Neuigkeiten aus der Welt der Meere

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Geschichte

Meer-Katzen

„Tiere im Krieg“ heißt die aktuelle Ausstellung des Londoner Imperial War Museum, die noch bis zum kommenden Frühjahr zu sehen ist. Sie macht zum einen den organisierten militärischen Einsatz von Tieren zum Thema: Ratten bei der Minenräumung, Maultiere bei den Gebirgsjägern, See-Elefanten beim Orten von U-Booten. Daneben widmet sie sich jedoch der positiven Wirkung von Tieren auf die mentale Verfassung der Soldaten. Vor allem Katzen sind gern gesehene Gäste auf Kriegsschiffen. Prominentestes Beispiel ist Kater Simon, Maskottchen der Mannschaft der britischen Fregatte HMS „Amethyst“. Simons Schicksal erzählt geradezu idealtypisch von der menschlichen Sehnsucht nach Geborgenheit in Momenten höchster Gefahr. Geboren auf einer Werft in der damaligen Kronkolonie Hongkong, wird Simon im Frühjahr 1948 von einem Schiffsjungen an Bord geschmuggelt und ist bald der Liebling der Mannschaft. Allein schon, weil er das Schiff rattenfrei hält und damit die Ausbreitung von Seuchen verhindert. Doch im April 1949 wird die auf dem Jangtse-Fluss fahrende „Amethyst“ von rotchinesischen Truppen beschossen. 25 Besatzungsmitglieder sterben, der verwundete Simon versteckt sich erst tagelang unter Deck, dann treibt er sich im Schiffslazarett herum, zum Trost für die Verletzten. Das Herz des Kapitäns – eines eingefleischten Katzenhassers – gewinnt Simon, als er eine besonders aggressive Ratte erlegt, die die Mannschaft Mao Tse-tung getauft hatte. Simon darf von nun an in der Kapitänskajüte nächtigen; der Kapitän ernennt Simon sogar offiziell zum Matrosen. Als die „Amethyst“ wieder im heimatlichen Plymouth anlegt, empfängt eine begeisterte Menge den Kater; Hongkonger Zeitungen hatten bereits über seine Taten berichtet. Geplant ist, ihm die höchste Auszeichnung zu überreichen, die ein Tier erlangen kann: die Dickin-Medaille für Tapferkeit, gestiftet von der PDSA, der People’s Dispensary for Sick Animals, und ihrer Gründerin Maria Dickin. Doch zwei Wochen vor der Würdigung erliegt Simon seinen Kriegsverletzungen, und so erhält er die Medaille posthum– als bisher einzige Katze der Welt. Eben jene Medaille glänzt derzeit im Imperial War Museum in London. fk


Umwelt

Seltsame Verwandlung

Wenn Meerwasser plötzlich süß schmeckt, muss ein Wunder geschehen sein. Davon sind die Bewohner der westindischen Metropole Mumbai (Bombay) überzeugt. Tausende Moslems und Hindus strömten kürzlich an den Strand Mahim Beach am Arabischen Meer, nachdem Fischer von der seltsamen Wandlung berichtet hatten, die sich ausgerechnet in der Nähe des Schreines des Heiligen Hadschi Machdum Baba vollzogen hatte. Die Pilger badeten nicht nur in der Bucht, sie tranken auch das Wasser. Viele kauften sogar Mineralwasserflaschen zu völlig überhöhten Preisen, nur um deren Inhalt auszuschütten und das Gefäß mit dem scheinbar kostbaren Nass zu füllen. Die Behörden warnten indes vor dem Genuss des mit Fäkalien und Chemikalien verunreinigten Wassers, und indische Wissenschaftler lieferten eine profane Erklärung für das Phänomen. Die Aussüßung des Meerwassers sei ein natürlicher Vorgang, erklärten sie. Wegen der starken Regenfälle des Sommermonsuns würden die Flüsse Mahim und Mithi, die bei Mumbai ins Meer fließen, besonders viel Regenwasser tragen. Zudem habe sich das Regenwasser in einem unterirdischen Höhlensystem gestaut und sei durch Risse ins Meer gedrungen, wo es eine große Süßwasserblase bildete. Für ihre These spricht, dass sich das Süßwasserphänomen zur Ebbezeit verstärkt, wenn sich das Meer vom Ufer zurückzieht. Mojib Latif, Klimaforscher am Institut für Meereskunde IfM-Geomar in Kiel, führt aus: „Süßwasser ist leichter und schiebt sich als sogenannte Süßwasserlinse über das Meerwasser.“ In Küstennähe süßt das Meer dadurch vor allem an der Oberfläche aus; eine Vermischung findet erst nach und nach statt. Laut Latif, der sich unter anderem der Erforschung des indischen Monsuns widmet, deuten alle Klimamodelle darauf hin, dass die schweren Monsunregenfälle künftig zunehmen werden. Die Regenzeit wird Indiens Küstenbewohnern also noch häufiger süßes Meerwasser und kleinere Wunder bescheren. ts


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mare No. 58

No. 58Oktober / November 2006

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