Melville

Fundstücke aus Kunst und Literatur

Am 1. August vor 200 Jahren wurde Herman Melville in New York geboren, 1891 starb er in seiner Heimatstadt. Nach einer Episode als Grundschullehrer heuerte er auf dem Walfänger „Acushnet“ an. Die grausamen Bedingungen an Bord ließen ihn auf einer polynesischen Insel von Bord gehen. Er landete im Gefängnis und heuerte wiederholt auf Schiffen an, bis er sich 1844 in Boston niederließ. Mit 27 hatte er sein erstes Buch geschrieben. „Moby-Dick“ erschien fünf Jahre später, wurde in den USA verrissen und -verkaufte sich zu Melvilles Lebzeiten nur 3000-mal. Erst seit den 1920er-Jahren gilt es als eines der großen Meisterwerke der Literaturgeschichte. Der Rüganer Autor Holger Teschke (geboren 1958) bezieht sich in seinem Gedicht auf die Arrowhead genannte Melville-Farm in Pittsfield in Massachusetts, wo der Dichter lebte, als er „Moby-Dick“ schrieb. Die in Dresden lebende Künstlerin Patricia Huck (geboren 1982) zeigt Melvilles Größe und sein Scheitern in einem Bild. Seine Haut wird zur Tafel für seine Virilität, Schifffahrt, polynesische Ikonografie und natürlich sein Lebensthema: der Wal. zdb


To the Master of the “Meteor”

Lonesome on earth’s loneliest deep,
Sailor! who dost thy vigil keep –
Off the Cape of Storms dost musing sweep
Over monstrous waves that curl and comb;
Of thee we think when here from brink
We blow the mead in bubbling foam.

Of thee we think, in a ring we link;
To the shearer of ocean’s fleece we drink,
And the “Meteor” rolling home.

 

An den Kapitän der „Meteor“

Einsam auf einsamsten Tiefen der Welt,
Seemann! Wer ist’s, der dir Nachtwache hält –
Träumend bist du ums Sturmkap geschnellt,
Durch Sturzsee und turmhohe Brecher;
An dich denken wir, wenn wir warten am Pier,
Blasen Bierschaum aus unserem Becher.

An dich denken wir, auf dich trinken wir;
Während du Neptun den Bart scherst, warten wir hier
Dass die „Meteor“ heimwärts rollt.

Deutsch von Alexander Pechmann


Holger Teschke

Melville auf Arrowhead

Der Walbuckel auf dem Maisfeld vor seinem Fenster
Mount Greylock im Nebel Die Ahornallee im Regen
Tief ziehen die Wolken über die Hügel der Berkshires
Bis zum Atlantik Im Wind die Kommandos der Jagd
Das Singen vom Krähennest There she blows
Das Gebrüll der Jäger wenn die Harpune trifft
Die Blutspur im Wasser und das Gemetzel der Haie
Von Nantucket bis zu den fernen Marquesas
Was hat Jona gesehen im Innern des Leviathan
Auf seiner dunklen Reise Im Bauch der Bestie
Auf der Flucht vor der Vorsehung und vor den Schulden
Von New York bis nach Pittsfield Dollars damn me
Und immer der Schatten von Bartleby an den Wänden
Geld Hawthorne Geld Auch ich würde vorziehn
Nichts mehr zu schreiben Aber solange noch
Etwas zu tun bleibt haben wir nichts getan
Leviathan ist nicht der größte der Fische
Ich habe von Kraken gehört

 

mare No. 134

No. 134Juni / Juli 2019

mare-Kulturredaktion

Mehr Informationen
Vita mare-Kulturredaktion
Vita mare-Kulturredaktion
Suchmaschine unterstützt von ElasticSuite