Gesellschaft
Streit um Seeweg
Tausende Hindus gingen kürzlich auf die Straßen Indiens, um gegen den geplanten Bau des Sethusamudram-Kanals zu protestieren. Dabei legten sie unter anderem in Neu-Delhi zeitweise den Verkehr lahm. Nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP sollen Hunderte Demonstranten verhaftet worden sein. Die Hindus lehnen den Kanalbau ab, weil er eine heilige „Brücke“ zerstöre. Dem indischen Nationalepos Ramayana zufolge wurde die Kette von Inselchen und Untiefen, die Indien mit Sri Lanka verbindet, von einer Affenarmee errichtet. Die Brücke spielte der Sage nach eine zentrale Rolle bei der Rettung der entführten Frau des Gottes Rama. Die indische Regierung erhofft sich von dem 89 Kilometer langen Kanal wirtschaftlichen Aufschwung und bessere Exportbedingungen. „Der Boomstaat verfügt zwar über ein Wirtschaftswachstum von bis zu zehn Prozent, durch die veraltete Infrastruktur verliert Indien jedoch etwa ein Prozent des Wachstums“, sagt Christian Wagner, Indien-Experte des Berliner Instituts Stiftung Wissenschaft und Politik. „Ein marodes Eisenbahnnetz und schlechtes Hafenmanagement behindern den schnellen Abtransport der produzierten Güter ebenso wie tägliche Stromausfälle.“ Durch den umgerechnet rund 352 Millionen Euro teuren Kanal würde sich für die Schiffe der Seeweg nach Europa um etwa 30 Stunden verkürzen, weil sie dann nicht mehr wie bisher Sri Lanka umfahren müssten. Die aktuellen Proteste wurden von der radikalen Hindugruppe Vishwa Hindu Parishad (VHP) und der Hindupartei Bharatiya Janata Party (BJP) organisiert, die bis 2004 mit Atal Bihari Vajpayee den Premierminister stellte, nun aber in der Opposition ist. Die Aktivisten reagierten auf ein Gutachten, das die von Manmohan Singh angeführte Regierung in Auftrag gegeben hatte und das die Existenz der mythologischen Brücke bestritt. „Die Oppositionspartei und die VHP instrumentalisieren das religiöse Thema, um sich bei den Wählern wieder ins Gespräch zu bringen“, sagt Indien-Experte Wagner. Rund 80 Prozent der 1,1 Milliarden Inder sind Hindus. „Doch bisher hat die BJP in den wirtschaftlich wichtigen südlichen Bundesstaaten wie Tamil Nadu politisch keinen großen Einfluss.“ age
Tourismus
Briefkasten unter Wasser
Touristen auf den taiwanischen Penghu-Bird-Inseln können neuerdings einen besonderen Postservice nutzen. Taucher bringen die Urlaubsgrüße zu einem Briefkasten, der sich in 50 Meter Tiefe befindet. Allerdings wird der Briefkasten nur einmal in der Woche geleert. Erfunden hat die Institution des Unterwasserbriefkastens ein Deutscher: Heinz Piorkowski. Der aus dem brandenburgischen Hennigsdorf bei Berlin vor 35 Jahren nach Japan übergesiedelte Ingenieur und Hobbytaucher stellte bereits 1999 nahe der Küstenstadt Susami einen Unterwasserbriefkasten auf, und zwar in zehn Meter Tiefe. Das brachte ihm damals einen Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ ein. Wasserfeste Postkarten entwickelte er übrigens gleich mit. Im „Reef Dive Resort“ vor Mataking Island in Malaysia wiederum dient das Steuerhaus eines gesunkenen hölzernen Frachters, der heute ein künstliches Riff bildet, als Briefkasten. Weitere Unterwasserbriefkästen gibt es im Coral World Ocean Park bei Saint Thomas auf den karibischen Jungferninseln sowie in dessen Ableger auf den Paradiesinseln der Bahamas. Besonders bei Seglern beliebt ist der Unterwasserbriefkasten bei Port Vila auf der Südseeinsel Vanuatu, gut zu erreichen in nur 3,50 Meter Wassertiefe. Postkarten und wasserdichte Beutel müssen vorher in einem örtlichen Souvenirgeschäft erworben werden. Jeden Abend vor Einbruch der Dämmerung leeren Posttaucher den Briefkasten und bringen den Inhalt zu dem Souvenirgeschäft zurück, wo sie dem normalen Posttransport zugeführt werden. Vanuatu kann zudem mit einer weiteren Attraktion für Briefmarkensammler aufwarten: einem Briefkasten am Rand eines Vulkankraters. Da der Vulkan Yasur regelmäßig ausbricht, wird auch hier die Post täglich abgeholt. fk
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