Politik
Zoff um Adria-Bucht
Seit Jahren streiten sich Slowenien und Kroatien um den Grenzverlauf in der Bucht von Piran. Jetzt wollen beide Länder den Internationalen Gerichtshof für eine Klärung anrufen. „Die EU und die USA haben hinter den Kulissen großen Druck auf die Länder ausgeübt, sich endlich zu einigen“, sagt Dusˇan Reljic´, Balkanexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik. Kommt Den Haag zu einer Lösung, kann Kroatien wieder auf eine EU-Mitgliedschaft hoffen. Um die Bucht im Norden der Adria wird bereits seit 1991 heftig gerungen. Das ehemalige Jugoslawien hatte es versäumt, die Grenzen der Mitgliedstaaten genau zu markieren. Kroatien beansprucht die Bucht als sein Territorium und dehnte 2004 eine Umwelt- und Fischereizone einseitig auf dieses Gebiet aus. Diese müssen slowenische Fischer nun kreuzen, bis sie auf dem offenen Meer sind. „Slowenien protestiert dagegen, weil es so keinen direkten Zugang mehr zu internationalen Gewässern hat“, sagt Reljic´. „Es fürchtet um die langfristige Entwicklung des Landes, weil sein Hafen in Koper durch diesen Grenzverlauf an Bedeutung verliert.“ In der Vergangenheit beharrte EU-Mitglied Slowenien immer wieder auf seinem Standpunkt und blockierte so die Beitrittsverhandlungen Kroatiens. Nun hoffen beide Seiten auf eine schnelle Beilegung des Konflikts. Dass dies möglich ist, zeigt die Diskussion um die Schlangeninsel im Schwarzen Meer. Jahrelang stritten sich Rumänien und die Ukraine um den Felsbrocken, in dessen unmittelbarer Umgebung wertvolle Gas- und Ölvorkommen vermutet werden. Anfang des Jahres zog Den Haag schließlich die regionalen Seegrenzen neu. Demnach steht der Ukraine eine Fläche von zwölf Seemeilen rund um den Felsen zu. Der Rest, knapp 80 Prozent des Kontinentalsockels, dessen Spitze die Schlangeninsel markiert, geht an Rumänien. „Das Urteil“, so Reljic´, „gilt als Vorbild für den Streit an der Adria.“ muk
Klimaschutz
Algendiät für Kühe
Kühe sollen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das fordern australische Agrarforscher und schlagen eine Spezialdiät vor, um den Methangasausstoß bei Rindvieh zu senken. Demnach sollen die Wiederkäuer statt Weidegras künftig Meeresalgen fressen. Ein entsprechender Versuch läuft derzeit an der James Cook University in Townsville. 20 Prozent der weltweiten Methanemissionen gehen auf Nutztiere zurück. Das Gas entsteht bei der Verdauung von Zellulose im Pansen der Kuh und entweicht dem Tier als Rülpser, etwa alle 40 Sekunden einmal. Da Algen und Wasserpflanzen weit weniger Zellulose enthalten als Gras, hoffen die Wissenschaftler, den Ausstoß um bis zu 40 Prozent reduzieren zu können. Lange hatte man die Gefährlichkeit von Methan für das Klima unterschätzt. Forschern, die Tiere dazu bringen wollten, weniger von dem Treibhausgas zu produzieren, wurde wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Erst seitdem klar ist, dass sich ein Kilogramm Methan bis zu 23-mal stärker auf die Erderwärmung auswirkt als dieselbe Menge Kohlendioxid, bemüht sich die Forschung verstärkt darum, den Kühen das Gas auszutreiben. So erfand ein Stuttgarter Agrarwissenschaftler vor einiger Zeit eine faustgroße Tannintablette, die Einfluss auf den Verdauungsprozess nehmen soll. In Zürich reicherten Forscher das Futter mit Kokosfett an, um eine Reduzierung der Methanwolke zu erreichen. Die australischen Wissenschaftler der James Cook University wollen nun die ideale Diät finden, indem sie zunächst geringe Mengen an Algen ins Futter der Testrinder mischen – und dann nach und nach die Dosis erhöhen. Ihre Verdauungsphase verbringen die Tiere in einer luftdichten Messkammer, in der die Wissenschaftler den Anteil unerwünschter Biogase exakt bestimmen können. Falls sich der neue Speiseplan durchsetzt, müssen sich die Rinder jedenfalls keine Sorgen um Nachschub machen. „Algen fallen reichlich bei der Reinigung von Aquakulturen an“, sagt Anthony Parker, der an der Versuchsreihe beteiligt ist. Grund für den Algenreichtum sei die Überdüngung der Küstengewässer. So bedrohen immer wieder Algenteppiche das Große Barriereriff vor der Ostküste Australiens. „Würde man die Algen als Viehfutter verwenden“, so Parker, „hätten wir nicht nur weniger Treibhausgase, sondern auch ein gesünderes Meer.“ ot
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