Biologie
Fett macht schlau
Die Veränderungen des Klimas tragen möglicherweise stärker zum Niedergang von Seevogelbeständen bei, als bisher vermutet wurde. So ist die Zahl der Klippenmöwe Rissa brevirostris auf den Pribilof-Inseln im Beringmeer seit Anfang der achtziger Jahre um gut die Hälfte gesunken. US-Forscher sehen die Ursache in einem Klimawandel im Nordpazifik, der zur Abwanderung fettreicher Fische – der Hauptnahrung der Klippenmöwen – geführt hat und Mangelernährung der Küken zur Folge hatte. Um herauszufinden, wie der Versorgungsengpass die Entwicklung der Tiere beeinflusst, unterzogen Wissenschaftler um Alexander Kitaysky von der University of Alaska in Fairbanks Küken einer Diät aus fettarmen Fischen. Wie sich in den Laborexperimenten zeigte, wirkte sich das magere Menü auf die geistige Leistungsfähigkeit der Jungvögel aus. Um an ihre Mahlzeit zu gelangen, mussten die Möwen schwarze Schälchen öffnen. Weiße Näpfe waren stets leer. Die falsch ernährten Möwen lernten den Unterschied nicht, fettreich ernährte Tiere hingegen wählten nach einer Lernphase zielsicher die schwarzen Schalen. Die Forscher gehen davon aus, dass die Jungvögel auf den Pribilof-Inseln aufgrund des Fischfettmangels schwächer sind, weniger Nachkommen zeugen und an Intelligenz einbüßen. Die aber ist entscheidend, um neue Nahrungsgründe zu finden. Peter Becker, Seevogelexperte am Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven, hält die Untersuchungen zwar für interessant. Da die Versuchstiere aber nicht weiter in der freien Wildbahn beobachtet wurden, sagt er, bleibe unklar, wie und in welcher Lebensphase sich die kognitiven Defizite tatsächlich auswirken würden. „Vermutlich würden die meisten derart ernährten Küken gar nicht flügge werden oder den Schritt in die Selbstständigkeit nicht überleben.“ ts
Energie
Schwimmendes Kraftwerk
Um auch entlegene Regionen in Sibirien und im Fernen Osten mit Strom zu versorgen, beginnt Russland Anfang 2006 mit dem Bau des weltweit ersten schwimmenden Kernkraftwerks. Der Reaktor mit einer vergleichsweise geringen Leistung von insgesamt 70 Megawatt wird im Militärhafen von Sewerodwinsk, 1500 Kilometer nördlich von Moskau am Weißen Meer, gebaut. Das als Plattform dienende Schiff dazu soll in einer chinesischen Werft gefertigt werden. Ein Vertrag über den Schiffsbau in Höhe von rund 70 Millionen Euro sei bereits unterzeichnet, berichtet die Agentur Interfax. In vier bis fünf Jahren soll das Kraftwerksschiff fertig und anschließend 40 Jahre lang in Betrieb sein. „Wahnsinn“, findet Thomas Breuer, Atomexperte bei Greenpeace Deutschland, das Projekt. „Ein schwimmendes Atomkraftwerk ist noch schwerer gegen terroristische Angriffe zu schützen als ein Kraftwerk an Land.“ Es könnte beispielsweise durch Unterwasserminen oder Torpedos unbemerkt angegriffen werden. Außerdem soll im Gegensatz zu herkömmlichen Reaktoren nicht leicht-, sondern hochangereichertes Uran mit einem Gehalt von etwa 40 Prozent Uran-235 zum Einsatz kommen. „Das bedeutet mehr potenzielles Bombenmaterial und stellt ein großes Risiko für die weitere Verbreitung von waffenfähigem Material dar“, warnt Breuer. Aber selbst ohne menschliches Einwirken birgt das Vorhaben seiner Meinung nach viele Gefahren. Bei schwerem Seegang könnte das Kraftwerksschiff kentern, und ein Tsunami könnte es ganz zerstören – mit unabsehbaren Folgen für die Bevölkerung. Dennoch haben bereits weitere Staaten Interesse an der neuen Technologie gezeigt, unter anderen Indonesien und Länder des Nahen Ostens. broe
Dies ist ein Auszug aus dem Text. Den ganzen Beitrag lesen Sie in mare No. 54. Abonnentinnen und Abonnenten lesen ihn auch hier im mare Archiv.
| Vita | Aus der Redaktion |
|---|---|
| Person | Aus der Redaktion |
| Vita | Aus der Redaktion |
| Person | Aus der Redaktion |