Wo in Europa kann man Ambra finden?
Georgine Schley, München
Tintenfische und Kalmare stehen zuoberst auf der Speisekarte der Pottwale. Wegen einer Darmanomalie werden bei etwa einem Prozent der Wale unverdaulische Teile wie die Schnäbel der Kopffüßer aber nicht erbrochen. Sie wandern durch den Verdauungstrakt der Pottwale und reagieren auf ihrem Weg mit Körpersäften, verhärten zu Klumpen und werden schließlich ausgeschieden oder gelangen nach dem Tod der Wale ins Meer. Die Ambra ist also schlicht Walkot, aber mit besonderen Eigenschaften: Sie riecht sehr besonders, kann durch ihre Konsistenz besonders gut Düfte fixieren und wird daher – mehr oder weniger verheimlicht – in der Parfümindustrie genutzt. Jedes Stück Ambra ist so einzigartig wie der Pottwal, der es produziert hat, abhängig von Speiseplan, Sonne, Temperatur und dem Weg des Stückes durch Salzwasser und Wellen. Zumeist wird Ambra an Pazifikstränden gesucht und gefunden, insbesondere in Neuseeland („Ein anrüchiges Geschäft“, mare No. 127). Die BBC berichtete vor einigen Jahren aber von einem Fund an Englands Atlantikküste, auch Funde an der Nordseeküste sind bekannt geworden. Hier wie auch an der Ostsee ist das Vorkommen aber extrem selten, denn Pottwale gibt es hier nicht. Allerdings „reift“ Ambra und wird umso besser und vor allem wertvoller, je länger sie im Wasser ist. Ambra wird daher auch „schwimmendes Gold“ genannt. Der Handel mit Walprodukten ist im weitesten Sinn verboten. Wer sucht, kann es mit viel Glück trotzdem finden.
Welches Tier macht sternförmige Spuren im Watt?
Ein Dangast-Urlauber, per E-Mail
Dem Fragesteller sind im Schlickwatt vor Dangast häufig vorkommende sternförmige Spuren aufgefallen. Ausgehend von einem Punkt, ziehen sich wenige Zentimeter lange Strahlen durch die weiche Wattoberfläche. Wer sich die Mühe macht, im Boden darunter nachzuschauen, muss bis zu 20 Zentimeter tief graben, um den Verursacher zu finden. So tief lebt nämlich die Pfeffermuschel. Ihre glatten, dünnen Schalen sind vielen Wattspaziergängern wohlbekannt. Sie sind zu sieben Zentimeter lang, haben unterschiedliche Farben und weisen meist deutlich erkennbare Farbabstufungen an den Wachstumsringen auf. Mit einem ihrer beiden Rüssel, dem Sipho, nimmt die Pfeffermuschel wie ein Staubsauger Nahrung von der Wattoberfläche auf. Dabei hinterlässt sie die charakteristischen Spuren. Die Pfeffermuschel lebt an den Küsten des Ostatlantiks, des Mittelmeers, der Ost- und der Nordsee. Heutzutage steht die Pfeffermuschel selten auf der Speisekarte. Doch wer sie probiert, schmeckt den Grund für ihren Namen.
Schadet Sonnencreme dem Meer?
Nicole Schmidt, per E-Mail
Hautärzte weisen in jedem Sommer wieder darauf hin: unbedingt eincremen, besser doppelt als einfach, vor und nach dem Baden sowieso. Im vergangenen Mai hat nun aber der US-Bundesstaat Hawaii ein Gesetz verabschiedet, das den Verkauf von Sonnencremes mit bestimmten Chemikalien verbietet. Oxybenzon und Octinoxat, auf diese beiden Chemikalien bezieht sich das ab 2021 geltende Verbot, wirken auf der Haut als Filter für UV-Strahlen, können aber im Wasser Korallen am Wachstum hindern. Korallen können vor der Nord- und Ostseeküste nicht beschädigt werden, dennoch gehen Wissenschaftler davon aus, dass sie gefährlich für Meeresorganismen sein können. Forschende des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde haben auch in der Ostsee UV-Filter gefunden, die aus Sonnencremes stammen. Zwar wurden die Filter im Nanobereich nachgewiesen, also in verschwindend kleinen Mengen. Schädigen könnten sie die Mikroorganismen im Meere trotzdem, wobei die Langzeitfolgen bislang noch nicht absehbar sind. Für diesen Sommer haben die Forschenden aber einen Tipp: die Körper erst nach dem Bad im Meer mit Sonnenschutz eincremen.
Was versteht man unter Eisbergfriedhöfen und wo findet man sie?
Herbert Stein, per E-Mail
Antarktische Tafeleisberge können mehrere Kilometer lang sein und mit einem Tiefgang von 200 bis 300 Metern oft am Kontinentalschelf hängen bleiben. Schaffen die Eisberge den Weg vom Schelf ins offene Meer, so werden sie mit der Ozeanströmung nach Norden, äquatorwärts getrieben. „Kleine Inselgruppen entlang der Routen, wie zum Beispiel Südgeorgien, sind als ,Eisbergfriedhöfe‘ bekannt. Auf den flachen unterseeischen Schelfhängen dieser Inseln stranden regelmäßig Eisberge“, sagt Torge Martin von Geomar in Kiel. Bekanntlich schaut nur der kleinere Teil eines Eisbergs, etwa zehn bis 20 Prozent, aus dem Wasser. Da kann der Tiefgang eines Eisbergs leicht mehrere hundert Meter betragen. In kalten, polaren Gewässern mit Temperaturen von etwa zwei Grad Celsius oder kälter können die großen Tafeleisberge der Antarktis mehr als zehn Jahre überstehen. „Es gibt sogar eine Beobachtung von einem Eisberg, der die Antarktis komplett umrundet hat“, so Martin. Grönländische Eisberge hingegen sind kleiner und stammen von Gletschern, die häufig tief in Fjorden versteckt liegen. Durch die Enge der Fjorde bewegen sich die Gletscherbruchstücke nur langsam, sodass nur etwa die Hälfte von ihnen das offene Meer als Eisberg erreicht. Wenn Buchten und Fjorde von Gezeitenströmungen dominiert werden, kann es leicht passieren, dass dieser täglich wiederkehrende gleiche Antrieb die Berge an bestimmten Orten versammelt und so ein Eisbergfriedhof entsteht.
Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.
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