Wirtschaft
Die längste Brücke übers Meer
Am 26. Juni wurde in China nach vierjähriger Bauzeit die Brücke über die Bucht von Hangtschou (Hangzhou) fertiggestellt. Mit 36 Kilometern ist sie die längste Brücke, die über ein Meer führt. Das neue Bauwerk könnte sogar den Ärmelkanal überspannen und ist doppelt so lang wie der Fehmarnbelt, die Wasserstraße zwischen der dänischen Insel Lolland und der deutschen Ostseeinsel Fehmarn, wo ebenfalls ein Brückenprojekt geplant ist. Noch vor Beginn der Olympischen Sommerspiele, die ab 8. August 2008 in Peking stattfinden, soll die Brücke über die Hangtschou-Bucht für den Personenverkehr geöffnet werden. Nach dem Jangtse-Staudamm und dem Schanghaier Transrapid macht China auf diese Weise mit einem weiteren Großprojekt von sich reden. Die Hängeseilbrücke ist 33 Meter breit, verfügt über jeweils drei Spuren in beide Fahrtrichtungen und soll auch Taifunen standhalten können. Sie wird als weiterer Wirtschaftsimpuls für die boomende Region Ostchinas gesehen. Denn durch sie verkürzt sich die Strecke für den Warenverkehr zwischen den Hafenstädten Schanghai und Ningbo, die 400 Kilometer voneinander entfernt liegen, um 120 Kilometer. Gemessen am Handelsvolumen hat Schanghai seit 2004 Rotterdam als größten Hafen der Welt abgelöst, wobei in Schanghai auch der Handel über die Flüsse mitgerechnet wird. Die Kosten für die Brücke belaufen sich auf umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro. Finanziert wurde das Bauwerk zu gut einem Drittel von Privatinvestoren, der größte Anteil sind Kredite chinesischer Banken. „China ist ein Land von Sparern, die Sparquote liegt bei 40 bis 50 Prozent“, sagt Hanns Günther Hilpert von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Dieses Kapital werde von den Banken genutzt, um in Immobilien zu investieren oder Kredite an Staatsfirmen zu vergeben. age
Gesellschaft
Tonnenweise Sand als Geschenk des Himmels
Sie beteten zu Gott – und der sandte Hilfe in Uniform. Jahrelang hatten sich die Schwestern des katholischen Ordens von Saint Joseph aus Philadelphia um ihr Sommerdomizil Saint Mary-by-the-Sea gesorgt. Direkt an der Südspitze von Cape May in New Jersey gelegen, drohte das Haus mit seinen 165 Zimmern im Meer zu versinken, unterspült von den Wellen. Stürme im Frühjahr und Herbst hatten den Strand immer weiter abgetragen. Nun schauen regelmäßig Pioniere der US-Armee mit Planierraupen und Baggern vorbei, um Land wiederzugewinnen. „Ich vermute, dass der Herr unserer Gebete ein wenig überdrüssig war und sich sagte: Na, dann schicke ich mal jemanden vorbei, der dort ein bisschen Sand hinschüttet“, sagt Schwester Ann Raymond, Leiterin des Ordens. Die Maßnahmen sollen bis zum Jahr 2055 fortgeführt werden. Die Kosten werden auf umgerechnet 54 Millionen Euro veranschlagt. Dass mit Steuergeldern ein Ordenshaus gesichert wird, begründet das Verteidigungsministerium offiziell mit der Funktion des Strandes: Er biete Hunderttausenden von vorbeiziehenden See- und Küstenvögeln Schutz und Nahrung. Der frühere US-Präsident George W. Bush Senior hatte 1991 ein damals kaum beachtetes Dekret unterschrieben, das es den Pionieren erlaubt, ohne Rücksprache ihr Budget zu überschreiten, sollten durch ihre Aktionen zur Küstensicherung gleichzeitig bedrohte Tierarten geschützt werden. Vielleicht aber bewahrheitet sich auch die biblische Weisheit, dass denen, die geben, auch gegeben wird: Als im Zweiten Weltkrieg deutsche U-Boote vor der Küste operierten, übergaben die Schwestern bis 1946 ihr Domizil der US-Armee für einen symbolischen Betrag von einem US-Dollar im Jahr. fk
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