Wissenschaft
Seegurke als Inspiration
Im Labor hergestellte Kunststoffe mit denselben Eigenschaften wie die von Seegurkenhäuten könnten in der Neurochirurgie von großem Nutzen sein, glaubt ein US-amerikanisches Forscherteam um Jeffrey Capadona aus Cleveland, Ohio. Seegurken können innerhalb von Sekunden ihre geleeartige Haut derart versteifen, dass sie vor Fressfeinden geschützt sind. In der kürzlich in „Science“ veröffentlichten Studie haben die Forscher die Anatomie der Seegurkenhaut für die Entwicklung eines neuen elastischen Kunststoffs zum Vorbild genommen. Dazu wurde ein Netzwerk von Nanofasern aus Zellulose in einem Polymer eingebettet. Starke chemische Bindungen halten die Nanofasern zusammen und geben dem Kunststoff seine Festigkeit. Kommt das Material allerdings mit Wasser in Berührung, wird es weich und elastisch, nach anschließendem Trocknen wieder fest. „Die Einsatzmöglichkeiten dieses Nanokomposits sind sehr vielfältig“, sagt Christoph Weder, Leiter des Forscherteams. „Zum Beispiel könnten implantierte Gehirnschrittmacher mit diesem Material ummantelt werden und dann bei der Behandlung von Parkinson-Kranken, Epileptikern und Schlaganfallpatienten zum Einsatz kommen.“ Die Wirkung der bisher verwendeten Mikroelektroden lässt innerhalb weniger Monate nach, da die starre Außenhaut der Elektroden das weiche Gehirngewebe schädigt und Gewebewucherungen das Signal der Schrittmacher schwächen. Die Elektroden müssen daher regelmäßig ausgetauscht werden. Die von dem neuartigen Kunststoff ummantelte Elektrode hingegen kann bei der Implantation im trockenen, also harten Zustand ins Gehirn eingesetzt werden und wird dann bei Kontakt mit dem Gewebe, das zu etwa zwei Dritteln aus Wasser besteht, weich und flexibel. Erste Laborversuche zur Biokompatibilität des Materials laufen bereits. Weder sieht auch Anwendungsmöglichkeiten außerhalb der Medizin: Wird der Schaltvorgang von hart zu weich nicht chemisch mit Wasser, sondern elektrisch ausgelöst, könnte man beispielsweise aus dem Kunststoff kugelsichere Schutzwesten herstellen, die erst bei Bedarf zu Panzern werden. Denkbar sind auch neuartige Prothesen und Verbände, die sich nur bei starker Beanspruchung des verletzten Körperteils in eine starre Stütze verwandeln. ca
Wirtschaft
Internet-Seekabel für Afrika
Das Vorhaben, die Staaten Ostafrikas besser an das Internet anzuschließen, kommt nicht voran. Uganda hat seine Zusage, sich an einem Seekabel entlang der ostafrikanischen Küste zu beteiligen, vorerst zurückgezogen. Es möchte sich nach preisgünstigeren Alternativen umsehen. Afrika ist vom Internet weitgehend abgetrennt. Nur fünf Prozent seiner Bewohner haben bisher Zugang zum Netz. Da der Hauptteil des täglichen Internetverkehrs den Umweg über dieUSA oder Großbritannien nehmen muss, sind die Kosten enorm. Die monatliche Gebühr für einen Internetanschluss beträgt oft mehrere hundert US-Dollar und übersteigt damit das Jahreseinkommen vieler Nutzer. Immerhin wurde 2002 entlang der westafrikanischen Küste ein Seekabel verlegt; dies führte in den Anrainerstaaten zu einer langsamen Liberalisierung des bislang staatlichen Internet- und Telefonmarkts – und zu deutlich günstigeren Tarifen. Es war daher ein Schritt in die richtige Richtung, als die ostafrikanischen Staaten beschlossen, bis Ende 2007 ein weiteres Seekabel vom südafrikanischen Durban bis nach Dschibuti am Horn von Afrika zu verlegen: Eassy (Eastern Africa Submarine Cable System). 23 Staaten nahmen an den ersten Verhandlungen teil, zwölf schlossen anschließend einen Vertrag, den bisher nur sechs Staaten ratifizierten – einer weniger, als benötigt wird, um längst überfällige Planungsschritte zu unternehmen. Ausgeschert war vor Uganda bereits Kenia, das sich wiederum für ein konkurrierendes Projekt entschieden hat: Teams (The East African Marine System). In dessen Rahmen wird ein Unterseekabel zwischen der kenianischen Hafenstadt Mombasa und den Vereinigten Arabischen Emiraten verlegt, von wo weitere Seekabel Richtung Indien und Südostasien führen. Teams soll 2009 in Betrieb gehen. Sollte das erste Kabelprojekt noch realisiert werden, ist mit seiner Inbetriebnahme nicht vor 2015 zu rechnen. fk
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