Tourismus
Weltuntergang in Dubai
Dubai fürchtet um sein Prestigeobjekt: Offenbar droht die künstliche Inselgruppe „The World“ in den Fluten zu versinken. „Die Inseln fallen langsam wieder zurück ins Meer“, zitiert die britische Tageszeitung „Daily Telegraph“ Richard Wilmot-Smith, Anwalt der Singapurer Logistikfirma Penguin Marine. Die Fahrrinnen zwischen den Eilanden seien durch Versandung und Erosion bereits unpassierbar. Das Projekt ist „tot“, so Wilmot-Smith. Die 300 aufgeschütteten Inseln, die vom Flugzeug aus gesehen die Form einer Weltkarte haben, sollen eigentlich an gut betuchte Investoren verkauft werden.
Dubais staatseigener Baukonzern Nakheel wirbt mit den Worten: „The World ist ein Inselparadies aus Meer, Sand und Himmel.“ Doch der Bau und die Vermarktung waren wegen der Finanzkrise ins Stocken geraten. Die Immobilienpreise in Dubai
halbierten sich, 2009 wurde Nakheel mit Zuschüssen in Höhe von rund 18,5 Milliarden Euro vor dem Bankrott gerettet. Penguin Marine hat nun Klage eingereicht. Das Singapurer Unternehmen besitzt die Rechte für den Bootstransport zu und zwischen den Inseln und bezahlt dafür angeblich eine jährliche Gebühr von 1,2 Millionen Euro an Nakheel. Doch es finden kaum Transporte statt. Penguin Marine will die Zahlen nicht bestätigen, auch nicht, ob tatsächlich eine Klage vorliegt. Nakheel ist für eine Stellungnahme derzeit nicht zu erreichen, Anrufe landen auf Mailboxen, Mails bleiben unbeantwortet. Laut „Daily Telegraph“ kommentierte der Nakheel-Sprecher Graham Lovett: „Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt und hat sich verlangsamt. Es wird aber vollendet.“ Das Projekt sei nicht tot, aber „im Koma“. In einem deutschen Medienbericht meldete sich der österreichische Unternehmer Josef Kleindienst zu Wort, dem die Inseln Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Schweden und Sankt Petersburg gehören. „Wenn eine Insel nicht unterhalten wird, dann setzt die Erosion ein. Das hat mit Sinken nichts zu tun.“ Kleindienst zahlte für seine sechs Inseln 840 Millionen Dollar und vermarktet sie als „Herz Europas“. Luxusvillen sollen reiche Touristen anlocken. Doch bislang steht noch kein Gebäude. mz
Fischerei
Menschen essen zu viel Fisch
Fisch ist als Nahrungsmittel beliebt wie noch nie. Mit jährlich 17,2 Kilogramm pro Person, also täglich fast 50 Gramm, habe der Fischkonsum einen neuen Höchststand erreicht, berichtet die Welternährungsorganisation FAO in ihrem jüngsten Fischereireport. Deutsche verzehren demnach im Schnitt jährlich 15 Kilogramm Fisch, Portugiesen sogar 55. Die Folgen für die Weltmeere sind verheerend. Laut dem Report sind 85 Prozent der Bestände überfischt oder bis an die biologischen Grenzen ausgebeutet. Vor zwei Jahren lag diese Zahl bei 80 Prozent. „Die Entwicklung ist besorgniserregend. Der Prozentsatz an überfischten Arten muss zurückgehen“, sagt Richard Grainger, Mitherausgeber der Studie. Der wachsende Bedarf wird derzeit überhaupt nur gedeckt, weil Aquakulturen wild gefangenen Fisch ersetzen. Mittler-
weile stammt fast jeder zweite Fisch aus Massentierhaltung vor allem aus China. Insgesamt wurden 2009 weltweit 145 Millionen Tonnen Fisch und Fischprodukte produziert, so viel wie noch nie. Karoline Schacht, Fischereiexpertin bei der Naturschutzorganisation WWF, fordert ein Umdenken, vor allem von den Europäern. „Wir müssen Fisch als wertvolle und endliche Ressource verstehen, als Delikatesse, nicht als Standardessen.“ Damit die Fischerei nachhaltig bleibe, dürfe jeder Mensch nur sieben Kilogramm Fisch im Jahr essen, so Schacht. Noch sei eine Umkehr möglich, weil sich Fischpopulationen innerhalb von drei bis vier Jahren erholen können. „Dafür müssten die Fangquoten mindestens eingefroren werden.“ mz
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