Politik
Putins Stranddatsche
Über die Gegend, in der ganz Russland gern Urlaub macht, macht sich ganz Russland nun Gedanken. Denn nahe Sotschi am Schwarzen Meer steht auf einer Anhöhe ein Palast mit unklaren Besitzverhältnissen. Es gibt einen Hubschrauberlandeplatz, einen eigenen Weinberg und innen viel Schnörkel und Gold. Angeblich hat das Schloss eine Milliarde Dollar gekostet und war für den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin gedacht. Jetzt wurde es überraschend verkauft – für 250 Millionen Euro an den Geschäftsmann Alexander Ponomarenko. Ein Sprecher Putins weist eine Verbindung zwischen seinem Dienstherrn und dem Bau zurück. Medien dagegen behaupten, „Putins Palast“ sei mit Korruptionsgeldern gebaut worden. Sie veröffentlichten Dokumente, die eine Beziehung zu staatlichen Auftraggebern nahelegen. Außerdem zeigte Ruleaks, die russische Version des Internetportals Wikileaks, Fotos des luxuriösen Anwesens. „Wir sagen nicht, wem dieser Palast gehört, wir veröffentlichen nur Fotos des Objekts“, hieß es auf Ruleaks.net. „Die Region ist bekannt für Schlösser und Pensionate, in denen sich Zaren, Parteigrößen und später auch Angehörige des einfachen Volkes erholen durften“, sagt der Architekt Niko Rickert, der mit seinem Planungsbüro „+aap“ in Russland tätig ist und den Klub deutscher Architekten und Ingenieure in Russland mitgegründet hat. „Der Palast fügt sich mit seinem monetären imperialen Stil gut in das bestehende Schwarzmeerensemble ein.“ Was nach dem Verkauf aus der Liegenschaft wird, ist noch unklar. Vielleicht, ganz schnöde, ein Hotel. js
Design
Portemonnaies aus Seekarten
Das Meer birgt viele Schätze – Jo-Hanna Klamroths Portemonnaies könnten den Weg dorthin weisen. Die Hamburger Designerin näht Geldbörsen aus Seekarten und verkauft sie seit Kurzem unter dem nach ihr benannten Label „Jo“. Die Seekarten, aus denen die Börsen entstehen, waren alle einmal in Gebrauch. „Das sieht man auch“, sagt Klamroth, „sie haben zum Beispiel Kaffeespritzer oder Knicke.“ Die 29-jährige Klamroth ist ausgebildete Friseurin, hat schon immer genäht und gebastelt, und sie hatte schon immer einen Bezug zum Meer. Ihr Vater besaß früher eine Yacht, mit der die Familie häufig auf See unterwegs war. Als das Schiff verkauft wurde, entstand die Idee für die Portemonnaies. Aus den Karten von Bord der Familienyacht nähte Klamroth ihrem Freund die erste Geldbörse. Mittlerweile ist der Freund in den kleinen Familienbetrieb eingestiegen und hält Kontakt zu Seeleuten, die ihm ihre ausrangierten Karten vermachen, denn die des Vaters sind längst weiterverarbeitet. Die Karten werden mit einem eigens entwickelten und geheimen Verfahren behandelt und dann gefüttert. Sie seien griffig und hielten jedem Wetter stand, sagt Klamroth. Je nach Größe
bekommen die Ergebnisse dann passende Namen. Modell „Frachter“ ist das größte Portemonnaie und kostet 45 Euro, dann folgen „Schlepper“ für 38 und „Kutter“ für 16 Euro. Auskunft gibt es unter www.moneymaps.de. js
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