Leser fragen mare

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Gibt es eigentlich eine genaue Definition des Begriffs Brackwasser?
Sandra Golz, Berlin

Der Begriff Brackwasser leitet sich von meist kleineren Seen ab, die nach Deichbrüchen infolge von Sturmfluten entstehen. Diese Seen werden im niederdeutschen als Bracks bezeichnet, ihr Inhalt folglich als Brackwasser. Die Fachliteratur kennt mehrere Grenzwerte für diese Mischung aus Salz- und Süßwasser. Interessanterweise findet sich der Begriff in kaum einem ozeanografischen Lehrbuch. Limnologen, die Binnengewässer erforschen, verwenden die Bezeichnung dagegen sehr wohl. 1958 veranstaltete der Internationale Limnologische Verband ein Symposium in Venedig und schuf mit dem „Venice System“ eine allgemein gültige Klassifizierung für Wasser. Darin bezeichnet der Begriff „mixohalin“ Meerwasser mit Salzkonzentrationen zwischen 0,5 und 30 Promille. Zwar plädierten die Forscher in Venedig dafür, den Begriff Brackwasser wegen seiner Mehrdeutigkeit zu meiden. Der „Brockhaus“ freilich führt unter diesem Stichwort genau diese Grenzwerte an. Das „Venice System“ kennt drei Zwischenstufen mixohalinen Wassers. Deren mittlere mit Salzgehalten zwischen fünf und 18 Promille wird als „mesohalin“ bezeichnet. Diese Grenzwerte werden auch in einem neueren Lehrbuch der Limnologie verwendet, um den Begriff Brackwasser zu definieren.


Stimmt es, dass Fische ab einer bestimmten Wassertiefe kaum oder keine Schuppen haben?
Helmut Braun, St. Ulrich

So einfach ist die Einordnung in schuppige und schuppenlose Meeresbewohner leider nicht. „Wie in anderen aquatischen Lebensräumen existieren auch in der Tiefsee Fischgruppen, die Schuppen besitzen, und andere, die keine Schuppen haben“, erklärt Prof. Ralf Thiel, Kurator der größten Fischsammlung Deutschlands im Zoologischen Museum Hamburg. Der Experte nennt als beschupptes Beispiel die Laternenhaie (Etmopteridae) aus der evolutionsbiologisch alten Gruppe der Knorpelfische (Chondrichthyes), von denen viele Arten in der Tiefsee leben. Ihre Haut ist mit höckerigen oder konisch geformten Placoidschuppen, auch Placoidzähne genannt, bedeckt. Dagegen ist die Haut bei anderen evolutionsbiologisch ebenso alten Gruppen von Tiefseeknorpelfischen, wie etwa bei den Langnasenchimären (Rhinochimaeridae), nahezu unbeschuppt. Auch bei in der Tiefsee lebenden weniger „alten“ Gruppen von Knochenfischen (Osteichthyes) gibt es beschuppte Körperoberflächen und unbeschuppte. Zu den beschuppten Knochenfischen zählt etwa die Familie Oreosomatidae, die zu den Petersfischartigen (Zeiformes) gehört. Keine Schuppen finden sich dagegen zum Beispiel bei einer Reihe von Arten aus der Familie der Bartendrachenfische (Stomiidae).

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mare No. 103

No. 103April / Mai 2014

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

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