Warum gehen Kapitäne so leichtherzig mit ihren Schiffen unter, ohne auch nur den Versuch zu machen, sich zu retten?
Christian Redeligx, per E-Mail
Unser Leser bezieht sich auf den Untergang der „Laconia“. Der britische Truppentransporter wurde 1942 von einem deutschen U-Boot torpediert. 1650 Menschen ertranken, darunter Kapitän Rudolph Sharp. Aus der Tragödie lässt sich indes nicht ableiten, dass Kapitäne, dem ungeschriebenen Gesetz „Frauen und Kinder zuerst“ folgend, immer als Letzte von Bord gehen oder gar „leichtherzig“ mit ihren Schiffen untergehen. Im Gegenteil: Mikael Elinder und Oscar Erixson untersuchten 18 Schiffsuntergänge aus drei Jahrhunderten. In ihrer Studie, die 2012 in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“ erschien, stellen die Forscher der Universität Uppsala fest, dass Kapitäne und Besatzungsmitglieder Schiffsuntergänge in einem signifikant höherem Maß überleben als Passagiere. Das zurzeit laufende Justizverfahren gegen Kapitän Francesco Schettino, der im Januar 2012 seine kenternde „Costa Concordia“ frühzeitig verließ, scheint das zu bestätigen. „Allerdings muss man immer den Einzelfall betrachten“, sagt Kapitän Lutz Mallon vom Forschungsschiff „Sonne“. Und Niels Jakobi, der der Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe vorsteht, ergänzt: „Wie Menschen in extremen Ausnahmesituationen agieren, lässt sich nur schwer vorhersagen.“
Wie wirkt sich die Last des grönländischen Inlandeises auf die Insel aus?
Veronika Eicher, per E-Mail
Mit einer Mächtigkeit von durchschnittlich 1500 Metern bedeckt das Inlandeis vier Fünftel Grönlands. Die Last der 2,9 Millionen Kubikkilometer Eis drückt Teile der Insel unter Meeresspiegelniveau. Einige Bereiche des vom Inlandeis bedeckten Zentralgrönlands liegen laut geophysikalischen Untersuchungen mehrere hundert Meter unterhalb des Meeresspiegels. Der Rekordwert wird an der mittleren Westküste erreicht. „Am Eisfjord von Ilulissat liegt Grönlands Erdkruste etwa 1500 Meter unter Meeresniveau“, sagt Ole Bennike vom Nationalen Geoforschungsdienst für Dänemark und Grönland. Wer an Grönlands Küsten wandert, kann alte Strandlinien entdecken, die deutlich über Meeresniveau liegen. Sie sind vor etwa 10 000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit entstanden, als das Land noch tiefer lag. Seitdem ist das Eis auf dem Rückzug. Durch die Entlastung taucht Grönland wieder auf. In einigen Bereichen der West- und Ostküste beträgt die Hebung bis zu 170 Meter. Die höchsten Strandlinien findet man allerdings nur 120 Meter über dem Meer, da der Meeresspiegel inzwischen um 50 Meter angestiegen ist. William Colgan, ein Kollege Bennikes, vermutet, dass Grönland sich um bis zu 900 Meter heben würde, falls das gesamte Inlandeis abschmölze.
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Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.
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