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Politik

Uneins über Seegrenze

Auch weitere Gespräche über den Verlauf der umstrittenen Seegrenze zwischen Nord- und Südkorea im Gelben Meer sind gescheitert. Schon Ende November 2007 trafen sich die Verteidigungsminister beider Staaten erstmals seit sieben Jahren zu Beratungen. Während ihres Treffens im nordkoreanischen Pjöngjang einigten sie sich zwar auf Sicherheitskriterien für einen regelmäßigen Eisenbahnverkehr an der streng bewachten Festlandgrenze. Bei Beratungen über eine gemeinsame Fischereizone kam es jedoch zu keiner Einigung. Eine solche Fischereizone, gedacht als „Friedens- und Wirtschaftskooperationszone“, an der Westgrenze einzurichten war Teil einer Vereinbarung zwischen Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun und dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il im Oktober letzten Jahres. Die Annäherung Nord- und Südkoreas sollte auf diese Weise vorangetrieben werden. Denn bis heute wurde zwischen den beiden Staaten kein Friedensvertrag abgeschlossen, was formal bedeutet, dass sie sich – trotz Waffenstillstands – im Krieg miteinander befinden. Die umstrittene Grenze im Gelben Meer, die Northern Limit Line (NLL), wurde nach dem Ende des Koreakriegs 1953 einseitig von den UN-Streitkräften, die unter der Führung der USA im Krieg auf der Seite des Südens gekämpft hatten, gezogen, nachdem in den Waffenstillstandsverhandlungen selbst keine Einigung erzielt werden konnte. Nordkorea hat die Grenze bis heute nicht anerkannt und verlangt deren Verlagerung nach Süden, was Pjöngjang neben territorialem Zugewinn militärische und wirtschaftliche Vorteile bringen würde. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre überquerten nordkoreanische Marineeinheiten in provokativer Absicht mehrfach die NLL. Als 1999 ein nordkoreanisches Schiff die Grenze überfuhr, versenkten es südkoreanische Patrouillenboote. 2002 starben bei erneuten Grenzstreitigkeiten vier südkoreanische Marinesoldaten. In jüngster Zeit hat sich die Lage zwar beruhigt, dennoch besteht Südkorea auf der bisherigen Linie, deren exakter Verlauf allerdings nur schwer zu kontrollieren ist. „Hunderte südkoreanischer Fischer sind in den letzten Jahrzehnten vielfach unabsichtlich über die nördliche Seegrenze gelangt und dann nie mehr zurückgekommen“, sagt Patrick Köllner, Korea-Experte des Hamburger Giga-Instituts für Asien-Studien. „Man verwehrte ihnen die Rückkehr, verhaftete sie als Spione, und einige wurden sicher auch getötet.“ Dies werde aber in Südkorea kaum thematisiert, weil man die Annäherung nicht gefährden wolle, sagt der Giga-Experte. Anfang März könnte Bewegung in die Verhandlungen kommen, denn dann sind – nach den südkoreanischen Wahlen im Dezember 2007 – der neue Präsident und sein Kabinett im Amt. age

Archäologie

Wrack im Aquarium

Ein einzigartiges Unterwassermuseum entsteht derzeit in der südchinesischen Stadt Yangjiang. Erbaut wird eine mit Meerwasser gefüllte fünfteilige Halle, in der wie in einem Aquarium das Wrack eines 800 Jahre alten Handelsschiffs aus der Song-Dynastie (960–1279) lagern wird. Während Archäologietaucher das Schiff untersuchen und dessen Schätze nach und nach bergen, können ihnen Besucher bei der Arbeit zusehen. Derzeit lagert das Wrack noch in einem 4000 Tonnen schweren, ebenfalls mit Meerwasser gefüllten Container. Das örtliche Institut für Unterwasserarchäologie schätzt, dass sich im Schiffsinnern etwa 60 000 bis 80 000 Gegenstände befinden – von Vasen über Geschirr bis hin zu Münzen und Waffen. Die Kosten des Projekts werden insgesamt auf 20,5 Millionen US-Dollar veranschlagt. Die Eröffnung des Museums ist für Mitte 2008 geplant. China hat seine Unterwasserschätze lange vernachlässigt. Es war daher ein Schock, als der britische Bergungstaucher Mike Hatcher 1985 vor Chinas Südküste ein holländisches Handelsschiff aus dem 17. Jahrhundert entdeckte und mehr als 150 000 Porzellanexponate hob. Hilflos mussten chinesische Archäologen mit ansehen, wie dieser Schatz bei Christie’s in Amsterdam versteigert wurde – sie hatten nur 22 000 Euro in der Tasche und konnten nicht einmal den Startpreis bezahlen. Seitdem hat China seine Unterwasserarchäologie mithilfe von Kollegen aus Australien und Japan professionalisiert. Auf die chinesischen Experten wartet viel Arbeit: Von Häfen der chinesischen Südküste wie Fujian oder Guangdong aus transportierten die Schiffe während der Tang-Dynastie (618–907), der Song-Dynastie und der Ming-Dynastie (1368–1644) vorwiegend Seide und Porzellan nach Korea und Japan sowie nach Indien und weiter nach Arabien und bildeten eine „Seidenstraße zur See“. Auch das künftig ausgestellte Schiff war auf dieser Route vor der Küste der Insel Hailing gesunken. Für die Forscher drängt die Zeit: In letzter Zeit häufen sich Meldungen, wonach die Küstenpolizei bei Kontrollen von Fischerbooten immer wieder auf Porzellan und andere Fundstücke stößt. fk

 

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mare No. 66

No. 66Februar / März 2008

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