Leser fragen mare

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Woher kommt eigentlich der Ausdruck „in See stechen“, wenn eine Seereise beginnt?
Christoph Lindner, per E-Mail


In der einschlägigen maritimen Literatur taucht der Ausdruck „in See stechen“ kaum jemals auf. Im Internet wiederum wird heftig spekuliert: Steht die Wendung in Zusammenhang mit dem Stechzirkel, den die Offiziere nutzen, um die Entfernungen auf ihren Seekarten abzugreifen? Oder spiegelt sie wider, wie Schiffe mit spitz zulaufendem Bug die Wellen durchpflügen? Laut Kluges Wörterbuch der deutschen Seemannssprache ist der Ausdruck seit dem 16. Jahrhundert gang und gäbe. Kluge verweist unter anderem auf das 1798 erschienene „Allgemeine Wörterbuch der Marine“ von Johann Hinrich Röding, in dem unter dem Stichwort „In See stechen, oder in See gehen“ als niederländische Entsprechung „in zee steeken“ angeboten wird. Reinhard Goltz, Geschäftsführer des Instituts für niederdeutsche Sprache in Bremen, weist auf die enge Verwandtschaft des Niederländischen mit dem Plattdeutschen hin, aus denen etliche seemännische Begriffe ihren Weg ins Hochdeutsche gefunden haben – wie etwa „steeken“, „staken“, „stechen“. Und hier liegt wohl des Pudels Kern: In früheren Zeiten nutzten Ma- trosen lange Holzstangen, um Segelschiffe vom Ufer frei zu bekommen. Sicherlich stakten sie damit bisweilen auch ins freie Fahrwasser. Die Schiffe stachen also buchstäblich in See.

Wie ist die Norwegische Rinne entstanden?
Sabine Swoboda, Passau


Die Nordsee ist ein flaches, im Mittel nur etwa 90 Meter tiefes Randmeer des Nordatlantiks. Umso erstaunlicher, dass sie an ihrem nördlichen Ende, der Norwegischen Rinne, in bis zu 700 Meter Wassertiefe abfällt. Diese „Norskerenna“ schlägt einen weiten Bogen um die süd- norwegische Küste, von der Halbinsel Stad im Nordwesten bis fast zum Oslofjord im Osten. Während weitaus tiefere Ozeangräben wie etwa der Marianen- oder der Japangraben entstanden, weil dort schwere ozeanische unter leichteren kontinentalen Erdplatten abtauchen, liegen die Dinge vor Norwegen etwas komplizierter. „In früheren Epochen der Erdgeschichte war die Region von tektonischen Bruchlinien durchzogen“, sagt Professor Arild Andresen, Geologe an der Universität Oslo. Vor einigen Millionen Jahren ergossen sich sedimentreiche Flüsse durch diese noch embryonalen Rinnen. Die Steine, die sie mit sich führten, erodierten den Untergrund und schufen mächtige Täler – ideale Rutschbahnen für die mächtigen Gletscherströme, die, seit dem Beginn der Eiszeiten vor mehr als einer Million Jahren aus Norden und Osten kommend, mit unbändiger Kraft die Rinne auf mehr als 700 Meter vertieften.


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mare No. 95

No. 95Dezember 2012 / Januar 2013

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

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