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Wie man sich irren kann. Aber Wolfgang Hildesheimer, der bekannte Schriftsteller und lebenslange Freund, hatte mit Sicherheit anderes vor Augen, als er sein Urteil fällte. Nämlich jene frühen Griechenland-Aufnahmen, mit denen sich Herbert List Ende der 1930er bekannt gemacht hatte und mit denen er in die Geschichte der Fotografie eingegangen ist. Etwa das 1937 auf Santorin entstandene „Goldfischglas“, die Aufnahmen von Säulentrommeln, Statuen oder hellenistischen Reliefs unter gleißender Sonne. List, so Hildesheimer, sei „immer ein Fotograf des Statischen gewesen, eben des Zustands eher als des Augenblicks“. Ähnlich Michel Tournier, der in List einen Fotografen der „Statik und der Stille“ sah – was für dessen frühe Lichtbildnerei gegolten haben mag. Mit dem Weltkrieg, dem Dienst in der Wehrmacht, der Rückkehr in ein zerstörtes Deutschland änderte sich Lists Blick und sein Bezug zur Wirklichkeit.
1903 in Hamburg als Sohn eines Kaffeeimporteurs geboren und zeitweise im väterlichen Unternehmen tätig, hatte List bereits Mitte der 1920er-Jahre zu fotografieren begonnen. Einflüsse des Surrealismus, der Pittura metafisica oder der Neuen Sachlichkeit sind auszumachen. Zugleich entwickelte List eine eigene Haltung in Stil und Themenwahl, was es bis heute schwer macht, ihn innerhalb der Avantgarde zu verorten. Zeitlebens hat sich List als fotografierender Amateur verstanden. Profi war er gleichwohl, was sein fototechnisches Verständnis wie sein erwachendes Interesse am gedruckten Bild betraf. In mehrfacher Hinsicht markierten die 1940er- und 1950er-Jahre einen Paradigmenwechsel in Herbert Lists Leben. Von Hamburg war er nach München gezogen, arbeitete jetzt verstärkt für Zeitungen und Zeitschriften, plante Bücher und war auf wichtigen Ausstellungen wie der Schau „The Family of Man“ 1955 vertreten. Aus dem magischen Auge war ein erzählender Blick geworden. Und auch fototechnisch beschritt Herbert List neue Wege, indem er auf Anregung des befreundeten Max Scheler die eher behäbige Rolleiflex zur Seite legte und zur kleineren, beweglicheren Leica griff. Was blieb, war die Liebe des klassisch gebildeten List zum mediterranen Süden, zu Griechenland und Italien, wenngleich sich die Aufmerksamkeit des fotografierenden Künstlers nun eher auf Italien richtete.
Dies ist ein Auszug aus dem Text. Den ganzen Beitrag lesen Sie in mare No. 177. Abonnentinnen und Abonnenten lesen ihn auch hier im mare Archiv.