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Politik

Simulierte Flucht

Rund 40 Freiwillige haben für Sea-Watch an der Simulation einer Flucht über das Mittelmeer teilgenommen. Sea-Watch ist eine Initiative, die zivile Seenotrettung im Mittelmeer betreibt. Für das Experiment ließen sich die Teilnehmer in einer maritimen Trainingsanlage mehrere Stunden lang in ein überfülltes Schlauchboot setzen – ohne zu wissen, wie lange die Fahrt dauern würde. Die Testpersonen konnten den Versuch aber jederzeit abbrechen und mit wenigen Zügen ans Ufer schwimmen. Das Ergebnis des Experiments nach letztendlich fünf Stunden: Sieben Teilnehmer verließen das Boot vorzeitig, die restlichen Freiwilligen hielten bis zum Ende durch. „Ich habe ein besseres Verständnis dafür bekommen, in welcher Notsituation man sich befinden muss, um so ein großes Risiko einzugehen“, sagte einer der Teilnehmer. Die Eindrücke der Teilnehmer und Erfahrungsberichte von tatsächlich Geflüchteten wurden vom US-Regisseur Skye Fitzgerald in einem Dokumentarfilm zusammengeführt. „Mit dem Film wollen wir auf die Erfahrungen von Geflüchteten aufmerksam machen und die Frage stellen, ob Regierungen auch dann nicht handeln würden, wären weiße Deutsche in Seenot“, sagt Michael Schwickart von Sea-Watch. 2018 sind mindes- tens 2277 Menschen während ihrer Flucht über das Mittelmeer gestorben. Ende Juni hatte der Fall um die deutsche „Sea-Watch 3“-Kapitänin Carola Rackete für Furore gesorgt. Sie war mit rund 40 Migranten an Bord unerlaubt in den Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa eingelaufen. Die Behörden stellten sie daraufhin wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur illegalen Einreise unter Hausarrest. Rackete wurde schließlich nach einigen Tagen freigelassen. mz


Umwelt

CO2-Speicher in der Nordsee

60 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) setzen die Häfen von Rotterdam, Amsterdam, Gent und Antwerpen im Jahr frei. Das entspricht einem Drittel der CO2-Emissionen in der gesamten Region Belgien, Niederlande und Luxemburg. Zumindest ein Teil der klimaschädlichen Stoffe soll bald in leere Gasfelder unter der Nordsee gepumpt werden, im Rahmen des Projekts „Porthos“, dem zurzeit größten seiner Art. Dahinter stehen unter anderem der Hafen von Rotterdam und das staatliche niederländische Gasunternehmen Gasunie. Dabei sollen bis 2030 rund zehn Millionen Tonnen CO2 aus der Luft gezogen und über Leitungen in zwei leere Gasfelder in der Nordsee gelangen. Sie bestehen aus porö- sem Sandstein und liegen rund 21 Kilometer vor der niederländischen Küste und drei Kilometer unter dem Meeresboden. In Deutschland ist das Verfahren unter dem Namen „Carbon Capture and Storage“ bekannt. Wissenschaftler des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel halten die Methode in der Nordsee für weitgehend sicher, weil sich kleine Mengen an ausgetretenem CO2 schnell in den Gezeitenströmen auflösen. Geomar-Chemiker Klaus Wallmann: „Wir kommen vorläufig zu dem Schluss, dass es möglich ist, CO2 sicher in Formationen unter dem Meeresboden zu speichern, wenn sich der Speicherort in einem Gebiet mit wenigen undichten Bohrlöchern befindet.“ mz


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mare No. 135

No. 135August / September 2019

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