Meerjungfrauen

Fundstücke aus Kunst und Literatur

Das märchenhafte Wasserwesen als Objekt der Sehnsucht, aber auch als Geheimnisträger der unergründlichen Natur ist ein Mythos, der Kunst und Literatur seit Jahrhunderten beflügelt. Der Maler Marc Chagall (1887–1985) hat 1945 aus den Märchen aus Tausendundeiner Nacht vier ausgewählt, um sie zu illustrieren. Es geht bei Dschullanâr, der Meermaid, wie bei allen um die Liebe – ein Jahr bevor Chagall die Arbeit am Zyklus „Arabische Nächte“ begann, war seine Frau Bella unerwartet verstorben. Der Fischer, der im Märchen des irischen Schriftstellers Oscar Wilde (1854–1900) eine Meerjungfrau im Netz hat, gibt seine Seele hin, um sich mit ihr zu vereinen, eine überirdische Liebe, die letztlich nur im Tod Vollendung findet. Der deutsche Lyriker Peter Rühmkorf (1929–2008) verarbeitet die schicksalhafte Begegnung ein wenig unverklärter, das Mysterium in der Tiefe aber bleibt bestehen. mw


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mare No. 110

No. 110Juni / Juli 2015

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