Mondlicht

Fundstücke aus Kunst und Literatur

Mondnächte sind faszinierend. Doch ein Mond, der auf den Weiten des Meeres schimmert, ist überwältigend. So empfand es auch der russische Maler armenischer Herkunft Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817–1900) und hielt die Magie einer „Mondnacht an der Küste der Krim“ auf Leinwand fest. Doch was für ihn nur Inspiration für ein Gemälde war, war für den expressionistischen Berliner Schriftsteller Alfred Lichtenstein (1889–1914) der Wunsch, mit dem Mond hinter den Wolken zu leben, weit weg von dem Krieg, der ihn mit 25 Jahren das Leben kosten sollte. Seine Trauer und die Gedanken an seinen Tod, den er schon kommen spürte, schrieb er in dem Gedicht „Wellenschwer“ nieder. Auch der große schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson (1850–1894) verband Mondlicht mit dem Tod. Jim Hawkins, der Erzähler seiner „Schatzinsel“, wäre einmal fast ertrunken, nachdem die See ihn aus dem Boot geworfen hat. Er erinnert sich, dass er oft untergetaucht und wieder hochgekommen ist, jedes Mal prägte sich ihm ein Schimmer des Mondlichts ein. Dieses leichte Licht gab ihm Halt und half ihm bei der Orientierung. Heute liegt Stevenson auf einem Hügel der samoanischen Insel Upolu begraben, hoch über dem Pazifik, nachts vom Mond beschienen. kkr

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mare No. 80

No. 80Juni / Juli 2010

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