maritimen Architektentraum und findet sich entsprechend in der Ausstellung „Der Traum von der Stadt am Meer – Hafenstädte aus aller Welt“ des Museums für Hamburgische Geschichte wieder. Dabei nähert man sich dem Thema von zwei Seiten: Was wurde realisiert, und welche Utopien finden sich? So werden archäologische Erkenntnisse über das sagenumwobene Rungholt ebenso berücksichtigt wie das Konzept einer Brückenstadt über den Ärmelkanal vom Zeichentisch des Architekten Yona Friedman. Die aktuelle stadtplanerische Diskussion über die Ham- burger Hafencity als Synthese von Wohnquartier und Umschlagplatz wird etwa kontrastiert mit den futuristisch anmutenden Entwürfen des Architekten Kiyonori Kikutake, der unsere Zukunft im Wohnen in unterseeischen Städten sieht. Nicht zuletzt geht es um unsere widersprüchlichen Ideale vom Leben am Wasser: Einerseits verlangt es einem nach kuscheligen Hafenvierteln, wo der alte Fischer Pfeife schmauchend seine Netze flickt; andererseits ist der Charme urbaner Hafentangenten mit gläsernen Wohntürmen und der See zugewandten Einkaufsarealen auch nicht zu verachten. fkb
Meereszoologie
Mariner Müll behebt Wohnungsnot
Weltweit werden immer mehr Einsiedlerkrebse dabei beobachtet, wie sie in Plastikbehälter oder zerbrochene Glasflaschen einziehen, berichtet David Barnes vom British Antarctic Survey im Fachblatt „Biologist“. Denn der Wohnungsmarkt der Krustentiere ist stets überfüllt. Passende Schneckenhäuser sind nur schwer zu finden, insbesondere für größere Exemplare. Deshalb waren die Einsiedlerkrebse bei ihrer Suche nach einer Bleibe schon immer erfinderisch – sie lassen sich notfalls auch in versteinerten Schneckengehäusen nieder oder tauschen schlecht passende Domizile untereinander aus. Der Mensch hat in den letzten Jahren die Wohnungsnot verschärft, da zu viele wohlschmeckende Schnecken aus den Küstengewässern herausgefischt wurden und lediglich kleine Vertreter samt unbequemen Behausungen übrig blieben. Die zunehmende Verschmutzung der Strände liefert den Einsiedlerkrebsen da passende Alternativen. Doch die Aas fressenden Krebse könnten auch einen kulinarischen Nutzen aus dem Müll des Menschen ziehen, meint Barnes. Vom Abfall vergiftete oder erstickte Strandtiere bereichern die Nahrung der Krebse. uke
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