Politik
Asyl im Pazifik
Der Staat Palau in der Südsee hat sechs ehemalige Häftlinge des US-Gefangenenlagers Guantánamo aufgenommen. Die Uiguren, Angehörige einer muslimischen Minderheit in China, saßen teilweise mehr als sieben Jahre in dem Straflager ein. Sie waren aus Angst vor Unterdrückung von China nach Afghanistan und Pakistan geflüchtet. Dort wurden sie nach den Anschlägen am 11. September 2001 als mögliche Terroristen festgenommen und in das umstrittene Lager auf Kuba gebracht. Inzwischen ist ihre Unschuld erwiesen. Die US-Regierung ist fieberhaft auf der Suche nach Ländern, die Exinsassen aufnehmen. Palau, rund 800 Kilometer östlich der Philippinen gelegen, will insgesamt 14 Uiguren eine neue Heimat bieten. Das Kalkül der Regierung ist simpel: „Palau erhält im Gegenzug für die Aufnahme millionenschwere Entwicklungshilfe“, sagt Maja Liebing von Amnesty International. „Zudem pflegt das Land enge Beziehungen zu Taiwan, das sich von China ja emanzipieren will.“ Palau selbst erkennt die Volksrepublik China offiziell nicht an. Der Inselstaat hat nur 20 000 Einwohner und ist ehemaliges Treuhandgebiet der USA. Einst gehörte Palau sogar als Kolonie zum Deutschen Kaiserreich. Die Insel wird für die sechs Männer, die zwischen 34 und 40 Jahre alt sind, wohl nicht die letzte Station sein. „Alle Beteiligten sind sich einig, dass ihre Integration einfacher in einem Land wäre, in dem es bereits eine Uiguren-Gemeinschaft gibt“, sagt der New Yorker Anwalt Michael Sternhell, der drei der Uiguren vor Gericht vertritt. „Länder wie Deutschland, Australien oder Kanada wären ideal.“ Deutschland hat jedoch bereits im Herbst 2009 die Aufnahme abgelehnt. Weil zu wenige Staaten bereit sind, Guantánamo-Insassen aufzunehmen, musste US-Präsident Obama die angekündigte Schließung des Lagers vorerst verschieben. muk
Ozeanforschung
Schatztruhe Tiefsee
Die Tiefsee ist artenreicher als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des internationalen Forschungsprogramms „Census of Marine Life“, das seit zehn Jahren die Artenvielfalt der Meere untersucht. Laut einer ersten Zwischenbilanz, die vor Kurzem veröffentlicht wurde, registrierten die Forscher bisher 17 650 verschiedene Tier- und Pflanzenarten, die meisten in Tiefen unter 1000 Meter. „Mit ferngesteuerten Robotern und Kameras können wir inzwischen in Bereiche vordringen, die der Wissenschaft zuvor verschlossen waren“, sagt Uwe Piatkowski vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel, der für die maritime Zählung unter anderem die Gebirgsrücken im Atlantik erforscht. „Daher entdecken wir natürlich auch viel mehr Tierarten.“ Bei den mehr als 200 Tauchgängen fanden die Wissenschaftler mehrere kuriose Spezies wie etwa den Dumbo-Oktopus. Dieser ein bis zwei Meter lange Krake hat zwei riesige Flossen am Kopf, die an Elefantenohren erinnern. Im Golf von Mexiko entdeckten die Forscher außerdem einen Röhrenwurm, der nur von Erdöl lebt. Die Organismen haben sich so an das Umfeld angepasst, dass sie selbst in Meerestiefen von bis zu 5000 Metern, wo der Druck extrem hoch ist und völlige Dunkelheit herrscht, leben können. Sie verwerten abgestorbenes Material auf dem Meeresboden oder Bakterien, die Öl und Schwefel aufspalten. Mittlerweile interessiert sich nicht nur die Wissenschaft für die Tiefsee. Pharmaunternehmen hoffen auf neue Wirkstoffe, Fischer auf neue Fanggründe, Ölkonzerne auf neue Vorkommen. Umweltschützer fordern seit Jahren einen besseren und weltweit koordinierten Schutz der Tiefsee. muk
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