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Ist die Ostsee tatsächlicher blauer als die Nordsee?

Anne Burmester, per E-Mail

„Die wirkliche Farbe des Ozeans entsteht durch die Wechselwirkung der einfallenden Sonnenstrahlung mit dem Meerwasser und den darin gelösten oder schwebenden optisch wirksamen Wasserinhaltsstoffen“, sagt Herbert Siegel vom Warnemünder Institut für Ostseeforschung. Mit Blick aufs Mare Balticum fügt der Meeresoptiker hinzu: „Man kann nicht sagen, dass die Ostsee blauer ist als die Nordsee.“ Zwar erscheint Nordseewasser beim Blick vom Deich aus meist grau. Aber schon an den Stränden der Nord- und Ostfriesischen Inseln außerhalb des Elbeeinflusses ist eine Tendenz zum Blau unverkennbar. Ostseewasser ist dagegen grün. Der Grund: Durch die Entwässerung von Mooren gelangen gelöste organische Huminstoffe, auch Gelbstoffe genannt, über die Flüsse in die Ostsee. Weil die Wassermassen zwischen Ostsee und Nordsee beziehungsweise Atlantik kaum ausgetauscht werden, verbleiben immer gewisse Gelbstoffkonzentrationen im Ostseewasser. Diese bewirken eine deutliche Veränderung der Wasserfarbe, denn sie absorbieren das kurzwellige blaue Licht. Bei hohen Konzentrationen, etwa in Flüssen, führt das zu gelb- bis rotbraunem Wasser; bei geringeren Konzentrationen wie in der offenen Ostsee entsteht eine grüne Wasserfarbe, ähnlich der, die sich in der Deutschen Bucht im Mündungsgebiet der Elbe bilden kann.

Wie passen sich Bewohner der Tiefsee an den hohen Druck an?

Ein Besucher beim Tag der offenen Tür des Forschungsschiffs „Meteor“

Günstig ist es, wenn die Meeresbewohner eine ähnliche Dichte haben wie ihre Umgebung. So bestehen Quallen zu etwa 98 Prozent aus Wasser. Aber es gibt auch andere Anpassungsmechanismen. Pottwale etwa verfügen über einen elastischen Körperbau – ihr Skelett besteht zu einem großen Teil aus flexibler Knorpelmasse, und die Lunge ist komprimierbar. „Für Tiefseefische ist die Kontrolle des Auftriebs und daher die Anpassung an Druckunterschiede von entscheidender Bedeutung“, erklärt Heino Fock vom Institut für Seefischerei in Hamburg. Bei Fischarten, die ausgedehnte Vertikalwanderungen in den oberen 1000 Metern der Wassersäule unternehmen, sind in der Haut der Schwimmblase Guaninkristalle eingelagert. Dadurch ist sie besonders „abgedichtet“, sodass kein Gas ins Blut übertreten kann. Auch auf der Zellebene verfügen Tiefseebewohner über eine Besonderheit: Die für die Membranen wichtigen Lipide – das sind fettartige Verbindungen – müssen in hohen Tiefen durch besonders flüssige Varianten ersetzt werden. Diese garantieren den Stofftransport innerhalb der Zelle und in den Organen. Anderenfalls würde der Anteil von Stickstoff und Sauerstoff im Blut in unterschiedlichen Tiefen zu stark schwanken. Die Folge wäre eine Art tierischer Taucherkrankheit.

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mare No. 91

No. 91April / Mai 2012

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

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