Am 23. Juni 1860 erreichen zwei Beamte im Auftrag des Polizeichefs von San Francisco die Farallon-Inseln, rund 30 Meilen vor der Küste der Stadt. Sie sollen dort nach dem Rechten sehen, denn die Inseln sind seit einigen Jahren jeden Sommer Schauplatz einer blutigen Fehde um ein begehrtes Gut: die Eier der Trottellumme. Die Pacific Egg Company beansprucht das alleinige Recht auf die Eier. Andere Gruppen von Eiersammlern, viele von ihnen italienischer Herkunft, sehen das anders. Der US-Staat hat noch keinen wirklichen Zu- griff auf die gerade erst amerikanisch ge- wordene Westküste.
Und so stoßen die Beamten bei ihrem Besuch im Sommer 1860 auf zwei bis an die Zähne bewaffnete rivalisierende Banden, die „trotzig Widerstand“ leisten, wie die örtliche Zeitung berichtet. Die Polizisten nehmen drei Männer fest und beschließen dann, sich lieber zurückzuziehen und Verstärkung zu holen. Bald aber, da ist sich der „Daily Alta California“ sicher, würden die Parteien zweifellos einsehen, dass es sinnlos sei, „das Gesetz weiterhin zu missachten“. Welch eine Fehleinschätzung.
Wie Haifischzähne erheben sich die Farallons aus dem Wasser. Ihren Namen haben sie von den Spaniern, die zuerst dort landeten. „Farallón“ bedeutet so viel wie „felsige Landzunge“. Formell gehören sie bis 1848 zu Mexiko. Russische Pelzhändler, die von Alaska aus Amerikas Westküste befahren, dürfen hier zeitweise ein Quartier errichten. Mitte des 19. Jahrhunderts dann, in einer Zeit, „in der Landraub in Mode ist“, wie Peter White in seiner Chronik der Farallons schreibt, zeigt sich an den Inseln ein Stück amerikanische Expansionsgeschichte im Kleinen: Das Recht des Stärkeren reicht weit – so weit, bis der Staat beschließt, der Stärkste sein zu wollen.
San Francisco ist im Jahr 1848 ein verschlafenes Örtchen mit 800 Einwohnern. Dann findet ein Zimmermann an einer Sägemühle östlich der Stadt Gold. Es ist der Beginn des kalifornischen Goldrauschs – und in der Rückschau reiner Zufall, dass er in den USA stattfindet. Denn die Umstände wollen es, dass Kalifornien nur Wochen nach dem Goldfund Teil der Vereinigten Staaten wird. Knapp zwei Jahre hatte man Krieg gegen Mexiko geführt, schließlich gesiegt und unter anderem Kalifornien und Texas dazugewonnen – für 15 Millionen Dollar, die Hälfte des Vorkriegsangebots.
US-Präsident James K. Polk, dessen größtes Bestreben es gewesen war, die USA bis an den Pazifik auszudehnen, kommt die Nachricht vom kalifornischen Gold wie gerufen, denn der Krieg hatte nicht nur Befürworter. Nun muss auch dem letzten Zweifler klar sein, dass sich der Aufwand gelohnt hat, so seine politische Logik. „Die bereits durchgeführten Erkundungen lassen darauf schließen, dass die Vorkommen sehr groß sind“, erklärt Polk im Dezember 1848 vor dem Kongress. Gold sei „an verschiedenen Stellen in einem weitläufigen Gebiet des Landes zu finden“.
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Judith Scholter, Jahrgang 1980, Journalistin in Hamburg mit Schwerpunkt Geschichte, hat noch nie andere Eier als die von Hühnern gegessen. Und auch die kocht sie grundsätzlich hart.
Carleton Watkins (1829–1916) gehörte zu den bedeutendsten amerikanischen Landschaftsfotografen des 19. Jahrhunderts. Seine Aufnahmen aus Kalifornien – von den Farallons bis zum Yosemite Valley – prägten das Bild des amerikanischen Westens und trugen dazu bei, dass Präsident Abraham Lincoln das Yosemite Valley 1864 unter Schutz stellte. Ein Großteil von Watkins’ Werk ging beim Erdbeben von San Francisco im Jahr 1906 verloren.
| Vita | Judith Scholter, Jahrgang 1980, Journalistin in Hamburg mit Schwerpunkt Geschichte, hat noch nie andere Eier als die von Hühnern gegessen. Und auch die kocht sie grundsätzlich hart. Carleton Watkins (1829–1916) gehörte zu den bedeutendsten amerikanischen Landschaftsfotografen des 19. Jahrhunderts. Seine Aufnahmen aus Kalifornien – von den Farallons bis zum Yosemite Valley – prägten das Bild des amerikanischen Westens und trugen dazu bei, dass Präsident Abraham Lincoln das Yosemite Valley 1864 unter Schutz stellte. Ein Großteil von Watkins’ Werk ging beim Erdbeben von San Francisco im Jahr 1906 verloren. |
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| Person | Von Judith Scholter und Carleton Watkins |
| Vita | Judith Scholter, Jahrgang 1980, Journalistin in Hamburg mit Schwerpunkt Geschichte, hat noch nie andere Eier als die von Hühnern gegessen. Und auch die kocht sie grundsätzlich hart. Carleton Watkins (1829–1916) gehörte zu den bedeutendsten amerikanischen Landschaftsfotografen des 19. Jahrhunderts. Seine Aufnahmen aus Kalifornien – von den Farallons bis zum Yosemite Valley – prägten das Bild des amerikanischen Westens und trugen dazu bei, dass Präsident Abraham Lincoln das Yosemite Valley 1864 unter Schutz stellte. Ein Großteil von Watkins’ Werk ging beim Erdbeben von San Francisco im Jahr 1906 verloren. |
| Person | Von Judith Scholter und Carleton Watkins |