Neuigkeiten aus der Welt der Meere

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Architektur

Leben im Container

Australien bekämpft die anhaltende Wohnungsnot mit ungewöhnlichen Maßnahmen. Um 120 Arbeitern ein komfortables Heim zu günstigen Konditionen zu bieten, werden derzeit im westaustralischen Karratha ausrangierte Hochseecontainer in Wohnungen umgewandelt. Bauministerin Alannah Mac Tiernan hofft, damit der Abwanderung von Billiglohnkräften aus der an Öl- und Gasvorkommen reichen Region vorzubeugen. Besonders in entlegenen Gebieten sind die Preise für konventionelle Häuser wegen der enormen Transportkosten überdurchschnittlich hoch. Was in Australien pragmatischer Ausweg ist, bringt anderswo modernes Lebensgefühl zum Ausdruck. Zu Apartments oder mehrstöckigen Wohnblocks umgebaute Container setzen sich langsam auch in den USA und Europa als Städtebauelement durch. Die stabilen Boxen aus Stahl sind resistent gegen Feuer und Insektenfraß, zudem erdbebensicher und wegen ihrer Standardmaße wie Legosteine stapelbar. Ein gebrauchter Container ist bereits für einige tausend Euro zu haben. Das Büro Architecture and Hygiene in New Jersey bietet ein von dem Architekten Adam Kalkin entworfenes attraktives zweistöckiges Wohnhaus aus fünf Containern für umgerechnet 75 000 Euro an, samt Fenstern, Türen, Wandverschalung und Klimaanlage. Dabei sind der Nutzung und Ausstattung eines Containers keine Grenzen gesetzt. Ein mit Teakholz ausgekleidetes Containerensemble am Ufer der Maas beherbergt das „Wijn of Water“, Rotterdams erstes multimediales Restaurant. Und in Zürich bietet ein neunstöckiger Turm, errichtet aus Containern, die aus dem Hamburger Hafen stammen, Präsentations- und Verkaufsfläche für 1600 Umhängetaschen aus Lastwagenplanen. „Der Container hat eine besondere Ausstrahlung, er hat Geschichte und Patina, und seine Umnutzung verkörpert die Nachhaltigkeitsidee des 21. Jahrhunderts“, schwärmt der Taschendesigner Daniel Freitag. ca


Wissenschaft

Tod einer Pionierin

Marie Tharp war eine Erkunderin von Neuland. In einem Vierteljahrhundert kartografierte sie mit Federkiel und Tinte den Meeresgrund – rund 70 Prozent der Erdoberfläche (mare No. 47). Zusammen mit dem Geologen Bruce Heezen veröffentlichte sie 1977 die erste komplette Topografie der Weltozeane. Die Sisyphusarbeit stellte die Geophysik auf den Kopf und verhalf der Theorie der Kontinentalverschiebung zum Durchbruch. Nebenbei setzte sich Tharp als eine der ersten Frauen in der akademischen Welt der Geologie durch. Offizielle Anerkennung erhielt Tharp erst in den vergangenen Jahren. Die Woods Hole Oceanographic Institution zeichnete sie 1999 aus. Die Columbia University richtete vor wenigen Jahren eine Stiftung in ihrem Namen ein, um Frauen in der Fachrichtung zu fördern. Mit einer Ehrung wurden ihre Zeichnungen in die weltgrößte Kartensammlung der Library of Congress, der Nationalbibliothek der USA, aufgenommen. Obwohl Tharp als Assistentin von Heezen arbeitete, leistete sie einen erheblichen wissenschaftlichen Beitrag zu den Karten. Wer sich die neueste Ausgabe zum 25-jährigen Jubiläum von 2002 kauft, sollte sich die Unterwassergebirge um den Südpol genau anschauen. Da findet sich beispielsweise in der Heezen-Gruppe auf 70° Süd und 128° West ein Berg namens Inky. Das war lange Zeit der treue Begleiter von Tharp und Heezen – ein Cockerspaniel. Am vergangenen 23. August verstarb Marie Tharp 86-jährig an Krebs. tom


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mare No. 59

No. 59Dezember 2006 / Januar 2007

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