Lost in Louisiana

In Cajunland im Mississippidelta leben die Nachfahren einst aus Amerikas Nordosten vertriebener französischer Einwanderer. Sie halten ihre Kultur lebendig – gegen manchen Widerstand

In einem engen Bogen verlässt Jody Meche den Kanal und dringt mit seinem Boot in eine Zauberlandschaft: einen Wald aus Akazien, deren glatte, schlanke Stämme hoch aus dem Wasser ragen. Dazwischen breiten sich kleine, zitronenfarbige Inseln mit Yellowtops aus, einer Sumpfpflanze. Fünf weiße Reiher fliegen vor dem Boot auf, das plötzlich über einen grünen Teppich gleitet: Wasserhyazinthen, die vollständig den See bedecken. „Da finden wir massig Beute“, ruft Jody. Mit seiner gedrungenen Gestalt, den Knopfaugen im runden Kopf und seinem Moustache wirkt er wie ein gemütlicher Bauer aus der Bretagne.

Doch Jody Meche ist Fischer, Flusskrebsfischer in Südlouisiana und ein leutseliger Cajun. Er ist ein Nachfahre französischer Siedler aus Akadien in Kanada. Mitte des 18. Jahrhunderts von den Engländern von dort vertrieben, suchten sie hier, westlich vom Unterlauf des Mississippi, das Gelobte Land, ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Doch sie fanden nur eine von zahllosen Wasseradern durchfurchte Ebene im einstigen Delta des Mississippi. Denn der Fluss hatte seinen Unterlauf im Lauf der Jahrhunderte immer wieder verlegt – wie das lose Ende eines Wasserschlauchs. Acadiens nannten sich die Siedler oder einfach Cadiens. Doch bald schon sprach man im Englischen von den Cajuns. Das Fischen wurde zu ihrem Urberuf.

Jodys Fanggebiet ist das Atchafalaya Basin, das mit den umliegenden Bayous, wie die Wasserläufe hier heißen, als Keimzelle des Cajunlands gilt. Mit einer Ausdehnung von 250 mal 30 Kilometern ist es das größte Feuchtgebiet der USA und weckt viele Begehrlichkeiten. „Da“, ruft Jody, „das Schild ‚Posted‘, Einfahrt verboten! Das Gebiet hat sich jemand unter den Nagel gerissen. Sicher Spekulanten. Erdöl, Tourismus, wer weiß, was …“ Er dreht sich zur anderen Seite. „Und da drüben haben die Ölfirmen einen Kanal gebaggert und den Aushub einfach an die Seite geworfen. Da, der hohe Wall. Und da noch einer, da auch, überall! Der Wasserfluss ist völlig gestört. Immer mehr Sediment lagert sich ab. Ein Desaster.“

Jody reckt sich und steht im Boot, als sei er Ankläger vor Gericht. „Senator Caleb Kleinpeter“, ruft er, „gemeinsam mit dem Army Corps of Engineers haben Sie sich schuldig gemacht, Wasser vom Mississippi ins Basin abzuleiten und es dadurch noch mehr zu versanden und …“ Jody stutzt, reißt den Arm hoch: „Ein Seeadler! Ja, ich bin der Sprecher der Kreaturen hier – für die Adler, die Reiher, die Alligatoren, die Flusskrebse von Cajunland. Sie können sich nicht wehren, aber ich kann es. Für sie kämpfe ich gegen die korrupte Bande im Capitol von Baton Rouge.“ Er blinzelt. Seine eigenen Worte rühren ihn.

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mare No. 177

mare No. 177August / September 2026

Von Christian Jungblut und Bill Steber

Christian Jungblut, Jahrgang 1943, Reporter in Hamburg, fragte in Louisiana einen Fischer nach ein, zwei Austern zum Probieren. Der gab ihm kurzerhand eine ganze Tüte mit Dutzenden Austern. „Was bekommst du dafür?“, fragte Jungblut. Der Fischer sagte: „Nichts. Hoffentlich schmeckt’s dir.“

Bill Steber, geboren 1965, preisgekrönter Fotograf aus Tennessee, dokumentiert seit über 30 Jahren die Welt des Blues in Mississippi. Wenn er nicht fotografiert, steht er selbst mit verschiedenen Bluesbands auf der Bühne.

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Christian Jungblut, Jahrgang 1943, Reporter in Hamburg, fragte in Louisiana einen Fischer nach ein, zwei Austern zum Probieren. Der gab ihm kurzerhand eine ganze Tüte mit Dutzenden Austern. „Was bekommst du dafür?“, fragte Jungblut. Der Fischer sagte: „Nichts. Hoffentlich schmeckt’s dir.“

Bill Steber, geboren 1965, preisgekrönter Fotograf aus Tennessee, dokumentiert seit über 30 Jahren die Welt des Blues in Mississippi. Wenn er nicht fotografiert, steht er selbst mit verschiedenen Bluesbands auf der Bühne.

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Christian Jungblut, Jahrgang 1943, Reporter in Hamburg, fragte in Louisiana einen Fischer nach ein, zwei Austern zum Probieren. Der gab ihm kurzerhand eine ganze Tüte mit Dutzenden Austern. „Was bekommst du dafür?“, fragte Jungblut. Der Fischer sagte: „Nichts. Hoffentlich schmeckt’s dir.“

Bill Steber, geboren 1965, preisgekrönter Fotograf aus Tennessee, dokumentiert seit über 30 Jahren die Welt des Blues in Mississippi. Wenn er nicht fotografiert, steht er selbst mit verschiedenen Bluesbands auf der Bühne.

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