Ich habe gewettet, dass der Mensch mehr Knochen hat als eine Dorade Gräten. Liege ich da richtig?
Frauke Fabel, per E-Mail
Mit dem Menschen als vermeintlicher Krone der Schöpfung verhält es sich, knochentechnisch gesprochen, noch recht einfach: Ein Erwachsener hat um die 210 Knochen, Babys dagegen an die 300, von denen viele im Lauf der ersten Lebensjahre noch miteinander verwachsen. Mit den Doraden hingegen ist es deutlich komplizierter. Sie zählen zu den Meerbrassen. Hierzulande kommt üblicherweise Sparus aurata, die Goldbrasse, auf den Tisch. Verblüffenderweise finden sich in der Literatur nur wenige Angaben zur Grätenzahl dieser Fische. „Das Geheimnis war schwerer zu lüften als gedacht“, sagt Ines Lehmann vom Max-Rubner-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Hamburg. Sie kontaktierte Kollegen vom benachbarten Von-Thünen-Institut für Seefischerei und legte eine Dorade in Pepsin ein, ein Verdauungsenzym. Ein langes Wochenende verging, dann lagen Gräten, Schwanz- und Kopfknochen der Goldbrasse frei. Die mühselige Zählung der zum Teil winzigen Gräten ergab etwa 180 Stück – die harten Bestandteile von Kiemen-, Bauch- und Schwanzflossen inklusive. Langer Rede kurzer Sinn: Sie haben Ihre Wette gewonnen. Herzlichen Glückwunsch.
Woher stammt der Brauch der Äquatortaufe?
Veronika Eicher, Regensburg
Wenn ein Kreuzfahrtschiff den Äquator überquert, wird dies mit einer Taufe der Passagiere gefeiert. Dieses moderne Ritual ist kein christliches Sakrament, hat aber doch eine Tradition, die bis zu den portugiesischen Seefahrern der frühen Neuzeit zurückreicht. Im 15. Jahrhundert rankten sich wilde Mythen um südliche Breiten, und das Überqueren des Äquators galt als lebensgefährlich. Um die Besatzung moralisch zu stärken, „taufte“ ein als Meeresgott Neptun verkleideter Seemann sie mit verschiedenen Riten, die über die Jahrhunderte in der Segelschifffahrt und später in den Marineflotten fortgesetzt und erweitert wurden. Dazu gehörten zum Beispiel Kopfrasur, Federn oder das Einflößen von verrotteten Flüssigkeiten. War das überstanden, bekam man eine Urkunde und gehörte zu den Getauften, was den Korpsgeist stärkte. Im 19. und 20. Jahrhundert eskalierte die Ruppigkeit des Rituals gelegentlich bis hin zu handfesten Missbrauchsskandalen. Die harmlose Variante erfreut sich jedoch in der touristischen und der Forschungsschifffahrt nach wie vor großer Beliebtheit, in nördlichen Breiten auch als Polartaufe beim Überqueren des Polarkreises.
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Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.
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