Biologie
Schatztruhe im Eis
Auf der norwegischen Insel Spitzbergen entsteht derzeit eine ungewöhnliche Kühltruhe: das größte Saatgutlager der Welt. Bis September bohrt die norwegische Bauverwaltung einen 120 Meter langen Tunnel sowie Vorratskammern in den Berg. In der arktischen „Arche Noah“ sollen ab 2008 bis zu drei Millionen Samenproben von Nutzpflanzenarten aus aller Welt bei etwa minus fünf Grad Celsius für die Nachwelt aufbewahrt werden. Norwegen will damit die Nahrungsgrundlagen des Menschen vor den Folgen von Klimawandel und Umweltzerstörung schützen. Wissenschaftler befürchten, dass Reis oder Weizen durch Dürren oder Überschwemmungen für immer von der Erde verschwinden könnten. Aus der eisernen Reserve ließen sich notfalls Pflanzen nachzüchten. Die Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt das Projekt mit 27,5 Millionen Euro, da man vor allem Pflanzensamen aus Entwicklungsländern lagern will. Sollte der Strom in der Kühlkammer ausfallen, sorgt das eisige Gestein für Kälte. Zudem liegt der Tunneleingang 130 Meter über dem Meer, das Lager bliebe also selbst dann trocken, wenn der Meeresspiegel um bis zu 60 Meter stiege. Für die Betreiber, die Nordische Genbank, ein gemeinsames Archiv der skandinavischen Länder, ist die Lagerstätte damit für alle Zeiten sicher. Andreas Börner, Bereichsleiter am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) im sachsen-anhaltischen Gatersleben, sieht das kritischer: „Samen können im Eis nicht ewig konserviert werden. Sie verlieren im Lauf von Jahrzehnten ihre Keimfähigkeit.“ Im IPK lagern Samen von rund 3000 Pflanzenarten in Gefrierkammern. Dennoch müssen die Forscher sie alle paar Jahre aussäen, um frische Samen zu produzieren. Das IPK ist eine der größten Samen- beziehungsweise Genbanken der Welt. In dem neuen Lager sieht Börner ernste Konkurrenz für andere Einrichtungen in den USA, in China oder Russland. „Es wäre fatal, sich jetzt in falscher Sicherheit zu wiegen und die etablierten Genbanken zu vernachlässigen.“ ts
Gesellschaft
Poetische Fischer
„Und du träumst, wie der silbern glänzende Lachs dein Netz füllt /während du tiefer ins schwarze Wasser sinkst. / Am Morgen, wenn der Tag anbricht / das Boot treibt still dahin / und ich, auch ich, bin gegangen.“ So kann es klingen, wenn zum Fisher Poets Gathering dichtende Berufsfischer und in der Fischereiindustrie Beschäftigte aus vielen Bundesstaaten der USA zusammenkommen. In diesem Frühjahr feierte man das zehnjährige Jubiläum des Treffens, wie immer im Pazifikküstenstädtchen Astoria
in Oregon, das früher von der Produktion von Fischkonserven lebte. Höhepunkt ist ein Wettbewerb, bei dem Gereimtes ebenso vertreten ist wie der freie Vers oder der Song zur elektrischen Gitarre. „Wir wollen die Männer und Frauen ehren, die ihr Leben der Fischerei widmen und die auf ihre Weise davon erzählen“, sagt Gründer John Broderick. Dabei beschreiben viele Gedichte das Lebensgefühl einer Berufsgruppe, die unter ihrem gesunkenen gesellschaftlichen Status spürbar leidet. So plagt man sich auch mit Nachwuchssorgen. Diskutiert wurde auf dem diesjährigen Treffen daher, wie junge, oft arbeitslose Migranten aus der Großstadt für die Fischerei gewonnen werden können. Inspiriert wurde das Treffen durch das „Festival dichtender Cowboys“, das seit 23 Jahren in Elko in Nevada stattfindet. Mittlerweile besuchen die Fischer die Cowboys und die Cowboys die Fischer. Und entdecken Verwandtes: „Mein Pferd ist wie euer Boot, nur dass es Haare hat und ein Herz in ihm schlägt“, sagt der Cowboy-Dichter Ron McDaniel, dieses Jahr in Astoria erstmals zu Gast. fk
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