Wirtschaft
China will Arktis erobern
Schnellere Routen, kostbare Bodenschätze – wenn das Nordpolarmeer eisfrei wird, locken Milliardengewinne. China hat das Potenzial erkannt und rüstet sich für die Zeit, in der die arktischen Seewege im Sommer befahrbar werden. Chinesische Schiffe bräuchten dann auf dem Weg nach Europa nicht mehr durch den Indischen Ozean und den gefährlichen Golf von Aden zu fahren, sondern könnten nördlich an Russland vorbei die Abkürzung durch das Nordpolarmeer nehmen. Für die Strecke von Schanghai nach Hamburg wären das 6400 Kilometer weniger als bisher. Schon heute besitzt die Volksrepublik laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri den größten Eisbrecher der Welt, Ende vergangenen Jahres wurde beschlossen, bis 2013 die Flotte aufzurüsten. Von den neuen Seewegen profitieren will auch die deutsche Schifffahrt. So fuhren im vergangenen Jahr bereits zwei deutsche Frachter durch die Nordostpassage – außer Russland hatte das zuvor niemand gewagt. Allerdings glauben die meisten deutschen Reeder nicht an einen wirtschaftlichen Gewinn. „Die großen Containerschiffe werden die Route nicht nutzen“, sagt Max Johns vom Verband Deutscher Reeder. „Containerschiffe müssen viele Häfen anfahren, und in der Arktis gibt es keine sinnvollen Stopps.“ Außerdem mache der geringe Tiefgang Probleme. Die Strecke sei daher nur für Massengutschiffe, etwa Tanker, interessant, wenn sich Russland kooperativ verhält. „Die bürokratischen Hürden sind hoch“, so Johns. Und die Ersparnis sei nur gering. „Die interessanten Häfen in China liegen im Süden. Von dort aus macht es keinen großen Unterschied, ob man die Nord- oder die Südroute nimmt.“ nb
Politik
Petersburg im Trockenen
32 Jahre wurde daran gebaut, nun ist das neue Deich- und Schleusensystem von Sankt Petersburg fast fertig. Das Bauwerk, auch Damba genannt, soll die russische Hafenstadt vor Hochwasser schützen. Gleichzeitig trägt es eine über 25 Kilometer lange Autobahn quer durch den Finnischen Meerbusen. Über drei Milliarden Euro hat der vom Staat finanzierte Bau bisher verschlungen, weil sich die Fertigstellung immer wieder verzögerte. Zudem sorgte das Projekt für Ärger. Dem Bauherrn wurde vorgeworfen, in großem Umfang Gelder veruntreut zu haben. Walentina Matwijenko, Gouverneurin der Millionenstadt, beteuert, dass Ende 2010 der Damm endgültig fertig sein werde. „Für 2011 bleiben nur noch Inbetriebnahme- und Testarbeiten, das sind Kleinigkeiten.“ Sankt Petersburg, am Fluss Newa gelegen, wurde in der Vergangenheit des Öfteren von Hochwasser heimgesucht, meist dann, wenn Westwind in den Finnischen Meerbusen drückte und den Abfluss des Flusswassers verhinderte. Die neuen Ventilschleusen sollen das verhindern. Allerdings befürchten Ökologen, dass der Damm die natürlichen Meeresströme blockieren und den Finnischen Meerbusen langsam in eine riesige Kloake verwandeln wird. „Der Deich und die Abwässer, die die Newa in die See trägt, sowie der Bau zahlreicher künstlicher Halbinseln belasten das ökologische Gleichgewicht des Meerbusens enorm“, sagt Dmitri Artamonow von Greenpeace. Die Stintbestände zwischen Ufer und Damba seien bereits deutlich zurückgegangen. Schon 1987 hatten Naturschützer gegen das Projekt protestiert und einen langjährigen Baustopp erwirkt. Inzwischen soll die Konzentration der Kolibakterien an manchen Stellen der Newamündung die gesetzlichen Normen um das 50-Fache übersteigen. sts
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