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Wirtschaft


Schwimmender Gasverflüssiger

Der Erdölkonzern Shell will erstmals direkt auf dem Meer Erdgas fördern. Dafür soll eine Art Riesenponton gebaut werden, auf dem Erdgas gewonnen und verflüssigt werden kann. Laut Shell wird die gesamte Anlage 488 Meter lang und 600 000 Tonnen schwer sein. Installiert wird sie in der Timorsee, etwa 200 Kilometer vor der Küste Nordwestaustraliens. Dort hatte Shell vor einigen Jahren ein gewaltiges Gasfeld unter dem Meeresboden entdeckt und den Zuschlag für die Erschließung erhalten. Das aus dem Meer gewonnene Gas soll vor Ort durch Abkühlung auf minus 162 Grad Celsius verflüssigt werden, was eine Verkleinerung des Volumens um das 600-Fache zur Folge hat. Der Vorteil dieses Verfahrens: Man braucht keine Rohrleitungen mehr, sondern lässt das Flüssiggas direkt von Tankern in die Häfen transportieren, wo es dann auf Züge und Lkws verladen wird. „Die Entwicklung der Anlage ist hochkomplex, da sie widrigen Wellen-, Strömungs- und Windbelastungen trotzen muss“, sagt Torsten Schlurmann vom Franzius-Institut für Wasserbau und Küsteningenieurwesen an der Universität Hannover. Gebaut wird die gigantische Plattform vom südkoreanischen Konsortium Technip-Samsung. Die Naturschutzorganisation WWF befürchtet massive Auswirkungen auf die Ökologie in der Timorsee, wo gefährdete Wale, Schildkröten und Delfine leben. Für Shell aber dürfte es ein gutes Geschäft werden. Der Konzern rechnet mit einer Förderung von 5,3 Millionen Tonnen Erdgas im Jahr. Außerdem ist die Anlage nicht an einen Ort gebunden. „Die Technik ist grundsätzlich mobil einsetzbar“, sagt Ingenieur Schlurmann, „und sie ermöglicht die Erschließung von anderen Feldern in der Tiefsee, etwa im Atlantik westlich von Afrika.“ Wie teuer die Plattform vor Australien sein wird, darüber schweigt der Konzern. In der Pressemitteilung heißt es lediglich, dass man in verschiedene Projekte in Australien insgesamt 30 Milliarden Dollar investieren werde. Mit der Erdgasförderung in der Timorsee soll im Jahr 2017 begonnen werden. js

Wissenschaft


Eisscholle als Flaschenpost

Der deutsche Arktiskenner und Abenteurer Arved Fuchs ist derzeit mit seinem Team in den Gewässern vor Ostgrönland unterwegs. Ziel der Reise ist es, die Veränderungen der dortigen Meeresregion durch den Klimawandel zu dokumentieren. Dafür will Fuchs eine Funkboje auf dem Treibeis aussetzen und über längere Zeit die Position der Eisscholle beobachten. Anhand der Eisdrift lassen sich Rückschlüsse auf Meeresströmungen, die Kompaktheit des Eises und die Temperatur ziehen. Die gewonnenen Daten könnten nützlich sein, um die Auswirkungen der Erderwärmung konkret zu messen. Die aktuelle Position der „digitalen Flaschenpost“ ist im Internet abrufbar unter www.arved-fuchs.de. „Wir wollen mit der Aktion vor allem Jugendliche auf den Klimawandel aufmerksam machen, dessen Folgen schon heute in den polaren Regionen sichtbar sind“, sagt Fuchs. Bekannt geworden ist der 58-Jährige durch seine zahlreichen Polarexpeditionen. 1989 erreichte Fuchs als erster Mensch beide Pole innerhalb eines Jahres zu Fuß. Im selben Jahr erwarb er das eisfeste Segelschiff „Dagmar Aaen“, mit dem er auch die derzeitige Expedition durchführt. Fuchs rechnet damit, dass Eis und Boje mit dem Ostgrönlandstrom zur Südspitze der Insel treiben. Dann könnte die Eisscholle von einer anderen Strömung erfasst werden und an der Westküste Grönlands wieder Richtung Norden in die Baffin Bay driften. „Wir sind gespannt, wie lange die Eisscholle überdauert“, so Fuchs. Möglich wäre auch, dass sie unterwegs zerbricht. In der Baffin Bay dagegen könnte sie im nächsten Winter erneut einfrieren. Die Boje von Fuchs ist freilich nicht die einzige, die durch die Polargebiete treibt. Bereits seit mehreren Jahren setzen Wissenschaftler des International Arctic Buoy Programme Messbojen
auf dem Eis der zentralen Arktis aus, um ihre Wanderung zu verfolgen. In der Framstraße zwischen Ostgrönland und Spitzbergen ist zurzeit allerdings kein Gerät unterwegs. „Wir sind deshalb sehr dankbar für die Daten, die uns die Boje von Fuchs liefern wird“, sagt Dirk Notz, Eisspezialist am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Fuchs und sein Team werden Ende September in Deutschland zurückerwartet. ts

 


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mare No. 87

No. 87August / September 2011

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