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Wirtschaft

Wertvoller Schrott

Das Wrack galt bisher als Schandfleck in der Region, jetzt ist es ein begehrtes Handelsobjekt: Wegen der hohen Preise für Metall wollen mehrere Bergungsunternehmen den vor Norwegens Küste gestrandeten russischen Kreuzer „Murmansk“ so schnell wie möglich heben. Den örtlichen Behörden liegen bereits zahlreiche Anträge vor. „Bei den Interessenten handelt es sich hauptsächlich um norwegische Firmen, eine russische ist aber auch unter ihnen“, sagt Kjetil Aasebo von der norwegischen Küstenverwaltung. Die Stahlpreise haben sich in den vergangenen Jahren vor allem wegen der gestiegenen Nachfrage aus Indien und China vervielfacht. Die Bergungsunternehmen erhoffen sich nun hohe Gewinne von einer Demontage des 211 Meter langen Wracks. Stahlschrott gilt als wichtiger Sekundärrohstoff für die Herstellung von Stahl. Obwohl die Preise für Stahlschrott zuletzt schwankten, rechnen Experten weiterhin mit einem hohen Niveau. „Zwar werden wegen der sich abkühlenden Weltwirtschaft Stahl- und Schrottnotierungen wohl kaum neue Rekordwerte erzielen“, sagt Christoph Gisiger von der Schweizer Wirtschaftszeitung „Finanz und Wirtschaft“. „Langfristig aber dürfte die Nachfragebelebung in den aufstrebenden Märkten den Rohstoffpreisen wieder Auftrieb geben.“ Auch Dietmar Stamm, Sprecher des größten deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp Steel, prognostiziert ein „relativ gutes Stahljahr 2009“. Aasebo hofft nun, dass sich die norwegische Regierung bis Weihnachten für einen Interessenten entscheidet. Es sei höchste Zeit, dass der „Abfallhaufen“ weggeschafft werde. Man vermutet, dass sich noch immer Giftstoffe oder sogar radioaktives Material an Bord befindet. Der 17 000 Tonnen schwere Kreuzer liegt seit 1994 vor der norwegischen Küste bei Sørvær auf Grund. Er sollte damals zur Verschrottung nach Indien gebracht werden. In stürmischer See hatte sich das einstige Kriegsschiff vom Schlepper losgerissen und trieb vier Tage lang ohne Kapitän und Mannschaft durch norwegisches Gewässer. Schließlich sank es an Heiligabend. Da die Wassertiefe an dieser Stelle nur 15 Meter beträgt, ragen große Teile der rostigen Überreste gut sichtbar aus dem Meer. ih

Ornithologie

Trödelnde Seeschwalben

Nicht nur bei Menschen, auch bei Zugvögeln gibt es offenbar Draufgänger und Trödler. So haben Wissenschaftler vom Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven herausgefunden, dass junge Flussseeschwalben, die früh aus Afrika in ihre Brutgebiete nach Deutschland zurückkehren, auch in den folgenden Jahren zeitig eintreffen. Wer sich hingegen verspätet, bleibt ein Leben lang hintendran. Das Fazit der Forscher: Man kann schon früh erkennen, ob eine Seeschwalbe ein flotter Typ ist oder nicht. Flussseeschwalben sind Küstenvögel, die in Afrika überwintern und in unseren Breiten brüten, etwa an der Nordsee. Die Jungtiere ziehen, sobald sie flügge sind, nach Süden und bleiben zwei Jahre im afrikanischen Exil. Erst als geschlechtsreife Tiere kehren sie in den Norden zurück. Für ihre Untersuchung, die zehn Jahre dauerte, statteten die Forscher mehr als 2000 Küken mit einem Mikrochip aus. Jahr für Jahr registrierten sie im Frühling die Ankunftszeit der Rückkehrer. Dabei fanden sie heraus: Je früher ein Vogel die Brutkolonie erreicht, desto besser stehen die Chancen, einen guten Brutplatz und einen Partner zu finden. Mehr noch: Die flotten Tiere begannen schon im Alter von zwei oder drei Jahren zu brüten, die Bummler erst mit vier oder fünf. Die Schnellen waren zudem produktiver. Sie zogen in den ersten Lebensjahren deutlich mehr Küken auf als ihre lahmen Artgenossen. Diese trafen zwar im Lauf der Jahre immer zeitiger in ihrer Heimatkolonie ein, holten aber den Vorsprung der anderen nie auf. Ob am Ende die Trödler tatsächlich die Letzten sein werden, bleibt abzuwarten. „Flussseeschwalben werden durchaus älter als 20 Jahre“, sagt der Wilhelmshavener Vogelforscher Peter Becker, „deshalb können wir jetzt noch nicht sagen, ob die schnellen Tiere bis zu ihrem Lebensende tatsächlich erfolgreicher sein und mehr Nachkommen produziert haben werden.“ ts

 

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mare No. 71

No. 71Dezember 2008 / Januar 2009

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