Wirtschaft
Anregendes Geschäft
Jahrhundertelang lebten sie von der Fischerei, jetzt haben die Bewohner von Ambolimoke im Süden Madagaskars ein neues Geschäftsfeld entdeckt: die Seegurkenzucht. Diese wurstförmigen Meerestiere, die je nach Art auch an Blutegel oder Gemüsegurken erinnern, werden in Asien als Aphrodisiakum gehandelt und sollen die sexuelle Potenz des Mannes erhöhen (mare No. 10). Als Geschenk verpackt, kostet ein Kilogramm getrocknete Seegurke in chinesischen Supermärkten bis zu 150 Euro. Die Bewohner von Ambolimoke, die mit dem Fischfang zuletzt keine Gewinne mehr machten, erhoffen sich nun, vom boomenden Handel mit Seegurken zu profitieren. Unterstützt werden sie dabei von mehreren Universitäten, der Meeresschutzorganisation Blue Ventures und einem lokalen Fischhandelsunternehmen. Ziel ist es, die Seegurkenart Holothuria scabra schnell zu marktreifer Größe heranzuzüchten. Die ersten Exemplare seien bereits verkauft worden, heißt es. Fischer in Südostasien setzen schon lange auf das einträgliche Seegurkengeschäft – mit fatalen Folgen. Die Dezimierung der Bestände durch Überfischung sei an manchen Orten dramatisch, sagt Sven Uthicke vom Australian Institute of Marine Science. „Viele gewinnbringende Arten sind sogar ganz aus unseren Meeren verschwunden. Leider geraten nun auch die weniger hochwertigen Arten ins Visier der Fischer.“ Das Aquakulturprojekt in Madagaskar soll den Einheimischen zu einer neuen Lebensgrundlage verhelfen und einen Beitrag zur Erholung der Seegurkenbestände leisten. Ironie der Natur: Die Seegurke ist zwar als Aphrodisiakum geschätzt, muss aber für die Zucht künstlich befruchtet werden. ug
Politik
Titos Yacht wird Museum
Sie rostete viele Jahre vor sich hin, nun hat die legendäre Yacht des früheren jugoslawischen Staatschefs Tito einen neuen Besitzer. Bei einer Zwangsversteigerung erwarb die Stadt Rijeka die „Galeb“ für das Minimalgebot von 150 000 Dollar. Sie soll nun zu einem Museum umgebaut werden. Fast drei Jahrzehnte lang, von 1953 bis 1980, hatte die „Galeb“ als Staatsyacht fungiert. Mehr als 86 000 Seemeilen legte Tito in dieser Zeit zurück, besuchte dabei 18 Länder und lud insgesamt 102 Staatsbesucher auf sein Schiff ein. Auch Filmstars wie Sophia Loren, Richard Burton oder Elizabeth Taylor zählten zu seinen Gästen an Bord. Damit sich niemand auf den Seereisen langweilte, sorgte eine eigene Bordkapelle für Unterhaltung. Tito galt als Lebemann und regierte Jugoslawien vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zu seinem Tod 1980. In Rijeka arbeitet man derzeit an einem Museumskonzept. „Geplant ist, einen Teil der Yacht entsprechend auszugestalten“, sagt Vojko Obersnel, Bürgermeister von Rijeka. Es existieren noch einige Kunstwerke, die früher das Schiff schmückten, alte Fahrtnotizen, eine Büste Titos sowie sein Rasierstuhl. Wie das Museum letztlich aussehen wird, ist noch unklar. Man wolle aber auf keinen Fall einen neuen Personenkult um Tito schaffen, beteuert der Bürgermeister. Ursprünglich war das Schiff 1938 als Frachter gebaut worden, ehe es im Zweiten Weltkrieg für die Deutschen als Minenräumer zum Einsatz kam und im Hafen von Rijeka versenkt wurde. Nach Kriegsende ließ die jugoslawische Marine das gehobene Wrack umbauen, und Tito begann, es für seine Staatsbesuche zu nutzen. Während des Jugoslawienkriegs Anfang der neunziger Jahre lag das 117 Meter lange Schiff vor Montenegro und wurde von Souvenirjägern geplündert. Schließlich verkaufte die montenegrinische Regierung die „Galeb“ an einen amerikanisch-griechischen Reeder, der am Ende wegen finanzieller Probleme die geplante Überholung nicht durchführen konnte. Mittlerweile gehört Titos Yacht zum nationalen Kulturgut Kroatiens. Das Inventar sei nach all den Jahren zwar weitgehend verrottet, sagt Mechaniker Ivan Tutek von der kroatischen Viktor-Lenac-Werft, der sich zwei Jahre lang um die Reparaturen der Yacht gekümmert hatte. „Aber im Grunde ist das Schiff noch in einem guten Zustand.“ ug
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